Druckschrift 
Job von Witzleben : Mitteilungen desselben und seiner Freunde zur Beurteilung preußischer Zustände und wichtiger Zeitfragen
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

blatt aushebe. Daß es ein wesentlicher Mangel ist, wennin dem Staate kein öffentliches Blatt eristirt, dessen Zweck dieEntkräftung der gefährlichen Wirkung jener giftigen Flug-schriften ist, haben des Königs Majestät längst erkannt, unddem Staatskanzlcr zur besondern Berücksichtigung anheim ge-geben. Jener Unfug nun ist eine natürliche Folge der fehlen-den Prcßgesetze, und dies ist ein solcher Mangel in derGesetzgebung, den ich jetzt zu berühren wage. Censoren kön-nen dem nicht abhelfen, einmal: weil die Beurtheilung vonderen willkührlichen individuellen Ansicht abhängt, und manhier sehr Wohl das Sprichwort, viele Köpfe, viele Sinne, an-wenden kann, es auch weit nachtheiliger wirken muß,wenn ein unpassender Aufsatz durch das impi-iwotui- einesungeschickten Censors, als in Folge ungebundener Presse, insPublikum kommt; zweitens weil eine Censur nach früherenAnsichten, die in den preußischen Staaten schon Schwierig-keiten haben würde, in Deutschland einzuführen, ganz un-möglich ist, und ein deutscher Staat, namentlich der preu-ßische, von der Einführung der Censur gar keinen Vortheilhaben kann, sobald in den andern nicht eine strenge Recipro-cität stattfindet. Hiervon liefert die Tagesgeschichte die un-widerlegbarsten Beweise. An Einführung einer absolutenPrcßfreiheit, etwa wie in England und den Niederlanden,wird ein vernünftiger Mensch um so weniger denken, als vonSeiten der Verfechter derselben unter Prcßfreiheit nur die Be-fugniß verstanden wird, Jeden öffentlich zu beschimpfen, dernicht ihrer Meinung ist, und nichts, selbst das Heiligste nicht,unangetastet zu lassen. Wenn aber unbedingte Freiheit der Presseein Unding, und Censur zur Abstellung der Mißbräuche un-zureichend ist, so bleibt nichts übrig, als eine relative Preß-