846 Ernst III. (Herzog zu Sachsen-Koburg-Gotha)
schwer daniederliegend, in Königsberg, von welcher Stadt er beim Andringen derFranzosen noch mitten in der Krankheit nach Memel gebracht werden mußte, woer durch die arztliche Hülfe Gerike's und Hufeland's wiederhergestellt wurde. Un-terdessen hatte der Kaiser der Franzosen durch ein Patent vom 27. Jan. 1807das Herzogthum Koburg-Saalfeld als ein erobertes Gebiet in Besitz genommenund ließ es durch französische Intendanten, Bouvier Dumolart und den GeneralParigot, verwalten. Erst nach dem Abschluß des Friedens zu Tilsit erhielt derHerzog, welcher sich unterdessen in Böhmen aufhielt, vorzüglich durch den Ein-fluß des Kaisers Alexander, sein Erbland durch eine Ordre Napoleons zurück, inwelcher er „uu iuce umi et eUIie 5 1a Trance" genannt wurde. Er sah daraufden französischen Kaiser persönlich in Dresden und erhielt von ihm noch die Zusiche-rung einer Entschädigung für die aus dem Lande gezogenen Summen. Am 28.Jul. 1807 langte er in seiner Residenz zu Koburg an und wurde von seinen Unter-thanen mit allgemeiner, herzlicher Freude empfangen. Dann begab er sich nachParis, wo er sieben Monate verweilte, um seine Entschädigungsangelegenheiten inOrdnung zu bringen. Ohne zum Ziele gelangt zu sein, kehrte er, Ende April 1808,nach Deutschland zurück und war nun vorzüglich mit der Organisation der Staats-verwaltung seines Landes beschäftigt, welches nicht nur durch die feindlichenDurchmärsche des fremden Heeres, durch Contributionen und andere Kriegslastenaufs Äußerste erschöpft war, sondern auch unter der Regierung eines willkürlichenMinisters, des Herrn von Kretschmann, viel gelitten hatte. Dieser wurde vondem Herzoge, nachdem er eine Untersuchung gegen ihn verhängt, ganz seiner Diensteentlassen, und es ward darauf durch ein Decret vom 4. Jun. 1808 ein Landes-ministerium gebildet. Dieser Anordnung folgten rasch mehre andere, welchedas Justiz-, Kirchen- und Finanzwesen betrafen. Aber trotz aller Bemühun-gen des Herzogs und seines ernstlichsten Willens, für die Wohlfahrt seiner Unter-thanen zu wirken, war es ihm doch nicht möglich die Lage des Landes bedeutend zuerleichtern; denn als Glied des Rheinbundes war er verpflichtet, sein Contingent zustellen und vollständig zu erhalten, und sein Land wurde 1809 und 1812 durchzahlreiche Truppenmärsche furchtbarcheimgesucht und um so weniger verschont, daman französischer Seits den Herzog im Verdacht eines Einverständnisses mit Ost-reich hatte, dem sein Bruder Ferdinand, gegenwärtig östreichischer Feldmarschall-lieutenant (geb. 28. März 1785, seit dem 2. Jan. 1816 mit Antonia, der ein-zigen reichen Erbin des 1826 verstorbenen Fürsten von Kohary, vermählt), diente,welcher auch die Schlachten bei Regensburg, Aspern und Wagram mitfocht. Alsder Herzog nach der leipziger Schlacht seiner Neigung frei folgen konnte, ohne seinLand auss Neue der größten Gefahr bloßzustellen, schloß er sich den ihm befreundetenhohen Alliirten an und trat in die Reihen der Kämpfer für die Befreiung Deutsch-lands. Es wurde ihm der Oberbefehl über das fünfte deutsche Armeecorps übertra-gen, welches aus Truppen der verschiedensten Länder bestand und vorzüglich zurBlockade von Mainz verwendet wurde. Nach der Capitulation von Paris ergab sichauch Mainz an das mehr als 30,000 Mann starke Belagerungsheer, und der Herzogeilte nach Paris, wo er sowol an den politischen Verhandlungen als auch an denmilitairischen Bewegungen und Festlichkeiten Theil nahm. Nach herbeigeführtemFrieden erschien der Herzog persönlich auf dem Congresse zu Wien und vertrat nichtnur sein eignes Interesse, sondern auch mit offener, edler Gesinnung und achtbaremFreimuthe das des unglücklichen Königs von Sachsen, dessen ganzes Land dieKrone Preußen zur Entschädigung verlangte. Auf dem wiener Congresse wurdeihm endlich eine Landesvergrößerung von 20,000 Einwohnern zugesichert unddiese im zweiten pariser Frieden, nachdem er wieder als Oberbefehlshaber dersächsischen Truppen den Fcldzug gegen den von Elba zurückgekehrten Napoleonmitgemacht hatte, um 5000 Seelen vergrößert. Von diesen Gebietstheilen
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