284
wohnen unter wilden Stürmen, und segnest jeden un-ter uns. Herr, wir sind nicht wehrt aller Barmher-zigkeit und Treue die du uns bewiesen hast. Nie kön-nen wir dir genug danken für deine väterlichen Lei-tungen und Wohlthaten. Möchten wir uns nur nichtso oft derselben unwürdig zeigen. Möchten wir nurnicht so oft das, womit du uns begabst, unverant-wortlich verbringen und mißbrauchen.
Mit Ehrfurcht gedenken wir heute deines Ern-stes. Majestätsvoll gehst du in deinen Gerichten voruns vorüber. Du bist es, der den Völkern der Erdetiefe Wunden schlagt, daß sie weise werden, und aufdich merken, daß sie in sich gehen, -und sich bessern.Schwere Zeiten haben wir erlebt, große furchtbareEreignisse haben wir in der Nahe gesehen, und wiealles unerwartet sich ändert, das sehen wir täglich.Möchten wir hier keine gleichgültigen Zuschauer sepn.Möchten wir nicht bloß erstaunen bey dem Geräuscheder Begebenheiten, bey den Ausbrüchen menschlicherGewalt und Leidenschaft, sondern unsre Blicke richtenauf dich, der du alles lenkst und auf die Lehren, andie du uns erinnern willst. Möchten wir nicht bloßsorgen und zagen, sondern auch bedenken, was zu un-serm Frieden dient.
Herr, wir sind verderbt, und verkehrt sind un-sre Wege; vielfach sind unsre Vergehungen. Wirhaben gesündigt vor dir, und Schuld auf Schuld ge-häuft. Schone und vergib den Reuevollen. Wahre,schmerzliche Reue fühle heute jedes Herz. Laß unSheute aufrichtig und eifrig erforschen unser Wesen.