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Denkverse und Epigramme
Entstehung
Seite
72
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72 Epigramme.

13. Wie? ihr verwerft das göttliche Wort, um weiser zu werden?Löscht man das Licht denn aus, Heller und klarer zu sehn?

14. Licht, Aufklärung, Vernunft, die preiset ihr? Ja, die Vernunft istGöttlich, dcß bin ich gewiß ! Aber die Eurigc nicht!

15. Heut' schon fliehe die sündlichc Lust, die morgen dich rcu'n wird!Such' und liebe nur Gott; wiß': er beseligt allein!

Frage den Seraph, Freund, und den Cherub, wer ihn entzücke?

Gott zu schauen, das ist seiner Bcscligung Quell!

16. Thue das Deine mit Ernst und mit Lust, mit Treue, von Herzen;Dann vertraue dem Herrn; daß er das Scinigc thut!

17. Wie von den Bergen herab in die tieferen Thäler der Bach rinnt;So kommt Gott in das Herz, beugt cs in Demnth sich ihm!

18. Willst du ein Etwas werden in Gott? du mußt in dir Nichts scyn!Nie vergiß: Aus Nichts schuf einst der Höchste das All!

ly. Nie besudle die Seele mit eigener Schuld, o Geliebter!

Sorgsamer hüthc dich noch, daß du nicht Andre befleckst!

Rein sey dein Herz, und rein sey dcinWort, rein Wandel und Beispiel!Andren wirst du sodann Muster, ja, Ncinigungsqucll!

20. Könnt' ich mich selbst mir entwenden! Es wär'ein köstlicher Diebstahl!Könnt' ich den eigenen Sinn tödtcn: o köstlicher Mord!

Denn aus solcher Entwendung gcwönn'ich unendlich: den Herrn selbst!Wahrlich, aus diesem Mord quölle das Leben mir erst.

21. Wache doch über dein Herz! treu hüthe, was Gott in dir wirkte.Nur im bedeckten Gefäß dauert die Wärme dir fest!

Selbst der köstlichste Balsam in offner Urne verduftet;

Fade wird feuriger Wein, schließest du nicht das Gesäß.

22. Himmelan schwebe, mein Herz! tief unter dir Irdisches lassend!Still ist cs dort; cs tos't über den Wolken kem Sturm.

Wüthct und brausit die Fluth auch um den Felsen; er wankt nicht!Feinde der Wahrheit, so sieht fest noch des Ewigen Reich!

23. Standesgemäß zu leben begehrt, wer edel geboren:

Sorge sey dicß auch dir, der du geboren aus Gott!

24. Red', o Beter! doch laß dann auch Gott recht kommen zum Worte,Lauschend, ob Er nicht auch Einiges sagen dir will!

25. Bete, mein Bruder; nur Gott vomHimmcl vermag dir zu helfen!Wirke! Nur treuem Fleiß wird er gewähren sein Flchn.

26. Thue das Beste; du streust zu ewigen Aernten die Saat aus!Leide das Schlimmste; du führst fördernd zur Reife die Saat.

27- Nieder zur Erd' etnsirebet der Stein, und froh durch die LüfteFliegt der Vogel; der Fisch fühlt nur im Wasser sich wohl:

Ich will leben in Gott, dem Mittelpunkte der Seele!

Nur ersiukend in ihn, werden zu ihm wir erhöht.

28. Gott ist ein Gott des Herzens! Nur wenn das Herz ihn genossen!Daun erst vernimmt ihn Vernunft, daun erst versteht ihn Verstand.