852 Erzerum und der russisch-türkische Krieg in Armenien
Erzcrum bei Baiburt ein Heer von 20,000 Mann zusammenziehe und sich rüste,Erzerum mit Sturm zu nehmen. Also beschloß er, dem Feinde zuvorzukommen,und ließ das Heer am 6. Oct. in zwei Abthcilungen nach Baiburt vorrücken. Dierechte führte er selbst über Khosch-Pungar; die linke Fürst Potemkin über denBerg Kop-Dagh. Beide vereinigten sich am 8. Oct. unweit der Kupferminen beiBaiburt, eroberten den Engpaß und bemächtigten sich aller nach Baiburt führen-den Straßen. Hierauf umging General Paskewitsch am 9. diesen Platz und be-setzte die Höhen, welche denselben beherrschen. Nun griff er die Türken auf denHöhen gegenüber von drei Seiten an, warf sie in die Stadt und schlug sie nach ei-nem großen Blutbade in die Flucht. So siel mit Baiburt zugleich auch die türki-sche Feste Olty in die Gewalt der Russen, und der Seraskier, welcher zum Entsatzherbeigeeilt war, zog sich in Eilmärschen zurück. Schon wollte ihn Paskewitschverfolgen und angreifen, als am 11. Oct. die gewisse Nachricht von dem zuAdrianopel (s. d.) am 14. Sept. 1829 abgeschlossenen Frieden bei dem Se-raskier eintraf, worauf dieser dem russischen Oberseldherrn einen Waffenstillstandantrug. Der Staatsrath Wlangaly unterzeichnete diesen im türkischen Lager, undbeide Feldherren schloffen eine Übereinkunft zur Vollziehung des Friedenstractats.Das Friedensfest wurde von dem Oberbefehlshaber am 15. Nov. zu Tiflis in Ge-genwart der vornehmen türkischen Gefangenen, des Seraskiers, des Hagki Pa-scha und fünf anderer Paschas mit allem kirchlichen und militairischen Pompegefeiert.
Hatte der General Paskewitsch in diesem Kriege sein Fcldherrntalent in jederHinsicht bewährt, so muß insbesondere noch das Verdienst bemerkt werden, welcheser sich durch die nicht leichte Kunst erwarb, womit er aus der muselmännischen Be-völkerung der südlichen kaukasischen Provinzen vier tapfere und Rußland ergebeneRegimenter zu bilden verstand. Man sah in seinem Lager die Reiterei der Ken-gerly, eines kriegerischen Stammes aus Nechitschewan; man sah armenische Krie-ger aus Kars, muselmännische Scharen aus Bajazid, Tschetschenen vom Kauka-sus und freie Kurden unter russischen Fahnen; auch die türkische Reiterei dertapfern Dehli Baschis und Haytis, Freiwillige aus dem Paschalik Erzerum, eilten(im August 1829) zu dem russischen Heere. Der Tschetschene Beibulat, einstdas Schrecken der Gebirge, welcher stets die Bergbewohner gegen die russische Re-gierung, der er sich nie unterwerfen wollte, aufwiegelte, war freiwillig nach Erze-rum gekommenem sich zu unterwerfen und Dienste in dem russischen Heere zu neh-men. So verstand Paskewitsch zugleich den Feind zu besiegen und die Völker zu ge-winnen. Der Kaiser Nikolaus führte den Krieg nicht als Eroberer, sondern als Re-gent; daher wurden dem Frieden zu Adrianopel gemäß, im I. 1830 die Pascha-liks von Kars, Bajazid und Erzerum an die Pforte zurückgegeben, von dieser aberdie Festungen Anapa, Poti, Akalkalaki, Akalzike H und Azkur, nebst einem Theile destürkischen Armeniens bis zum Flusse Tschoroki (ungefähr 200 mM.), an Rußlandabgetreten, das diese Erwerbungen mit Kaukasi'en vereinigte. Seitdem beherrscht dieseGroßmacht die Höhen des Ararat, die Quellen des Euphrat, die Küste des Phasis, denLauf des Kur mit dem Araxes, und die Straßen nach Persi'en und Natolien. Dieräuberischen Bergvölker werden jetzt leichter im Zaum gehalten, und der Weg in dasHerz von Asien, nach Persi'en wie nach Syrien hinab, ist den russischen Waffen und
*) Seit dein Frieden ist hier am AbHange eines Berges, auf dem rechten Uferdes Flusses Potzchowka, die neue Stadt Akalzike gegründet worden, welche gesun-des Trinkwasser hat, woran es in der alten Stadt fehlt. Die breiten Straßen derneuen Stadt sind so angelegt, daß sie von den Batterien der Festung bestrichen wer-den können. 185l bauten sich in der neuen Stadt eine Menge Familien aus derärmsten Classe der Bewohner von Erzerum an, von der Regierung mit Geld undMaterialien unterstützt.
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