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Denkverse und Epigramme
Entstehung
Seite
73
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Epigramme.73

29. Männlicher Ernst, aufrichtige kiel'' und freudiger GlaubeWappnen des Kämpfenden Arm mit unbesiegbarer Kraft.

Göttliche Huld und ewige Lust und Gottes GemeinschaftKrönen des Siegers Haupt mit unvcrwclklichcm Kranz.

30. Jeder Tag sey ein Tag dir der Aussaat, jeder des Wohlthuns!Dann ist der letzte gewiß ewiger Acrutcu Beginn!

31. Pflanze ja dicht in dein Herz, o Mensch, die guten Gedanken!Wo nicht das Gute gedeiht; wuchert das Böse sofort!

32. Quäle dich nicht, mein Geist, mit Geheimnissen! Glaube nur kindlich!Kindlichen leuchtet das Licht, nahet der Vater mit Huld.

Grübele nicht; du versinkst in Gruben der Zweifel, zum Abgrund!Hältst du an Gottes Wort; zieht cs in Gott dich empor!

33. Wenn du in Sünden beharrst, so stirbst du des inneren TodeS,Reißend von Gott dich los, der doch das Leben allein!

Innig vereint mit Gott, so lebst du ruhig in Unrnb'

Unter Unhciligen rein, selig in Leiden und Schmerz.

31. Wahrheit sollst du erkennen nicht bloß; du sollst in ihr leben.Sollst sic genießen, ja eins werden mit ihr und mit Gott!

35. Siche, wie offnen die Blumen im Strahl der milderen SonneStill die Knospen! wie schön blühn sie- im lieblichen Licht!

Ocffnc dich, Seele, dem Herrn; er ist die Sonne der Geister!

Nur sciu himmlischer Strahl weckt in dir jeglichen Keim.

36. Liebe beklagt gramvoll des Geliebten Entserntscyn;

Seufzend, ihn bald zu sehn, schmachtend nach W'.cdcrvcrcin.

Geistige Liebe vergißt sich selbst, und ergicvt sich dem WillenDes Geliebten; ihr ist auch der Entfernete nah'.

3/. Haß ist verzehrender Brand, ist tödtendes Feuer der Hölle;

Lieb' ist Flamme des Herrn, die dich belebend erquickt.

38. Noch blühn unter den Dornen die Lilien, ach, und der GeierWürgt die Taube; das Lamm schlinget der Wolf noch hinab:

Einst verzehrt das Gericht den Wolf, den Geier, die Dornen;

Ewig geborgen sind dann Lilien, Tauben und Lamm.

39. Viel zwar hast du gcthan und gewirkt; Biel hast du gelitten;

Aber dein Wirken war stolz! Aber dein Leid dir verhaßt.

60. Menschliches "Wissen ist schön, doch schöner der Glaube, den Gott wirkt:Jenes ist irdischer Glanz, dieser ist himmlisches Licht.

fll. Laß also mich wandeln, als könnt' ein heiliges LebenEinzig verdienen, was doch einzig die Gnade gewährt!

Aber verleihe dabei mir so demüthigen Glauben,

Daß mein Verdienst mir Nichts, Alles die Gnade nur gilt.

62. Unter Donnergeroll, umzuckt von betäubenden Blitzen,

Kündete Moses voreinst Zitternde» Gottes Gesetz.

Aber, blutend am Kreuz, die Sünden der Welt zu versöhnen,

Flehte der Heiland sanft: Vater, vecgieb, was sie thun!