Epigramme. 77
83. Alles ist neu geworden bei dir: neu Wohnung und Hausrath,Neu die Kleidung, der Stand; wäre dein Herz nur erneut!
84. Chamalcoutisch wechselst du Färb' und Meinung, Parthci selbst;Eins nur ist immer sich gleich: schwarz ist und bleibet dein Herz!
85. Adclich du? O schweig'! Die Tugend der Väter, wo ist sie?
Wo nichts edel mehr ist, starb da der Adel nicht ans?
86. Nichts vermocht' ihm zu stillen dcnDurst,dcmSchwamm hier aufErden!
Wie doch mag er wol jetzt tragen den ewigen Durst?
8/. Mein ist allein die Schuld, bist unverständlich du mir nur;
Tein ist die Schuld, wenn dich Keiner von Allen versteht.
88. Was du eigentlich willst? Ich weiß es nicht! Vieles versprechend.Wenig leistend, o Freund, sage: versprichst du da viel?
89. Welches doch ist die beste Parthci, zu der ich mich halte?
Einzig wahre Parthci ist für das Wahre Parthci!
90. Mancherlei Schriften erkauft er, und stellt in die Bibliothek sic;Salz genug; doch bleibt stets ungesalzen der Mann.
91 . Sieben Städte behaupten, Homeren geboren zu haben;
Stritten sie lieber, wer doch wirklich verhungern ihn ließ! —
Y2. Daß die Welt so schlecht dir erscheint, so dumm und einfältig?Wie Gelbsüchtigen geht dir cs: du siehst nur dich selbst.
Y3. Mahlet das Paradies! So ist cs doch ganz nicht verloren;
Mahlt eö dem Aug' im Bild, mahle es dem Ohr im GedichtUnd in Musik, ja, mahlt eS auf jegliche Weise, damit esUnter der Wirklichkeit Dorn blühe als Ros' im Gemüth.
9ch. Sanft zu der Erd' hinsenkend das Haupt: so bilde den Schlaf ab;Flügel gieb dem Tod, gieb ihm gen Himmel den Blick!
95. Selige, welchen Vergangenheit strahlt mit freundlichcmLächelu,Denen ihr richtender Blick Zorn nicht und Rene nicht glüht!
O, wie schaut ihr vertrauend hinaus in das Dunkel der Zukunft;Hell umglänzt sie ja schon reiner Vergangenheit Strahl!
95. Was ich ohne dich wäre, o Gott? Ich weiß nicht; doch schaudr'ich,Seh' ich, was ohne dich hundert' und tausende sind!
9". Weis'ist schon, wer die Zei teil versteht; wer sich, der istwciser!Wer sich selber beherrscht, der ist der weiseste Mann.
98. Lieber, den Spiegel verbann' aus ehrsamer Studicukammcr!
Alle die Werk' umher sehen dir Spiegel vollauf!
99- Ach, die Mutter, die Kirche, die hat oft anders gelehret.
Als der Vater! Wem folgt nun das erleuchtete Kind?
100. Siche den Morgenstern im lieblichen Lichte der Sonne!
Also immer und fest bleibe. Beglückter, in Gott!
101. Dicß ist das Buch, in welchem noch Jeder die eigene SatzungSucht', und Jeder denn auch eigene Satzungen fand.