Albert
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Albert (Ludwig von), herzogl. anhalt-köthenscher geh. Finanzrath, geb. am1?. Jul. 1783 zu Reinsdorf, einem Dorfe in Köchen, wo fein Vater Okonomie-beamter war. Seine Neigung zur Landwirthfchaft wurde schon in den frühestenJugendjahren durch den Umstand geweckt, daß seine Altern ihm ein Stück Landzum eignen Anbau übergaben, von dessen Ertrage er seine sämmtlichen Bedürf-nisse zu bestreiten hatte. Mit guten landwirtschaftlichen Kenntnissen ausgestattet,konnte er bereits in seinem 19. Jahre die Bewirtschaftung eines bedeutenden Gu-tes in Thüringen übernehmen, die er mit glücklichem Erfolge führte. Spater pach-tete er nach und nach mehre bedeutende Landgüter in Preußen und Anhalt. DieVerlegenheit, in welche die Landwirthe seit 1818 durch das Sinken der Getreide-preise geriethen, reizte ihn, auf Mittel zur Abhülfe des Übels zu denken, und soentwarf er einen Wirthschaftsplan, durch welchen er ein für Landwirthe und Arbei-ter angemessenes Verhältnis; herbeiführen zu können glaubte. Die Grundzüge desPlanes bestanden darin, die Landarbeiter mit einem verhältnißmaßigen Theile derdurch ihre Arbeit gewonnenen Ernte zu bezahlen und sie dadurch an den Vortheilenund Nachtheilen der Zeitverhältnisse Antheil nehmen zu lassen, die so hoch gestiegenebaare Geldlöhnung aber abzuschaffen-, durch den gewahrten Antheil an dem Ertragedes Bodens die Thätigkeit der Arbeiter anzuspornen und ihren Vortheil mit demInteresse des Grundeigenthümcrs innig zu verknüpfen, die Bewirthschaftung durchEntfernung des unnöthigen Zugviehes, besonders der Pferde, und durch Min-derung der Handwerkerrechnungen und der Aceorde zu vereinfachen, endlich aberauch die arbeitende Elasse sowol bei dem höchsten als dem geringsten Preise derlandwirtschaftlichen Erzeugnisse in Stand zu setzen, ihr Auskommen zu gewinnen.Als der verstorbene Herzog von Anhalt-Köthen mit diesen Ansichten bekannt wurde,beschloß er, den vorgeschlagenen Wirthschaftsplan bei der Verpachtung seiner Do-mainen auszuführen. Es sollten dabei theils die Gctreidepreise, theils die Woll-preise zum Grunde gelegt, der Pachtzins nach Verhältniß derselben gesteigert, aberzugleich ein niedrigster und ein höchster Satz angenommen werden, um auch demPachter Spielraum zu lassen. Verpächter und Pachter mußten zwar den Wechselder Zeitumstände und der Getreidepreise gemeinschaftlich tragen, der Pachter aber,obgleich er in einer für die Landwirthfchaft besonders ungünstigen Zeit vielleicht nureinen geringen Gewinn erlangen könnte, sollte doch vor gänzlichem Verderben ge-schützt werden und die Überzeugung erlangen, daß bei guter Wirthschaft das Pacht-gut lange in seinen Händen bleiben müßte, da die Verpachtungsgrundsatze für alleZeitumstände und alle Schwankungen der Preise festgestellt wurden. Der Urheberdieses Plans ward 1827 mit dem geheimen Finanzrathe von Vehr nach dem süd-lichen Rußland geschickt, wo der Herzog bedeutende Grundbesi'tzungen erworbenhatte, und erhielt den Auftrag, das Ansi'edlungsgeschäft und die landwirtschaft-lichen Anstalten zu leiten. Im folgenden Jahre ward er nach Berlin gesendet, umden Vertrag über den Beitritt des Herzogthums Anhalt zum preußischen Zollsystemeabzuschließen, und wurde nach seiner Rückkehr in den Adelstand erhoben.— Überden praktischen Werth des von A. vorgelegten Plans sind sehr abweichende Urtheilsgefällt worden. Während Adam Müller in seinen „Verhandlungen über den Al-bert'schen Wirthschaftsplan" (1824) das neue Cultursystem anpries und es be-nutzte, um seiner vielfach angefochtenen Theorie des Geldes eine neue Stütze zugeben, wurde von Andern eingewendet, daß die Idee, den landwirtschaftlichen Ar-beiter zum Theil mit Erzeugnissen des Bodens zu bezahlen, sowol um ihn gegen diespringenden Preise der Nahrungsmittel zu sichern, als auch um die Geldausgabender Grundbesitzer zu vermindern, nichts weniger als neu sei und fast überall inDeutschland in Anwendung komme, daß aver gegen den Vorschlag, die Arbeiter fürjede auf den Ackerbau sich beziehende Arbeit mit einem Antheil der Ernte zu bezah-
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