398 Friedland (Stadt) Friedländer (David)
errichtete, welche die Entscheidung sehr bald herbeiführte; denn ihr Feuer richtete inden dichten Massen so schreckliche Verwüstung an, daß sich der russische linke Flügelnicht lange darauf nach Fnedland zurückwarf; er passirte hier die Aller und branntezur Deckung des Rückzugs die Vorstadt ab. Die Vortheile, die indeß der rechteFlügel über Lannes erhalten hatte, mußten unter diesen Umstanden aufgegeben wer-den; der allgemeine Rückzug durch Friedland ward befohlen. Hier halten sich aberschon Abtheilungen des Ney'schen Corps festgesetzt; die Russen, in der Flanke wirk-sam mit Kartätschen beschossen, stürzten sich in die brennende Vorstadt und muß- ,tcn sich, m engsten Sinne des Worts, durchschlagen; ein mörderisches Gefecht, >das vielleicht so viel Opfer als die Schlacht selbst kostete, mit Scenen, die das Ge-müth des versuchtesten Kriegers erschütterten. Eine Abtheilung, welche den Rück- !zug gedeckt hatte, fand die Brücken schon zerstört und rettete sich nur dadurch vonder Gefangenschaft, daß sie eine zwischen der Ziegelei und Kroschenen befindlicheFurth, freilich mit Verlust, zum Übergang über den Fluß brauchte; eine andreAbtheilung, unter General Lambcrt, mit 29 Kanonen, konnte ihn nicht mehr er-reichen; sie war so glücklich, während der Nacht nach Allenburg zu entkommen, vonwo aus sie wieder zur Armee stieß. Die Russen zogen sich über Wehlau auf das 'linke Ufer der Memel zurück; sie h alten 2 todte, 4 v erwundete Generale, und übn- igens ungefähr 7000 Todte und 12,000 Verwundete; das franz. Heer zählte 5verwundete Generale; sein übriger Verlust läßt sich nicht genau angeben, und wenner auch den im Bulletin genannten übersteigt, so erreicht er doch bei weitem nicht den jfeindlichen; es hatte außerdem 16 Kanonen erobert. Am 21. ward der Waffen- istillstand geschlossen, dem der Friede von Tilsit folgte.
Friedland, Fabrikstadt mit 2300 Einw. und Herrschaft in Böhmen, imbunzlauecKreise, an der Grenze der Oberlausitz und Schlesiens, mit einem Schlossegl. N. Wollenstem kaufte 1622 diese Herrschaft und wurde noch in dems. Z. vomKaiser zum Herzog von Friedland erhoben. Nach s. Tode siel die Herrschaft demKaiser zu, der einen Grafen Gallas damit belehnte, dessen Nachkommen, die Gra-fen Clam-Gallas, sie noch besitzen. Das weitläufige, durch seinen Bau und man-cherlei deutsche Alterthümer merkwürdige Schloß hat eine hohe freie Lage und iwurde ehemals für fest gehalten; auch behaupteten die Schweden im breißigjähr.Kriege sich lange Zeit in demselben. Unter den Denkmälern, die es aufbewahrt, !zeichnete sich ein treues Originalgi mälde Waüenstein's in Lebensgröße aus. Nach- lrichten über dieses Schloß und seine berühmten Besitzer findet man in der Schriftvon Nömetsy: „Das Schloß Friedland rc., nebst Urkunden und eigenhändigenBriefen des Herzogs Wollenstem" (Prag 1818, mit Kpsrn.).
Friedländer (David), Stadtrath in Berlin, ein mit dem lebendigstenSinne für das Gute, Wahre und Schöne begabter Jsraelit, Mendelssohns Schü-ler und Freund, der noch am Abend seines patriarchalischen Lebens aus dem uraltenQuell der Gottesfurcht und Weisheit, aus den heiligen Urkunden des Morgenlan-des, Kraft und Liebe zu edler Wirksamkeit schöpft, würde schon als Mensch in derAchtung seines Volks und in dem Andenken seiner Freunde fortleben, auch wenn ernicht durch belehrende Schriften auf die Bildung seiner Glaubensbrüder wohlthätig jeingewirkt hätte. Sein Vater gründete 1739 zu Königsberg in Ostpreußen einen ^Manufacturhandel, den er mit Fleiß, Kenntniß und Glück betrieb. Seine Red- >lichkeit in Geschäften war so anerkannt, daß er bis zu seinem Tode das volle Ver-trauen seiner Mitbürger genoß. In Freistunden beschäftigte er sich mit dem Tal-mud, las aber auch deutsche Bücher, vorzüglich Lessing's und Herder's Schriften.Seinen Kindern, sechs Söhnen und einer Tochter, gab er eine sehr gute Erziehung.David, der vierte Sohn, geb. 6. Dec. 1750, lernte früh jene Schriften kennen, auswelchen er s. Vater vorlas, und fühlte sich, wie viele s. Glaubensgenossen, von den ge-läuterten Grundsätzen, dem Scharfsinne der Gedanken und der Kraft deS Ausdrucks