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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
862
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862 Esterhazy von Galantha (Nikolaus Paul, Fürsten)

mäßig hält. E. ist ein ausgezeichneter Denker und Arzt. Bei ihm vereinigt sichdas seltene Talent des Seelen- und Körperarztes auf eine wahrhast vollendeteWeise, daher denn auch sein Urtheil über die Behandlung der schwierigsten und ver-wickeltsten Krankheitsfälle als Kanon gilt, wie dieses in unfern Tagen am Kranken-bette Casimir Pe'rier's stattgefunden hat. Durch humane Pflege und Leitung derGeisteskranken und durch eine zweckmäßige moralische Behandlung derselben hat E.in den ihm untergebenen Irrenanstalten sehr glückliche Resultate in seinen Heilungenerlangt, wobei aber nicht übersehen werden darf, daß E. dieselben Grundsätze beider Behandlung der Seelenftörungen befolgt, welche den Arzt bei Krankheiten desKörpers in der Anwendung scheinbar geringer Mittel zu glücklichen Resultaten füh-ren, nämlich die Selbsthülfe der Natur zu achten und ihre heilsamen Bestrebun-gen zu unterstützen. E.'s große, so oft mit Erfolg gekrönte Kunst, das Resultateines seltenen Scharfsinns, einer großen Treue und Sorgfalt in der Beobachtungder Kranken und einer tiefen und gründlichen Kenntniß des Zustandes und derNatur der Seelenstörungen, besteht nicht etwa in einem großen Arzneischatze,nicht in naturphilosophischen Principien, noch in Geheimthuerei, sondern viel-mehr in der richtigen Wahl einfacher Mittel und in dem glücklichen Auffassendes passenden Zeitpunkts ihrer Anwendung. In dieser Hinsicht wie in somancher andern ist und bleibt E. der erste Irrenarzt unserer Zeit. Die Anzahl vonE.'s Schriften ist sehr groß und auch durch sie hat er sich als ein würdiger Schülerund als der letzte Nachfolger Pinel's gezeigt. Sie verbreiten sich über alle Gegen-stände der Seelenheilkunde, vr. Hille in Dresden hat eine mit großem Beifallaufgenommene deutsche Bearbeitung derselben zu einer Art von System der See-lenstörungen und der Seelenheilkunde veranstaltet, unter dem Titel:Esqui-rol's allgemeine und specielle Pathologie und Therapie der Seelenstörungen"(Leipzig 1827). ^ (2)

Esterhazy von Galantha (Nikolaus, Fürst), geforsteter Graf zuForchtenstein und Edelstetten, östreichischer Generalfeldzeugmeister und Capitainder ungarischen Leibgarde, gehört zu dem ersten und mächtigsten ungarischen Ge-schlechte, das die Genealogen bis zu einem angeblichen Abkömmling des Hunnen-königs Etzel (Attila) Paul Estoraz hinaufführen, das dem Hause Habsburg beson-ders unter Ferdinand II. und Leopold I. wichtige Dienste bei der Bezwingung undErhaltung Ungams geleistet hat und eine lange Reihe ausgezeichneter Staatsman-ner, Krieger und Kirchenfürsten unter seinen Ahnen zahlt. Den Beinamen Ga-lantha erwarb dieses Adelsgeschlecht 1421 mit der gleichnamigen Herrschaft impresburger Comitat. Nach 1595 zerfiel es in drei noch bestehende Hauptlinien.Die Linie Forchtenstein, die 1626 die gräfliche Würde erhielt, thei t sich in zweiÄste: Forchtenstein und Papa. Jene wurde von Kaiser Leopold I. in den Rcichs-fürstenstand erhoben, und hat nach und nach so viele Güter erworben, daß manden Fürsten für den reichsten Grundbesitzer in Europa hält. Fürst Nikolauswurde am 12. Dec. 1765 geboren und brachte seine Jugendjahre auf Reisendurch ganz Europa, namentlich in England, Frankreich und Italien, zu. Wiesein Vater, Fürst Nikolaus, und sein Bruder, Anton, der, von Laudon innigbedauert, vor Belgrad die Todeswunde erhielt, weihte auch er sich dem Militair-ftande, wurde aber auch zu vielen diplomatischen Sendungen und zu Gefandtschas-ten bei feierlichen Anlässen gebraucht. Viele Zweige der Kunst und der Wissen-schaft danken ihm wichtige Bereicherung. Er ist der Gründer der herrlichen Ester-hazy'schen Gemäldegalerie in dem, vom Fürsten Kaunitz gekauften Gartenpalastein der wiener Vorstadt Mariahilf. Dort gründete er auch eine ausgewählte Samm-lung von Kupferstichen und Zeichnungen. Seine herrliche Residenz in Eisenstadt,wo er Haydn's Gebeine mit ausgesuchter Pracht beisetzen ließ, wurde durch ihn einTempel der Tonkunst und der Botanik, seltene Schatze aus beiden bewahrend.

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