856
Eschenmaycr
Escher
des ersten Bandes wird die Geschichte der Erziehung, in dem zweiten das Systemim dritten die Methodik oder die Lehrkunft dargestellt. Als Nachtrag dazu ist seinneuestes Werk: „Die Schulen" (Leipzig 1832) zu betrachten. (61)
Eschenmayer (Christoph Adolf), einer der geistreichsten Narurphiloso-phen der neuern Zeit, wurde am 4.Iul. 1770 zu Neuenburg im Würtembergischengeboren, und ist, nachdem er 1811 zum außerordentlichen Professor der Philo-sophie und Medizin ernannt worden, gegenwartig seit 1818 ordentlicher Professorder praktischen Philosophie in Tübingen. Den ersten bedeutenden Anstoß zu derRichtung, die E. spater in der Behandlung der Naturwissenschaften eingeschlagen,erhielt er durch die Vorlesungen des Staatsraths Kielmayr, der zuerst an derKarlsakademie zu Stuttgart lehrte, und von dem E. nach eignem, in der Vor-rede zu seinem kürzlich erschienenen „Grundriß der Naturphilosophie" (Tübingen1832) abgelegten Geständniß vornehmlich die Grundidee der, in der lebenden Naturvon der Pflanze bis zum Menschen beständig wechselnden Proportion der drei orga-nischen Grundkräfte, die er in seinem System durchgeführt, aufnahm. Der eigent-liche philosophische Standpunkt E.'s ist jedoch auf die Kant'sche Naturmetaphysikzurückzuführen, in deren principienmaßige Construction der Materie er schon frühmit lebhaftem Interesse einging, und die ihm auch zu seiner bereits 1796 geschrie-benen akademischen Dissertation: „?rmcipm gunecknm tlisciplinae naturelli, in-primis eüemiae, ex metapü/sica naturae substernencka", die Veranlassung gab.Diese Dissertation wurde die Ursache eines langen literarischen Briefwechsels zwi-schen ihm und Schölling, der sich damals in verwandten Richtungen bewegte, undvon dem E. ebenfalls manche spekulative Ansicht für die höhere Auffassung der Na-turwissenschaft gewonnen, ohne jedoch an der immer scharfer sich ausbildenden ab-soluten Jdentitätslehre desselben, wie es scheint, je Theil genommen zu haben.Sehr viel verdankt er unstreitig auch dem genialen Oken, wie denn Eschenmayer'sNaturphilosophie überhaupt mehr den Charakter eines geistreichen Eklekticis-mus, als eines auf Originalität und Neuheit der Principien Anspruch machendenSystems an sich trägt. E. hat jedoch auch andere, allgemein geistige Seiten derPhilosophie berührt, und vornehmlich für Religions- und Moralphilosophie einigeschätzbare Arbeiten geliefert, worunter namentlich seine „Religionsphilosophie"(3 Bde., Tübingen 1818 — 24), in der er im ersten Bande den Rationalismus,im zweiten den Mysticismus und im dritten den Supernaturalismus oder die Lehrevon der Offenbarung des Alten und Neuen Testaments abhandelte; ferner seineSchrift: „Die einfachste Dogmatik aus Vernunft, Geschichte und Offenbarung"(Tübingen 1826), sowie sein „System der Moralphsiosophie" (Stuttgart 1818)zu erwähnen sind. Seine Ideen über Rechtswissenschaft legte er in seinem „Nor-malrecht" (2 Thle., Stuttgart 1819 — 20) und in den „Grundlinien zu einemallgemeinen kanonischen Rechte" (Tübingen 1825) nieder. In seiner „Psy-chologie in drei Theilen, als empirische, reine und angewandte" (Stuttgart1817, zweite Auflage 1822) hat er viel Naturphilosophisches eingemischt,ohne es an diesem Orte recht begründet und vermittelt zu haben. Lebhaften An-theil nahm E. auch an den Erscheinungen des animalen Magnetismus, in neuesterZeit vornehmlich in Bezug auf das merkwürdige Phänomen der vielbesprochenenSeherin von Prevorst, über die er zugleich mit seinem Freunde Justinus KernerBeobachtungen angestellt und mitgetheilt hat. Seine wissenschaftliche Ansicht überden Magnetismus entwickelte er schon früher in einer Schrift: „Versuch, die schein-bare Magie des thierischen Magnetismus aus physiologischen und physischen Ge-setzen zu erklaren" (Tübingen 1816). Eine zusammenhängende und vollständigeDarlegung seines naturwissenschaftlichen Systems enthält sein oben erwähnter„Grundriß der Naturphilosophie". (47)
Escher (Johgnn Konrad), von der Linth, geboren zu Zürich 1768,