I. D e n k v e r s e.
Ist das Herz auch offen?Darf Gehör ich hoffen?
1. Gleich einem Rosenstrauch scy
mein Gedicht:
An spitzen Dornen fehl' es nichtFür solche, die der Kitzel sticht!Doch lieber haucht's in alle LüfteFür Fromme süße Himmelsdüfte!
2. Was kümmern dich die niedern
Tadler?
Zur Sonne schwingt sich kühn derAdler!
3. Der Witz ist gleich der Biene!Fragt ihr, womit sic diene?
Mit Honig für die Freunde,
Mit Stacheln für die Feinde.
4. Dünkel ist dunkel, nur Demuth
hat Licht;
Dünke dich. Stolzer, drum aufge-klärt nicht!
5. Die Wahrheit bleibe nicht ge-
heim !
Was wohlgeprüft und wahr.
Das werde klar und offenbar,Daß ans dem edlen KeimZum lieblichsten Erblühen,
Zur Frucht, wir sie erziehen!
6. Für leichte Thoren ist genug
die Geißel;
Dein Fclsenherz erfordert einenMeißel.
7. (Neologe.)
Laßt mehr ausklären uns die Bibel,Daß nichts verbleibt, als Weisheiteiner Fibel!
(Papist.)
Ja! Kindlein, begnügt euch mitder Fibel;
Gar groß und unverständlich istdie Bibel!
8. Hohn spricht dem Volke GottesIn dieser ausgeklärten StadtNoch mancher kleine Goliath;Wer achtet noch des Spottes!Ja, leider!
Fehlt hier die Davidsschlcuder.
y. Nicht eher die Andern bekriegt,Als bis dn dich selber besiegt
10. Christenglaube macht gesellig,Christenliebe mild, gefällig,
Daß man Andrer Mängel übersieht.Nicht ans Licht ihr Böses zieht.
11. Frage Fleisch und Blut doch
nicht um Rath,
Wenn du vorhast ein gute That.
12. Süßes, Freund, erschlafft;Bittres gicbt dir Kraft.
13. GedankenschwereBei Geisteslcere
Kann hei einander scyn, meinKind —
Wenn die Gedanken gestohlcnsind.
14. Wer Böses nur von Andern
spricht,
Der ist wol selbst ein Bösewicht.
15. Hast du Muth zur DemuthIn der Demuth Math,
Freude selbst an Wchmuth;
Steht es mit dir gut.
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