Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
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Fandango Farao 27

verschiedene Kattungen und Grade des Fanatismus geben, nach der Verschie-denheit der Meinungen, von denen er ausgeht, und der großem oder gerin-gern Stärke, mit welcher die Phantasie wirkt. Eine besondere Art desselbenist der Wahn, wo man in Gemeinschaft mit hohem Naturen zu stehen undihren Einfluß zu fühlen meint. Bald glaubt der Fanatiker mit den Engelnund mit den Seelen der Verstorbenen umzugehen, bald wähnt er Jesumund Gott selbst zu schauen, bald kämpft er mit bösen Geistern, bald fühlter sich in unaussprechliche Entzückungen versetzt. Die Züge, welche den reli-giösen Fanatiker charakterisiern, sind glühende Einbildungskraft, verbundenmit einem heftigen Gefühle, stolze Verachtung Derer, welche dem kühnenSchwünge seiner Phantasie nicht folgen können, hartnäckige Rechthaberei, weilBeweise Nichts über ihn vermögen, Geringschätzung der Gelehrsamkeit unddes mühsamen Forschens, Unduldsamkeit und Verfolgungssucht. X.

Fandango, ein alter Nationaltanz in Spanien, wo er auf demLande am schönsten und graziösesten getanzt wird. Er schreitet von einereinförmigen zu der lebhaftesten Bewegung fort, welche den ganzen Körpererschüttert. Der Takt wird dazu mit Castagnetten angegeben.

Fanfare, ein kleines, kriegerisches, für Trompeten und Pauken ge-setztes Tonstück von glänzendem und lärmendem Charakter (daher Fanfa-ren: Großsprecher, Prahler, Windbeutel, und Fanfaronnade, Großspre-cherei). So heißen auch kleine muntere, bei der Jagd eingeführte Tonstückefür 2 Hörner. ckfl.

Fantucci (Graf), Gelehrter und erster Beamter in Ravenna, zudessen angesehensten Familien er gehörte, geb. daselbst gegen 1745, ging sehrjung zu seinem mütterlichen Oheim, dem Cardinal Gaetani, nach Rom, umseine Ausbildung zu vollenden. Als er nach 12 Jahren in seine Vaterstadtzurückkehrte, war er durch seine Kenntnisse im Stande, die ersten Ämter zuverwalten. Die Erinnerung an den ehemaligen Glanz seiner Vaterstadt undder Anblick ihres Verfalles erweckte in ihm das Verlangen, die Ursachen die-ser Umwandlung aufzusuchen. Er entwickelte dieselben in einer Schrift, dieer dem Papste Clemens XlV. überreichte und später drucken ließ. Ravennaverdankt ihm die Vollendung eines schiffbaren Canals, welcher der Stadteinige der verlorenen Vorzüge wieder gibt; doch erhielt dieses auf seinen be-harrlichen Betrieb 1781 beschlossene Unternehmen nicht die gänzliche Vollen-dung; die Arbeiten wurden eingestellt, ehe der Canal alle Verschönerungenund Vorzüge erhalten hatte, deren derselbe fähig war. F. erfand auch 1780eine hydraulische Maschine, die den Landbewohnern um Ravenna sehr nütz-lich ward. Er zog sich späterhin von den öffentlichen Angelegenheiten zurück,um ruhiger über die Mittel zur Beförderung der Wohlfahrt seiner Mitbür-ger nachzudenken. Eine Seuche, welche die Umgegend von Ravenna ver-heerte, gab ihm Gelegenheit, seine Einsichten und sein wohlwollendes Herzim ganzen Umfange zu zeigen. Nachdem er Alles aufgeboten hatte, die Lei-den der Mitbürger zu lindern, zeigte er in einer trefflichen Schrift die Noth-wendigkeit, die Sümpfe in den der Mittagssonne ausgesetzten Thälern aus-zutrocknen. Unter seinen Schriften ist auch s. Werk: ,,ve' monumeuti rsven-nati" auszuzeichnen. Nach s. Tode (den 10. Jan. 1804) erschienen (Vene-dig 1804, in 4.) sehr anziehendeiüeinorio <li vario »rxomento", Denkwür-digkeiten, die er hinterlassen hatte. Auch verdankt man ihm ein-r Pracht-ausg. der ckiploinatioi" des Abbate Gaetano Marini.

Farao, auch Faro oder Pharao, ein Hazardspiel, bei welchemEiner die Bank hält, und die Übrigen (kointoui») auf selbstgewählte Kar-kenblätter, die sie vor sich hinlegen, Geld setzen. Das Farao ist fast allent-