4V Fatalismus Fatum
Fastnachtsspiele durch einen Ausrufer oder Herold eröffnet und beschlossen. Inden neuesten Zeiten hat man die Fasten aus der Religion größtentheils in die Heil-kunde verwiesen. Die Katholischen haben noch als Fasttage die Mittwoche, Frei-tage und Sonnabende der Quatembcrwochc, und die Tage vor den Festtagen; alsAbstinenztage, an welchen nur die Fleischspeisen verboten sind, alle Freitage undSonnabende. Luther nennt das Fasten eine feine leibliche Zucht, und wenn mannoch jetzt in den protestantischen Landern Fasttage ausschreibt, so sind dies Über-bleibsel der katholischen Liturgie.
Fatalismus, der Glaube an ein Fatum. Fatalist heißt ein Anhän-ger jenes Glaubens. (S. Fatum und Determinismus.)
Fata Morgan« Kimmung, Luftspiegelung) heißen auf der
Küste der sicilischen Meerenge die bei heiterm, warmem und stillem Wetter überdem Meere aufsteigenden Lusterschcinungen, die sich oft zu seltsamen Bildern vonSchiffen, Thürmen, Schlössern u. s. w. gestalten, und selbst den Naturkundigentäuschen. Sie entstehen aus den von der Sonne emporgczogencn Dünsten desMeeres und kommen auch in den großen Sandflächcn Persicns, der asiatischenTatarei, in Niederägppten, in Mexicos Ebenen und a. a. O. vor, worüber Biot's„^»tron. pii/s." (Paris 1810, 3 Bde.) im 1. Bde. viel Interessantes mittheilt.Figürlich nennt man so wunderbare Traumgebilde.
Fatum, unvermeidliches Schicksal. Alles, was dem Menschen begegnet,kann man sich denken entweder als unbedingt nothwendig, ohne Hinsicht auf gött-lichen Rathschluß, oder als bedingt nothwendig, vom göttlichen Rathschluß abhän-gig , oder endlich als völlig zufällig. Im Allgemeinen verstanden die alten Philo-sophen unter dem Fatum im engsten Sinn eine gewisse unvermeidliche Nothwendig-keit der Ereignisse und Begebenheiten in der Welt, wodurch sie freilich in die größtenWidersprüche mit der Lehre von der menschlichen Freiheit und der Natur der Gott-heit verwickelt werden mußten. Es ist schwer zu bestimmen, ob alle Weltweisen,besonders die Stoiker, in der Bedeutung das Fatum behauptet haben, in welcherman sie desselben beschuldigt. Man unterscheidet gewöhnlich folgende Arten des Fa-tums: das vernünftige, pantheistische, astrologische, türkische und stoische. Jene un-vermeidliche Nothwendigkeit der Begebenheiten hangt nämlich entweder davon ab,daß die Welt den Grund ihrer Wirklichkeit in sich selbst hat und keine andre Ursacheaußer sich erkennt (das pantheistische Fatum), oder von einem Wesen, das nicht zurWelt gehört, und zwar entweder unmittelbarer Weise, ohne Hinsicht auf gewisseMittelursachen, dergestalt, daß Dasjenige, was einmal beschlossen ist, geschehen muß,es mögen die Begebenheiten eine Ursache haben oder nicht (das türkische), oder mit-telbarer Weise, nämlich durch den Einfluß der Gestirne, welchem die freien Wesennicht entgehen können (das astrologische Fatum der Chaldaer) oder durch andreMittelursachen, und zwar so, daß diese Mittelursachen und ihre Subordinationvon einem absoluten Entschluß, worauf das Betragen verständiger Wesen aus Be-wegungsgründen gar keinen Einfluß hat, herrühren (das stoische), oder, daß dieSubordination der Ursachen von einem freien Entschluß der Gottheit und in objecti-ver Hinsicht von dem freien Betragen vernünftiger Wesen herkommt (das vernünf-tige Fatum). Wir begnügen uns, von dem Letztem noch dies zur Erläuterung hin-zuzusetzen. Der Mensch ist als ein Sinnenwesen physischen Gesetzen unterworfen.Da er nicht Herr der Natur ist, muß er sich ihren Einflüssen auf seine Lage undUmstände unterwerfen. Wann, von wem, und wo er geboren wurde, stand nichtin seiner Gewalt zu bestimmen. Indem er nun sagt, das Verhängnis oder Schicksalhat es so gewollt, so glaubt er damit nicht an ein blindes Ungefähr, sondern er be-ruft sich nur auf Ursachen, die über seinen Kräften und Einsichten sind. Glaubter dabei: 1) daß die Veranstaltung und Subordination aller vorhergehenden Ursachenvon einem höhern Wesen, welches nicht zur Welt gehört, angelegt seien; 2) daß