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4 (1830) F bis G
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Fastnacht, Fastnachtspiele

gen verschieden. Die gewöhnliche ist, daß Telesphorus, Bischof zu Rom in derMitte des 2. Jahrh., dies 40tägige Fasten zuerst durch ein Kirchengesetz verord-net habe. Durch Papst Gregor den Großen wurde, um 600, die Aschermitt-woche zum Anfange der Fasten gesetzt, und der Tag vorher hieß Fastnacht,weil in der Nacht desselben, mit 12 Uhr, die Fastenzeit eigentlich anhob. DiesemFasten voran ging ein 3tägigss, wie ehedem die strengen Eiferer sich ausdrückten,ganz teuflisches Fest, das sie die Bacchanalien nennen. „Da die Christen", heißtes, „an diesen Tagen vorsätzlich raseten, so banden sie Larven vor, tauschten dieGeschlechter aus, verkleideten sich in Gespenster, gaben sich dem Bacchus und derVenus hin und hielten allen Muthwillen sich erlaubt". Dies ist der Ursprungdes heutigen Carnevals oder Faschings, wie er im südlichen Deutschlandgenannt wird, welcher vom heil. Dreikönigstage bis Aschermittwoche dauert. DerName Carneval wird a. d. Latein, von oarne und vals (nach Adelung, von derlatein. Benennung im Mittelalter: Oarne levainen) abgeleitet, weil man gleich-sam dem Fleische Lebewohl sagte. Man wollte sich vorher noch gütlich thun, unddies geschah im reichsten Maße, vornehmlich während der 3 letzten Tage des Car-nevals. Übrigens ist das Carneval selbst nichts Andres als die Saturnalien derchristlichen Römer, die ihre heidnischen Feste nicht vergessen konnten; am wenigstenein solches, wie die Saturnalien waren, die dem Saturn und der goldenen Zeitseiner ehemaligen Weltregierung zu Ehren, um das Andenken der Freiheit undGleichheit der Menschen in der ersten Jugend der Welt lebendig zu erhalten, alljähr-lich im December mit allerlei Muthwillen., Scherz und Ausgelassenheit gefeiertwurden. Zu Rom brachte das Carneval die alten ^saturnalien in einer neuenForm lebhaft wieder vors Auge, und bei den neuen Gebräuchen schimmern die altendurch. Weil in den letzten Tagen des Carnevals, also Fastnacht, und vornehm-lich noch an dem diescrNacht langer Fasten vorhergehenden Tage, der Muthwille inMummereien, Scherzen, Possen und Ausgelassenheiten aller Art sich drängte, soerschien Fastnacht besonders als die Zeit des privilegirten Muthwillens, und Fast-nachtsstreich galt für gleichbedeutend mit muthwilliger Posse. Aus Italiengingen die neuen Saturnalien in die andern christlichen Länder über, und Deutsch-land blieb mit Mummereien, Schmausereien und lustigen Possen nicht zurück.In Deutschland wurde dadurch die dramatische Poesie entwickelt, nachdem dieStädte zu Wohlhabenheit gelangt waren. Im 13. Jahrh, zeigen sich davondie ersten Spuren. Die Mummereien des Carnevals führten von selbst auf denGedanken, eine angenommene Rolle durchzuführen. Um dem Haufen zu gefallen,ahmte man die Sitten des gemeinen Lebens mit Übertreibung nach, um das Lachendesto sicherer zu erregen. Was anfangs nur ein Fastnachtseinfall gewesen war,erhielt nachher Ausbildung. „Um die Fastnachtszeit", sagt Flögel in seiner „Ge-schichte der komischen Literatur" (Bd. 4, S. 292), „zogen zuweilen verkleidete Per-sonen aus einem Haus ins andre, um ihren Freunden und Bekannten eine Lustzu machen. Eine lustige Gesellschaft dieser Art kam aus den Einfall, in dieserVerkleidung Etwas vorzustellen und eine dieser Mummerei gemäße Unterredung zuhalten. Dieser Versuch gelang ihr, man lobte die unbekannten Schauspieler, manbewirthete sie oder beschenkte sie. Durch diesen Beifall aufgemuntert, verstärktensich die Banden, und ihre Fabeln und Gespräche wurden allmälig länger, bis siezu ordentlichen Nachahmungen menschlicher Handlungen anwuchsen". In Nürn-berg, wegen seiner Waaren und seines Witzes berühmt, war es, wo aus der Brü-derschaft der Meistersänger die ersten Fastnachtsspiele hervorkamen, derb und lustig,wie sie dem bürgerlichen Geschmacke der Reichsstädter zusagten. (S. Folz, Ro-se n b l ü t und Sachs.) Diese Stücke sind verwandt mit den der Eng-länder und den karve» der Franzosen, und die geistlichen Fastnachtsspiele, religiöseBurlesken, mit den Untere» und Uoralite». Nach alter Sitte wurden diese