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Erziehungswesen
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seiner Handelspolitik geöffnet. Asien steht jetzt an der Pforte eines neuen Jahr-tausends. Von dem rauhen Norden, aus welchem vor dritthalbtausend Jahrenscythische Barbarei in den Sitz babylonischer und lyrischer Culrur verheerend ein-brach, von dorther senkt sich vielleicht bald die belebende Macht der (Zivilisationhinab in die verödeten Ebenen Mesopotamiens und in die Todtengrüfte des türki-schen Despotismus. ft7)
Erziehungs wesen. So verschieden die Ansichten über den Unterricht,über Anfang, Grenzen, Methode desselben noch immer sind; über Erziehung, denBegriff und das Wesen derselben, ist man nach langem Widerstreite der Meinun-gen zu besserer Verständigung gekommen. Man hat eingesehen, daß nicht einebeschrankte Beziehung auf ein bestimmtes künftiges Verhältniß im bürgerlichen Le-ben, sondern die Entwickelung des Menschen im Menschen ihre Auf-gabe ist, und man hat ebensosehr den unnatürlichen Zwang der ältern Verfah-rungsweise, als ein frühzeitiges Versetzen in Freiheit und Selbständigkeit, als un-statthaft verwerfen gelernt. Wo von Erziehung im Allgemeinen die Rede ist, kannnicht von Systemen und Methoden gehandelt werden, die man nach ihren vorzüg-lichsten Bestrebungen die pietiftisch-religiöse, oder die humanistische, oder die phi-lanthropische genannt hat. Wenn diese gleich in ihren Verirrungen und Übertrei-bungen noch im Einzelnen sich geltend machen, im Allgemeinen ist man über dierichtigen Grundsätze, die jede derselben theilweise aussprach, einig geworden, nurdaß man besser geschieden und genauer bestimmt hat, was allgemeines Gesetz, undwas durch Alter, Zeit, besondern Zweck, jeder Abtheilung und jeder Periode der Er-ziehung als cigenthümlich zugewiesen wird. Wir verweisen daher in Bezug aufAlles, was den Unterricht im eigsnthümlichen Sinne detz Worts umfaßt und seinegeschichtliche Entwickelung in der neuesten Zeit angeht, auf die spätem ArtikelGymn asi alw esen und Schulwesen, und werden hier nur den Begriff derErziehung, den Zweck derselben und ihre erste Thätigkeit, wie sie von der Naturvorgeschrieben wird, aus innern Gründen entwickeln.
Der Begriff der Erziehung setzt ein Wesen voraus, das fremder Hülfe bedarf,aber in welchem Kräfte vorhanden sind, die bis zu einem bestimmten Grad ent-wickelt werden sollen, um dann frei und selbständig sich äußern und auf Anderewirken zu können. Von einem leblosen oder von einem vernunftlosen Geschöpfe,dessen Organisation durch die Natur selbst ausgebildet und zur Reife gebracht wird,kann man nicht sagen, daß es erzogen werde, wenn man nicht das edle Wort aufdie enge Bedeutung der äußern Wartung und Pflege beschränken will. Ebenso we-nig wird ein Werk des Mechanismus erzogen, sondern, wie es die materielle Zu-sammensetzung verlangt, ausgebaut, erhalten, verbessert und zu seiner Bestim-mung vervollkommnet Die Erziehung gehört allein dem menschlichen Geschöpfe,das körperlich und geistig Hülflos in das Leben tritt und durch andere Menscheneigentlich heben lernen muß, bevor es seine Freiheit selbst gebrauchen und ein frei-thätiges Mitglied der Gesellschaft werden kann. Denn der Mensch — so ist seineBestimmung — muß durch Andere gebildet werden, damit er wieder selbst Bildnerwerde; er muß gehorchen lernen, um später Andere durch Gesetz und Führung lei-ten zu können. Es ist klar und die Geschichte zeugt davon, daß man bei der Er-ziehung zwiefach irren kann: entweder, wenn man dem Menschen in seiner erstenOrganisation zu viel zugetraut und von der Natur erwartet hat, was sie diesem,einer langsamern, aber höhern Ausbildung bestimmten Geschöpfe versagte, oderwenn man durch zu vieles und übereiltes Einwirken — durch „Einzwingen inModellir- und Quetschformen", sagt J.Paul— die Freiheit, zu welcher es all-malig heranreifen soll, zerstörte, und dadurch statt selbständiger kräftiger Wesenlebende Maschinen in die Welt hinausstellte, die allein, fremden Bewegungen undfremden Gesetzen zu folgen gewohnt, der eignen Willensthätigkeit und Entschlossen-