ch-' cB° ,
I!"H N^
Erzerum und der russisch-türkische Krieg in Armenien 849
tet, oder war, um etwas zu erwerben, nach Konstantinopel gewandert, sodaß dieschönsten Felder zum Theil verödeten. Die Weiden sind vortrefflich; Vieh gibt esin Überfluß, sowie eine Menge Wild, namentlich wilde Schweine, aber auch Wölfeund Tiger. Die Gebirge, welche die Stadt umgeben, sind ohne Holzwuchs; dieWalder, die das nöthige, in Erzerum sehr theure Bau- und Brennholz.liefern,liegen über 16 Stunden von der Stadt, im Osten derselben im Saganlugebirge.Die niedere Volksclasse brennt fast nur trockenen Kuhmist. Erzerum gehört seit1517 durch Eroberung den Osmanen. Diese schlechtgcbaute Stadt mit engen,schmutzigen Straßen hat 12 (nach andern Angaben 40) Moskeen, zwei armenischgriechische und eine armenisch-lateinische Kirche. In einem alten griechischen Klo-ster, das die Türken als Zeughaus benutzen, fanden die Russen künstlich gearbeiteteHelme und andere Waffen aus den Zeiten der Seldschucken im 11. Jahrhunderte.Erzerum ist der Sitz eines Paschas von drei Roßschweifen, eines armenischen Pa-triarchen und eines griechischen Bischofs. Nach russischen Nachrichten hat dieStadt 100,000 Einwohner: Osmanen, Armenier, Griechen und Perser, welchewichtige Fabriken in Seide, Baumwolle, Leder und Kupfer betreiben, wozu dieLandeserzeugnisse und die reichen Kupfergruben der Tauruskette benutzt werden.Die Waffenschmiede von Erzerum verfertigen die besten Waffen im türkischenReiche; sie beziehen das Eisen aus Sibirien und Indien; aus indischem Eisenmachen sie die damastener Klingen. Schon dies erklart das Zusammentressen vie-ler Straßen, wodurch Erzerum der Stapelplatz für den Landhandel nach Kaukasien,Persi'en und Indien geworden ist, und ein Hauptpunkt für die Verbindung des in-nern Orients sowol mit der Levante als auch mit Rußland und dem übrigen Eu-ropa. Was Damascus für Syrien und die südlichen Provinzen, ist Erzerumfür Kurdistan und die nördlichen Lander. Hier befinden sich reiche Bazars und ein^ großes Zollhaus. Wöchentlich kommen große Karavanen aus Tauris, Haleb, Bag-> dad, Diarbekir, Tiflis und Konstantinopel. Von Erzerum über Baiburt (Baiburdi)^ nach Trapezunt (Trebisonde) sind etwa 8 Tagereisen, nach Konstantinopel 43 Tage-reisen oder 381 Marschstunden (227 Wegstunden, Lieues), nach Smyrna 270 undnach Tiflis 78 Wegstunden. Die Wichtigkeit der Lage von Erzerum für den Han-del ist den Englandern nicht entgangen. Sie haben einen Consul für Trapezunternannt, der aber in Erzerum seinen Wohnsitz hat, und im Jahre 1831 schätzteman die Einfuhr aus England nach Trapezunt und Erzerum auf mehr als 10Mill. Francs. Auch durch den russischen Handel nach Persien ist jetzt eine wich-tige Niederlage in Erzerum gegründet worden. Überhaupt hat dieser Marktplatzin der neuesten Zeit, bei den Unruhen in Syrien und dem Kriege zwischen derPforte und Ägypten, zum Nachtheile von Damascus an Umfang und Bedeutungsehr gewonnen.
In dem letzten Kriege zwischen Rußland und der Pforte entschied dieEroberung dieses Platzes, am 9. Iul. 1829, den Feldzug in Asien. Die fortangesicherte Stellung der russischen Macht auf den Höhen des Kaukasus und Ararathat nicht nur die armenische Kirche ganzlich von Rußlands Schutz abhangig ge-macht, sondern auch die gesummten Euphratländcr bis Syrien hinab den russi-schen Waffen geöffnet, sodaß in einem künftigen Kriege Persien von der Pfortegetrennt und jedes dieser Reiche von dem übermachtigen Feinde im Rücken und inder Flanke angegriffen werden kann. Da nun Nußland zugleich den Zug der Handels-straßen der Europaer in das Herz "von Asien beherrscht, so verdient jener Feldzug desMarschalls Paskewitsch, welcher so große Erfolge herbeiführte, hier eine vorzüglicheErwähnung. Als Rußland am 20. April 1828 den Krieg an die Pforte erklärte,stand der Überwinder Persiens, Graf Paskewitsch-Erirvansky, seit dem Abschlüssedes Friedens mit Persi'en zu Turkmantschai (im Februar 1828), mit dem abgeson-derten kaukasischen Armcecorps an den Usern des Arares, im Besitz der von PersienKonv Lex, der neuesten Zeit und Literatur, l. ^4
0