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4 (1830) F bis G
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Fallgut, Falllehen

Die Kugel, auf der Hand getragen, drückt; frei gelassen, fällt sie lothrechtherab; auf eine schiefe Fläche gelegt, rollt sie herab, wobei sie zugleich dieFläche mit einem Theile ihres Gewichts drückt. Nach welchen Gesetzen dieseBewegung geschieht, darüber bestanden ehemals die irrigsten Vorstellungen.Nach der Aristotelischen Physik verhält sich die Geschwindigkeit des Fallesverschiedener Körper zu einander, wie das Gewicht derselben. Demnach sollteein 10 Mal schwererer Körper auch 10 Mal schneller fallen als der leichtere.Diesen Irrthum bestritt Galilei schon zu der Zeit, als er noch in Pisa siu-dirte. Kaum war er Lehrer daselbst geworden, so erklärte er sich öffentlichgegen diesen und andre Lehrsätze der peripatetischcn Philosophie. Er bestiegdie Kuppel des dortigen hohen Thurmes und ließ Körper von sehr unglei-chem Gewicht herabfallen, die, wenn ihre Materien nur nicht zu sehr anDichtigkeit verschieden waren, den Boden fast zu gleicher Zeit erreichten. Ga-lilei erwies in der Folge, als Lehrer in Padua, die Nichtigkeit seines Satze«auch durch 2 Pendel von gleicher Länge und sehr ungleichem Gewichte, die,dessenungeachtet, ihre Schwingungen mit gleicher Geschwindigkeit verrichteten.Zu ebenso irrigen Vorstellungen hatte die Wahrnehmung Anlaß gegeben,daß die Schnelligkeit des Falles mit der Länge des Weges zunimmt. DieAristotcliker sagten, alle Körper hätten ein inneres Bestreben nach dem Mit-telpunkte der Erde, und eilten demselben um so schneller zu, je naher sie ihmkämen. Andre erklärten die zunehmende Schnelligkeit des Falles aus demzunehmenden Drucke der Luft, und die allgemeine Meinung war, daß dieGeschwindigkeit in dem Verhältniß des zurückgelegten Raums zunehme, daßalso ein Körper, wenn er 5 Klafter gefallen sei, 5 Mal so viel Geschwin-digkeit erlangt habe, als er am Ende der ersten Klafter Weges gehabt: eineMeinung, die bei ihrer großen Einfachheit und scheinbaren Natürlichkeit dochetwas ganz Unmögliches enthält. Auch Galilei hatte Mühe, sich von ihrloszumachen. Endlich gelang es ihm, ihre Nichtigkeit zu beweisen, indem erdarthat, daß sie bei der Anwendung auf den Fall der Körper mit sich selbststreite, weil aus ihr folgen würde, daß der Körper durch 5 Klafter in ebender Zeit falle, in welcher er durch eine Klafter fällt. Dagegen kam dieserNaturforscher auf den richtigen Gedanken, daß die Geschwindigkeit beim Falleim Verhältnisse der verflossenen Zeit zunehmen müsse, und zeigte, daß, dadie Körper von der Schwere nie verlassen werden, sie also auch in jedemZeittheile einen neuen Eindruck von derselben erhalten, der sich mit der Wir-kung der vorigen verbindet. Aus diesem Gesetze folgt ferner, daß die vonfreisallenden Körpern durchlaufenen Räume sich wie die Quadrate der Zeitenverhallen. Versuche haben gelehrt, daß der Fall in der ersten Secundeetwas Weniges über 15 pariser Fuß betrage. Um daher die irgend einerandern Secundcnzahl t zugehörige Fallhöhet» kennen zu lernen, mußman setzen 1: 15 : ll. Ist t z. B. 3, so wird L 135 erhal-

ten, d. h. in 3 Secunden fallt ein Körper durch 135 pariser Fuß. Zurbequemen Anstellung von Versuchen über diesen Gegenstand hat der Englän-der Atwood «inen Apparat angegeben, welcher unter dem Namen der At-wood'schen Fallmaschine bekannt ist. Man findet eine ausführliche Beschrei-bung in Gilbert'sAnnalen", 1803, St. 5, und in Neumann'sLehrb. derPhysik" (Wien 1818), Bd. 1, S. 186 fg.

Fallgut, Falllehen. In Schwaben, wie in den angrenzendenProvinzen, bediente man sich seit langer Zeit fast ausschließend einer Ver-pachtungsweise der Feldgüter, wobei der Pächter, indem er das Gut antrat,eine Art Abfindungssumme zahlte, und dann auf seine Lebenszeit, oft auchauf die Lebensdauer seiner Gattin das Gut überkam, ohne jedoch dasselbe