die Weichsel bei Marienwerder: aber das Bisthum Ermeland, zu Westpreufseii gehörig, war darinsoweit eingeschlossen, dafs cs nur durch einen schmalen Landstrich, am frischen Haff, mit dem übri-gen Westpreufsen zusammenhing. Als im Jahre 1772 auch Westprcufsen dem preufsischen Staateeinverleibt wurde, legte der grofse Friedrich Ermeland zu Ostpreufscn, und trennte dagegen dendamaligen Kreis Marienwerder von demselben, um die Woywodschaft Marienburg und das LandKulm unmittelbar zu verbinden, und beide Ufer der Weichsel ununterbrochen Westpreufsen anzu-eignen. Schon König Friedrich Wilhelm I. hatte anerkannt, dafs Ostpreufsen allzu ausgedehnt sei,um von einer Polizei- und Finanz-Behörde, damals der ostpreufsischen Kammer zu Königsberg,zweckmäfsig verwaltet zu werden: er stiftete daher für den östlichen Theil der Provinz die lithauischeKammer zu Gumbinnen. Danzig, die Hauptstadt Westpreufsens, war nicht mit demselben im Jahre1772 an den preufsischen Staat übergegangen: daher wurde Marienwerder, welches nach der dama-ligen Begränzung dieses Landes beinahe in seiner Mitte lag, zum Sitze für die Verwaltung desselbenausersehen; obwohl es zu jener Zeit ziemlich unbedeutend war, und die baulichen Anlagen zur Auf-nahme der Landeskollegien erst geschaffen werden mufsten. Bei der neuen Landeseintheilung imJahre 1816 blieb Ostpreufsen in zwei Verwaltungsbezirke, Königsberg und Gumbinnen, getheilt. Diealten Glänzen der beiden Kammerbezirke wurden nur in soweit verändert, dafs Memel mit der näch-sten Umgegend der Regierung zu Königsberg zugetheilt wurde, weil es offenbar zwcckmäfsigcr war,beide ostpreufsische Seehäfen unter eine Aufsicht zu stellen: Gumbinnen erhielt dagegen einige Er-weiterung seines Verwaltungsbezirks durch Verbesserung der Begränzung im Innern, besonders beiNordenburg. Westpreufsen war schon im Jahre 1793 durch die Städte Danzig und Thorn mit ihrenGebieten vergröfsert worden: im Jahre 1807 wurden dieselben nebst dem Lande Kulm zwar von ihmgetrennt; es erhielt dagegen aber die grofsen Theile der Kreise Krone und Kammin, welche von demvormaligen Netzdistrikte unter preufsischer Herrschaft verblieben waren. Im Jahre 1815 ward auchDanzig, Thorn und das Kulmer Land wieder gewonnen, und die Provinz für eine Polizei-Verwal-tung nun offenbar zu grofs. Daher ward im Jahre 1816 für den nördlichen Theil derselben einebesondere Regierung zu Danzig eingerichtet: hierdurch ist zwar die Aufsicht über den reichsten TheilWestpreufsens sehr erleichtert, aber die Schwierigkeit nicht gehoben worden, welche daraus entstellt,dafs die entferntesten Ortschaften des Kreises Krone auf der Mitte der Poststrafse zwischen Berlinund Marienwerder, und von letzterem über dreifsig Meilen entfernt liegen.
Die Provinz Posen zerfiel bei der neuen Landeseintheilung in zwei Regierungs-Bezirke, Posenund Bromberg. Der erste enthält zw'ei Drittheile der Provinz: das nördliche Drittheil wird vonBromberg aus verwaltet. Diese Stadt war von 1772 ab der Sitz der Verwaltungsbehörden über dendamaligen Netzdistrikt, welcher zu jener Zeit mit Westpreufsen verbunden wurde, mit dem er zu-gleich unter preufsische Herrschaft gekommen war. Diese Verbindung blieb auch bestehen, als imJahre 1793 der südliche angrenzende Theil von Grofspolen unter der Benennung Südprcufsen zumpreufsischen Staate kam, und namentlich auch preufsische Kammern zu Posen und Kalisch errichtetwurden. Der Netzdistrikt ging mit Südprcufsen im Jahre 1807 an das Herzogthum Warschau über,und kam mit einem Theile desselben im Jahre 1815 wieder an Preufsen zurück. Unter solchen Ver-hältnissen schien die Wiederherstellung der Verwaltungsbehörden zu Bromberg hinlänglich begründet,