Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
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Faschinen Fastnacht, Fastnachtspiele

dem innigsten Ausdrucke verknüpft. Im vielstimmigen Satze zeigt er eine sel-tene Vollkommenheit. Man findet darin den künstlichsten Contrapunkt verbundenmit der größten Einfachheit und mit der ausdrucksvollsten Melodie in allen Stim-men. Besonders zeichnet sich in dieser Hinsicht seiw8stimmiges Miserere als einvollendetes Meisterstück aus. Sein 16stimmiges Kyrie und Gloria wurde vonHitler als ein Werk angekündigt, das an Tiefe und Geschmack Alles übertreffe,was man früher in dieser Gattung gehört habe; und dieses großen Meisters Urtheilhaben die Kenner unterschrieben. Ein wahrer Verlust ist es, daß F., der inAllem nach höchster Vollkommenheit strebte, seine meisten Compositionen noch vorseinem Tode verbrennen ließ, sodaß wir der Zahl nach nur wenig von ihm besitzen.Sein größtes Verdienst ist die Stiftung der in ihrer Art einzigen berliner Sing-akademie, der nach ihm sein Schüler Zelter (s. d.), der auch seines großen Vor-gängers Verdienste in einer eignen Schrift (Berlin 1801) gewürdigt hat, mitRuhm vorsteht.

Faschinen, Gebunde von Reisig, 616 Fuß lang und gewöhnlich 1 F.stark. Um sie zu verfertigen, schlagt man 2 F. von einander entfernte Kreuzböcke(2 nach Art der Sägeböcke sich kreuzende Pfähle) ein, deren Kreuzungspunkte ge-nau in einer horizontalen Linie liegen müssen, wirft ein Bündel Ruthen auf dieseso gebildete Faschincnbank, zieht sie mit einem Strick fest zusammen und legt alle2 F. eine zusammengedrehte Wiede um die entstehende Faschine. Die über derbestimmten Länge hervorragenden Ruthen werden abgesägt oder umgebogen undmit eingebunden, wo dann die Faschine eine Kopffaschine heißt. Man brauchtdie Faschinen bei Belagerungen, Wasserbauen u. dgl. Werden sie zum Bat-tcriebau sehr lang und dünn gemacht, so erhalten sie den Namen Batteriewürste.(S. Bekleidungsmaterialien.)

Fasching, ! s Fastnacht und Carneval.

Fasten, j ' '

Fasti, marmorne Tafeln in Rom, worauf entweder die jährlichen Festeund Feiertage, oder die Namen der Consuln, Dictatoren rc. eingehaucn waren.Jene, ürsti winore» genannt, waren nichts Andres als der Calender, worausman wissen konnte, wann die Festtage einfielen; dies wußte ehedem Niemand alsdie Pontisiccs, welche dann die Feste, freilich nach ihren oder der VornehmemStaatsabsichten, dem Volke ansagten. 204 v. Chr. brachte sie C. Flavius, wel-cher beim Pontifex Max. Appius Claudius Schreiber gewesen war, unter das Volk;von dieser Zeit an waren sie ein Gegenstand der öffentlichen Kunde.

Fastnacht, Fastnachtspiele. Dieselben Ansichten, welche die Men-schen bewogen, den unsichtbaren hohem Mächten durch Opfer, Gaben und Rei-nigungen zu gefallen, brachten sie auch zu Fasten, Enthaltungen und Büßun-gen. Unter Fasten versteht man eine Versagung gewohnter Nahrungsmittel, dieman sich auferlegt, um die Gottheit damit zu versöhnen. Man findet kein bedeu-tendes Volk ohne Gebräuche dieser Art: der historische Ursprung liegt in dem Reli-gionscultus des Orients, wo Priester anfänglich auch die Ärzte des Volks warenund die in diesen heißen Ländern nothwendige Diät zugleich zur Sache der Religionmachten. Auch sind die Fasten noch heutiges Tages im Orient gebräuchlich. DieReligionen der Perser, der Hindus, des Lama, des Mohammed und die Mo-saische halten viel auf Fasten. In der Religion der nordischen Vorzeit finden sichdagegen wenig Spuren davon. Die ältesten Christen fasteten an den Vigilien(s. d.). Büßend waren die Fasten an den jejuniis gustuor , die in

jedem Vierteljahre 3 Tage dauerten, in den 40 Tagen (vor Ostern nämlich, odervielmehr vor dem Charfteitage, HuackrsAssinme), welche ausschließlich die Fa-stenzeit oder Fasten genannt wurden und sich auf das 40tägige Fasten Jesuin der Wüste beziehen sollten. Über den Ursprung der Fasten sind die Meinun-