848 Erzerum und der russisch-türkische Krieg in Armenien
Alpen über das Waadtland und den Aargau hinweg bis an den Jura hinüberge-schwemmt werden konnten, so erhält man doch einen Maßstab für die Möglich-keit solcher Transporte, wenn man die Schilderung von den fürchterlichen Kraftäu-ßerungen der Durchbrüche kleinerer Alpenseen, wie z. B. des Gletschersees imBagnethale vernimmt, wo Felsblöcke von mehren tausend Cubikfuß in der Schlamm-flut meilenweit fortgeschwemmt wurden. Das Phänomen der nordischen Fels-blöcke findet in einem weit größern Maßstabe und unter Verhältnissen statt, welchedie Erklärung desselben etwas schwieriger machen, daher verschiedene und zum Theilabenteuerliche Hypothesen aufgestellt wurden. De Luc erklärte sie durch Explosionenaus dem Innern der Erde; Chabrier ließ sie von andern Weltkörpern herabstürzen;Andere betrachteten sie als Reliquien früher vorhandener Gebirge. Wenn aberauch jetzt ihr Ursprung aus den Gebirgen Skandinaviens erwiesen ist, so bleibt dochihr Transport aus 150 Meilen Entfernung und über das Basfin der Ostsee hin-weg ein Räthsel, dessen Lösung man durch die Annahme großer Züge von Treibeis,ja selbst von Treibholz versucht hat. Es ist indeß besonders seit Brongniart'sBeobachtungen in Schweden sehr wahrscheinlich geworden, daß auch die nordischenBlöcke durch eine ungeheure Flut in die südlichem Gegenden entführt und zerstreutwurden. (19)
Erzerum und der russisch-türkische Krieg in Armenienin den Jahren 1828 und 1829. Das Hochland, auf welchem Er-zerum (Arzerum), die Provinz und Hauptstadt Großarmeniens, liegt, ist der Ursitzder hebräischen Sage und der Vorwall der kaukasischen Völkerpforte. Es wird inder Geschichte fast aller Kämpfe um die Herrschaft Asiens genannt, seit der Helden-sage von der Semiramis bis auf die Kriege Roms mit Parthien und Persi'en;feit den Eroberungen der Araber und der Osmanen bis auf die Siege des russi-schen Feldherrn Pask-ewitsch über den Halbmond. Aber auch abgesehen von seinerhistorischen Merkwürdigkeit, ist dieses seit Tournefort von unterrichteten Reisendennoch nicht genug erforschte Land, als ein Hauptstapel für den Handel des Abend-landes im Orient, ein Angelpunkt von Englands Politik, und seit Kurzem einGegenstand der britischen Eifersucht auf Rußlands wachsende Größe.
Das Paschalik (Ejalet) Erzerum (1380 deutsche H)M. mit 0 —700,000 Bewohnern) liegt in dem höchsten türkischen Gebirgslande, in Arme-nien, auf einer Hochfläche von 7000 Fuß über dem Meere, am Fuße der beschnei-ten Gipfel des Ararat, von wo in dreifacher Abdachung die Gewässer eines Ar-mes des Phasi's (Fasch) zum schwarzen Meere, die des Araxes (Aras) mit demKur zum kaspischen See, und die des Euphrat nebst dem Tigris zum persischenMeerbusen, durch fruchtbare Stufenländer (Wan und Diarbekir) hinabftrömen.
In dem alten Armenien (^rmeniu magna) lag ^r-es, das jetzige Arzcrum(angeblich arx knmanorum), gewöhnlich Erzerum genannt, die Hauptstadt desSandschakats und des Paschaliks dieses Namens, ehemals die Hauptstadt vonGroßarmenien. Sie wird von den Armeniern, nach dem Erbauer der Stadt, ei-nem armenischen Prinzen, Gazen, auch Theodosi'opolis genannt. Ein Feldherrdes Kaisers Theodosius, Anatolicus, umgab sie mit Mauem. Sie liegt unter39" 15' der Lange und 39° 58' der Breite, am Fuße des hohen Egarli-Dagh,in einer reich bevölkerten, mit etwa 400 Dörfern besäeten Landschaft. Im We.sten der Stadt dehnt sich eine weite Ebene aus, welche mehre Flüsse durchströmen.Wegen der hohen Lage ist es im Winter sehr kalt; im Sommer aber wird es seltensehr heiß, weil die Nordwinde die Temperatur abkühlen. Daher erlaubt daskalte Klima, trotz der südlichen Lage der Stadt, weder den Anbau des Weins nochden der Obstbäume. Ungeachtet des überaus fruchtbaren Bodens ist der Ackerbaudennoch, in Folge des türkischen Drucks, in Verfall. Ein großer Theil der Land-
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bewohner hatte sich, zur Zeit des letzten Krieges, nach Persi'en und Rußland geflüch