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Augsburgische Confession
störte? Wer der Verhaltnisse jener Zeit sich erinnerte, durfte erwidern, daß dasÄrgerniß genommen, nicht gegeben, daß der Streit von blinden Eiferern, die selbstim Schooße ihrer an Erkenntniß und freier Gesinnung gewachsenen Kirche wenigAnklang gefunden, begonnen worden fei. Sollten die Protestanten, jetzt wie frü-her proteftirend gegen jede Beschränkung des Ausdrucks ihrer Uberzeugungstrcue,der Lichtpunkte ihrer Geschichte nur scheu gedenken, weil vielleicht, wie es auchjetzt hier und da geschah, ein Römling ihnen den 25. Iun. 1530 als einenGreueltag vorzuwerfen Lust haben könnte ? Die Erfahrung hat es erfreulich be-wiesen, daß auch ohne die zuweilen ängstlichen Ermahnungen zur Erhaltung deschristlichen Friedens, welche manche deutsche Regierungen und geistliche Behördenmit den Anordnungen zur Festfeicr verbinden zu muffen glaubten, die Evangeli-schen ihren Gedenktag, im Gefühle dessen, was sie vor 300 Jahren erlangt undwas sie seitdem gewirkt, würdig gefeiert haben, und daß selbst in mehr als einemLande die Katholiken dadurch geistig erregt worden sind. In Deutschland war dieZeit vorüber, wo, wie 1730, ein katholischer Streitprediger laut zu sagen wagte,daß der Stiefel, augsburgische Eonfession genannt, zerrissen sei, daß die Mordfackel,augsburgische Eonfession genannt, bald gedämpft, daß die junge Canaille, die Be-kenner der augsburgischen Confession, bald zur Christenheit hinausgepeitscht seinwerde. Als die Zeit des Festes bevorstand, ward in den meisten deutschen Staatendie Feier durch obrigkeitliche Verfügungen bestimmt, welche bald strenge bevor-mundend, mehr oder minder in einzelne, oft ängstlich bindende Vorschriften sichverloren und häufig auch mit dem Befehle verbunden waren, über den Inhalt dergehaltenen Predigten Bericht zu erstatten, bald freisinniger den Vorstehern der Kir-chengemeinden die Anordnung der Feierlichkeiten und die liturgischen Einrichtun-gen überließen. Unter diesen freisinnigen Anordnungen zeichnet sich die Verfügungdes Confistoriums zu Arnstadt aus, welche die Wahl der Predigttexte den Pfarrernüberließ, um das Nachdenken über den Vortrag des göttlichen Wortes nicht zu be-schränken, und ebenso wenig, wie es sonst häufig geschah, Kirchengebcte vorschrieb,damit Jeder seine Dankgefühle und Bitten in eignen Worten ausdrücken möge.Vielfache Verschiedenheit zeigte sich in der Bestimmung des Tages der Feier. Wäh-rend in mehren Staaten die Jubelfeier im 18. Jahrhunderte zum Vorbilde genom-men wurde, wie in Preußen, Sachsen, Hanover, ward in einigen Bundesstaatender 25. Iun., in andern der nächste Sonntag zur Festfeier bestimmt, hier einer,dort drei Feiertage angeordnet, wodurch in unserm vielgespaltenen Vaterlande oftdie Störung entstand, daß Grenznachbarn jenseit festliches Geläute vernahmen,während sie diesseit in dem Geschäftslärm eines Werktages bleiben konnten, wennsie nicht hinüberziehen wollten, Antheil an der Feier zu nehmen, die ihnen nicht ver-gönnt war. Mit Recht hat man gefragt, warum nicht die deutschen Regierungen,wenigstens der Nachbarländer, zu gemeinsamen Anordnungen über die Feier einesgroßen Gedenktages unserer Volksgeschichte sich vereinigt haben, wie es von dergeistlichen Behörde zu Koburg ausdrücklich gewünscht ward. Aus den Berichtenüber die Festfeier in den verschiedenen Bundesstaaten ergibt sich, daß manche Regie-rung, gleichsam widerstrebend, nur das Mindeste gestatten wollte, wie z. B. inSchwerin, wo man die Ausschmückung der Kirchen ausdrücklich für unnöthig er-klärte. Wir müssen uns darauf beschränken, die Hauptzüge der Feier in den ver-schiedenen deutschen Staaten anzudeuten. Ziemlich allgemein und sehr angemes-sen wurden mit der kirchlichen Gedächtnißfeier auch Schulfeste verbunden, um diedankbare Erinnerung an die großen Wohlthaten zu beleben, welche der Reforma-tion und besonders Melanchthon's treuen Bemühungen die Lehranstalten des pro-testantischen Deutschlands, die Kleinode unserer Volksthümlichkeit, verdanken,die noch jetzt fremde Völker als Muster betrachten. In einigen Landern wurde dasFest durch wohlthätige, für Volksbildung und Kirchlichkeit wichtige Stiftungen
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