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Denkverse und Epigramme
Entstehung
Seite
78
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78 Epigra m m c.

102. Einsames Leben bereite den Geist für Menschengesclischaft,

Ja, für den höchsten Verein, der uns im Himmel empfängt!Und geselliges Leben erweck' im Herzen die Sehnsucht

Nach der Einsamkeit Heil, welche mit Gott uns vcrcint.

10a.Stecke deinSchwerdt in dicScheid', o Petrus!" Aber duhörstnickt!

Hast nur zu oft cs gezückt! Steck' in die Scheide deinSchwerdt!Nehmet des Geistes Schwcrdt!" Mahnet Paulus; aber des PetrusSchwerdt hat des Paulus oft herrisch danicdcrgestreckt.

101. Hat nicht die jetzige Zeit manch' Steckenpferd schon gctnmmelt?

Sonst Aufklärn n g ! Vernunft! riefen sie; Mystik nun jetzt!Freiheit und Gleichheit ist leider! noch nicht das letzte gewesen;

Ach, in Strömen von Blut hat es sich schwimmend gewälzt!.Schnitzt ihr, Genossen der Zeit, uns etwa schon wieder ein neues?Nur nicht blutig und todt tretet uns wieder damit!

105. Schlechtes Gesindel! Verschwenderisch lebt ihr, thcucr erkaufendHausrath, Wollust, Wein, häufend bald Schulden zur Schuld.

Endlich bestehlt ihr die Kaffe; ja, bringt euch selbst um das Leben,Kläger, Richter, Parthci, Henker in Einer Person!

106. Ein beschauliches Leben fürwahr, o Erhabener, führst du:Jeglichen langen Tag schaust du zum Fenster hinaus!

107. Willst du zum Herrn gelangen, im Herrn zur Fülle der Freuden,Selig in dieser Welt? Hefte die Welt an das Kreuz!

108. Bienen, o fliegt nur ämsig herbei, in den Linden des GrabesHonig suchend: o süß war ja des Seligen Sinn!

Nachtigallen, herbei, umsinget sein Grab, sanft klagend;

Ach, ein melodischer Mann ruht hier im Grabe verstummt!

100. Freunde genug hast du, o Glücklicher, der du mit ihnenScherzest; nie fehlt ein Freund, der mit dem Lachenden lacht!Aber wo findest du Den, der treu ausharrt bei Betrübten,

Der, thcilnehmenden Siun's, auch mit dem Weinenden weint?

110. Könnt'ich mahlen, o treffliche Freundin; mahlt' ich dir Veilchen;Sanft und bescheiden, wie du, auf der Erinnerung Blatt.

Drüber erhübe sich dann das sanfte Vergißmeinnicht, sprächeTraulich lächelnd dich an, nicht zu vergessen den Freund.

111. Zwei Huldinncu erhöhen den Glanz der blühenden Schönheit:Unschuld, lieblich umhüllt von der Bescheidenheit Flor.

112. Wie? Vor dcrThür'dasBild derGcrcchtigkcit? Laßt sie herein doch!Draußen sey Magd und Knecht, drinnen der Herr und dieFrau»

113. Scyd dem Dichter gegrüßt, ihr lieben, geschwätzigen Schwalben,Nachbarinnen ihr ihm dicht an des Daches Gebälk..

Lernt' er von euch recht froh und vertraulich plaudern mit Anmuth;Sorglos achtet er selbst Bücherverkäufer dann nicht.

111. Alles ist fein an ihm; fein Speise, Getränk und Bekleidung,Nas' und Stimme sogar; grob nur ist Herz und Gemüth.

115. Sey auch grob das Gewand, sey grob dir Speis' und Getränk'auch;Mag! Ist fein nur dein Sinn durch den erneuenden Geist!