Druckschrift 
Ueber die Fortschritte der Hygrometrie in der neuesten Zeit : eine physikalische Vorlesung nebst erläuternden Zusätzen und der Berechnung einiger hygrometrischen Beobachtungen, welche bei Gelegenheit der Reise Sr. Excellenz des Freiherrn Alexander von Humboldt im nördlichen Asien und an den Ufern des caspischen Meeres angestellt worden sind
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

Temperatur in einem gegebenen Raume sich nur eine bestimmteMenge Wasserdunst entwickele,- und durch zuverlässige Versuche für jedenWärmegrad den Druck bestimmt, welchen der Dunst im Maximo feiner Dichtig-keit bei jeder Temperatur vermöge der ihm eigentümlichen Expansivkraft auszuübenim Stande ist. Durch die augenfälligsten Versuche zeigte er zuerst, dafs der Dunstim Maximo seiner Expansivkraft sich nicht durch mechanischen Druck wie atmo-sphärische Luft comprimiren lassen sondern dafs bei jeder Zusammenpressung des-selben sich so- viel Flüssigkeit tropfbar niederschlage, als der durch den Druckerfolgten Raumverminderung entspricht und der Gegendruck des Dunstes nichtwie bei der Luftcompression fortdauernd wächst,- sondern unverändert derselbebleibt; dafs aber Dunst, der nicht im Maximo- ist,, sich beim Zusam-mendrücken so lange wie Luft verhalte und einen immer verstärk-ten Gegendruck aus übe, bis er dadurch zu der Expansion des Ma-ximumgelangt sei, von welchem Augenblicke an er sich auf die ebenbeschriebene Weise niederzuschlagen anfange. Eben so zeigte Daltonbestimmter als seine Vorgänger, dafs eine gegebene Dunstmasse, die nichtim Maximo ist, durch allmählige Abkühlung die Temperatur erhal-ten könne, bei Welcher sie sich im Maximo befindet und dafs danneine fortgesetzte Temperafurerniedrigung einen tropfbaren Nieder-schlag geben müsse. Hierauf basirt sich die Theorie des Thaupunktcs, welchefür die Meteorologie von so grofser Wichtigkeit ist. Da nämlich die Luft fortdauerndWassertheile in Dunstgestalt enthält, fo hat man für den hygrometrischen Zustandder Atmosphäre nur zu wissen nöthig, bei welcher Temperatur der jedesmal vor-handene Dunst anfangen würde zu condensiren, um theils aus dem Verhältnifsdieses Thaupunktes zur Luftwärme unmittelbar gewisse meteorologische Bestim-mungen zu entnehmen, theils aus der für die Temperatur des Thaupunktes er-mittelten Expansion des Dunstes auf die vorhandene Menge desselben einen Schlufszu machen.

Schon vor v, Saussüre hatte LeRoi diesen richtigen Weg hygrometrischerBestimmungen eingeschlagen. Die Methode aber, welche er für den Versuchangab, war zu unsicher, um dem genau beobachtenden v. Saussüre zu genügen.LeRoi stellte nämlich ein Thermometer in ein Glas mit Wasser, von der Lufttem-peratur, welches durch kältende Mischungen allmählig soweit abgekühlt wurde,bis das Glas äufserlich beschlug. Den Grad, den das Thermometer in diesemAugenblick angab, nahm er für den Thaupunkt. Das schlechte Wärme-Lei-