Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

A'ugsburgische Confession

127

^RulVrHk,

M crM^

MNP

den thätigcn Anthell bekannt, den er an der Julkus^volution nahm. Mehr alsirgend einer seiner Collegen setzte er sich der Lebensgefahr aus. Am Dienstage (27.Iul.) früh Morgens durcheilte er, seine Deputirtenmedaille inderHand, die Straßenvon Paris und munterte das Volk zur Verteidigung seiner Rechte auf; er vertheilteWaffen und Munition, verwandelte sein Haus in einen Wachtposten, von wo ausdie bewaffneten Scharen gegen die Gardisten und Schweizerzogen, und lieferte feineFuhrwagen, um Barrikaden damit anzulegen. Während des Kampfes am 28.versammelte A. die Abgeordneten bei sich und machte ihnen, wiewol vergebens, denVorschlag, gemeinschaftlich mit dem Volke zu kämpfen. Am demselben Tag um2 Uhr wollte er sich nicht der Deputation anschließen, die vom Herzoge von Ragusanoch nichts Anderes verlangte, als daß Karl X. das Ministerium Polignac fort-schicke. In der Nacht vom 28. zum 29. Iul. ließ er Anschlagzettel drucken, wor-in Lafayette zum Oberfeldherrn und er selbst zu dessen Adjutanten ernannt wurde.Am 29. geleitete er Lafayette aus den Sälen Lasitte's nach dem Stadthause. Diebei Lasitte versammelten Abgeordneten ernannten unterdeß A. zum Mitglieds derMunieipalcommission an die Stelle Odier's, welcher diese Würde ausschlug. Alssich darauf die Abgesandten Karls X. ins Stadthaus begaben und in die Zurück-nahme der Ordonnanzen und die Auflösung des Ministeriums einwilligten, war A.der Erste, welcher darauf antrug, die Bedingungen und den Antrag überhaupt zu-rückzuweisen. Bei den Verhandlungen in der Deputirtcnkammer ist es später zurSprache gekommen, daß die drei Revolutionstage ihm große Verluste gebracht ha-ben. Er ersuchte den König um einen Vorschuß von 300,009 Francs, der zwar nichtgewährt wurde, doch erhielt er 100,000 Fr. aus den von der Kammer der Re-gierung bewilligten Unterstützungsmitteln. A. ist jetzt zum dritten Male Abgeord-neter und vertheidigt nach wie vor der Revolution die öffentlichen Freiheiten. Einerder Ersten gehörte er zur Opposition gegen die Minister des ffrste milieu. Erstimmte gegen die Erblichkeit der Pairs und bei den Verhandlungen über das Budgetmit Denjenigen, welche die Ersparnisse auf das Äußerste ausdehnen wollten. Auchdurch Handelsunternehmungen und Landbau hat er zum Wohle feines Vaterlandesdas Seinige beigetragen. (15)

Augsburgische Confession (Jubelfeier im I. 1830). Als dieZeit herannahte, wo 1830 das Andenken des zu Augsburg von den evangelischenReichsständen dem Kaiser übecgebenen Glaubensbekenntnisses erneuert werdensollte, fragten einige Stimmen, ob man im 19. Jahrhunderte durch eine fest-liche Feier an ein Bekenntniß erinnern möge, das einer Zeit angehöre, deren re-ligiöse Ansichten durch das im Wesen des Protestantismus begründete Fortschrei-ten der Erkenntnis verändert worden seien. Selbst in den Tagen der Feier wurdedie Frage über die Geltung der symbolischen Schriften der evangelischen Kircheauf der Kanzel, wie z. B. von Harms, und bei akademischen Festlichkeiten, wie inRostock und Tübingen, zur Sprache gebracht. Aber dem Feste gab ja seine hohe Be-deutung nicht diese Frage, sondern der Gedanke, daß die feierliche Übergabe deraugsburgischen Confession die Handlung gewesen war, durch welche die von denLehrmeinungen der alten Kirche abweichende Überzeugung der Evangelischen zumersten Male mit scharfer Bestimmtheit ausgesprochen wurde, die Handlung, durchwelche die Selbständigkeit der deutschen Protestanten als eine, durch ein Glaubens-bekenntnis verbundene kirchliche Genossenschaft anerkannt, und ihre politische Selb-ständigkeit vorbereitet ward. Es wurde dadurch die Jubelfeier ein Fest, das Jeder,der sich des, durch die Reformation gewonnenen Lichtes erfreute, mit feiern konnte,was auch sonst feine Ansicht über Werth und Geltung der Glaubenssymbole seinmochte. Noch eine andere Vorfrage wurde von bedenklichen Gemüthcrn erhoben.Sollen wir durch ein solches Fest die Aufregung erneuen, welche bei der dreihun-dertjährigen Feier der Reformation 1817 den Frieden unter den deutschen Christen

b

!/

v,