Druckschrift 
Festpredigten
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

i89

wir, daß wir sterben mögen im Glauben, in der Lie-be und in der Hoffnung. Amen.

Wie, m. Z., die Menschen der Wiinsche fürihr Leben viel haben: so fehlt es ihnen, ida sie derNothwendigkeit zu sterben doch nicht entgehen kön-nen, auch nicht an solchen, die sich auf ihv Ende be-ziehen. Daß dieses Ende so weit als möglich hinausgerückt werde, und sie so lange als mögliöy unter ih-ren Freunden, Geschäften und Genüssen verweilenmögen: das ist ein Wunsch, den fast alle mit einan-der gemein haben, den wir ohne Ausnahme bey allenantreffen, die mit ihrem Schicksale einige)' Maßen zu-frieden sind. Aber wie mancherley beson! re Wünschetreffen wir nicht, nach der Verschiedenhe it der Sin-nesart, bey den Einzelnen an. Von vielen hörenwir den Wunsch äußern, daß sie einst möglichst schnellund mit möglichst wenigen Vorbereitungen dahinge-rafft werden, oder daß doch ihr Bcwußtseyn rechtfrühe erlösche. Sie preisen diejenigen glücklich, dieplötzlich, ohne es vermuthen zu können, und ohneGefühl davon zu haben, ihr Ende fanden, so wie die-jenigen, die ihre Besinnung so schnell verloren, daßsie gar nicht gewahr wurden, was mit i hnen vorging.Viele haben keinen andern Wunsch, crls den, daßdie Werkzeuge ihrer sinnlichen Genüsse nicht eher ab^gestumpft werden, und daß ihre leichtsinnig fröhlicheStimmung sie nicht eher verlassen möge, als bis dasGewebe des Lebens selbst zerrissen ist; sie setzen den