Druckschrift 
Job von Witzleben : Mitteilungen desselben und seiner Freunde zur Beurteilung preußischer Zustände und wichtiger Zeitfragen
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

dem Lande ein unzuberechnender Vortheil erwächst. Ich glaubees giebt keine Regierung in Europa, die in dieser Beziehungso sorgsam ist, wie die Unsrige. Unter den königlichen Heng-sten waren einige von der edelsten arabischen Nace. Wasschöneres kannst Du Dir nicht denken. Ich habe durch dieBetrachtung dieser vortrefflichen Anstalt einen wahren Genußgehabt.

Den 9tcn früh befand sich der König unwohl, Folgeeiner in Königsberg erlittenen Verkältung. Es war ungewiß,ob er reisen würde. Endlich entschloß er sich dazu, und sen-dete mich voraus, um zu verhindern, daß man ihn unterwegsnicht aufhalte. In Wilkowisky aßen wir zu Mittag, in deinnämlichen Hause, von wo Napoleon die berüchtigte Prokla-mation bei Eröffnung des Krieges ergehen ließ. Die kaiser-liche Küche war bis hierher geschickt und alles vortrefflich ein-gerichtet. Der König dinirte nicht und fuhr gleich weiter.Abends kamen wir bei guter Zeit nach Prcnn. Von hier gehtdie Poststraße nach Wilna eigentlich über Kowno, weil dorteine Brücke über den Riemen, bei Prenn aber kein Ucbergangist. Weil jener Weg aber 5 Meilen um ist, so hatte derKaiser nicht allein bei Prenn eine Fähre, sondern auch einen10 Meilen langen Weg gerade auf Trasky führen lassen,woran dem Vernehmen nach 6000 Bauern 4 Wochen ge-arbeitet haben sollen, da er zum Theil durch Wald geht. DenlOten Abends kamen wir nach Wilna. Die Stadt liegt ineinem Thal an der Wilia und gewährt von den Höhen, mitihren vielen Kirchen, deren man 21 zählt, einen sehr hübschenAnblick. Auf der nordwestlichen Seite liegen auf einem iso-lirtcn kegelförmigen Berge die Ruinen des alten Schlossesder Jagelonen. Die Stadt ist zum Theil sehr gut gebaut