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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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Erman (Paul)

sich auch künstlich bereiten lasse, indem Schwefel das färbende Princip desselbenfei; und wirklich stellte er es aus Kieselerde, Natron und Schwefel sehr schön dar.Er hatte kein Geheimniß aus seiner Entdeckung gemacht und das Verfahren derBereitung unter andern auch französischen Chemikern mitgetheilt; daher scheintes gekommen zu sein, daß bald auch Tunel in Paris zu derselben Zeit künstlichenUltramarin verfertigte. Höchst merkwürdig und nützlich war Davy's Ent-deckung, daß man, um den kupfernen Beschlag der Schiffe vor Zersetzung zu sichern,auf der Kupferoberflache einige Eisenplatten andringen müsse, weil diese, wegen ih-rer Eigenschaft sich positiv zu elektrisiren, allen Sauerstoff an sich ziehen, welcherdas Kupfer in Grünspan verwandelt haben würde. Indem Döbereiner aufeinen Platinniederschlag eine Mischung von Sauerstoff und Wasserstoff streichenließ, machte er die überraschende Entdeckung, daß schon durch diese einfache Be-rührung die Gase mit einander verbunden werden, und daß sich dabei eine Hitze er-zeugt, welche das Platin in die Rothglühhitze versetzt. Thenard bildete aus ge-wöhnlichem Wasser, das er mit einem mehr als vierhundertfachen Volumen Sauer-stoff sattigte, das sogenannte oxygenirte Wasser, welches selbst bei einer Kalte vonmehr als 35 Graden nicht zum Gefrieren gebracht werden konnte, und noch ver-schiedene andere merkwürdige Phänomene zeigte. Mitscherlich in Berlin gelangeS, steinige Substanzen zum Krystallisiren zu bringen, und in der Glut des Hoh-ofens manche Steine, wie Hornblende, Glimmer und Hyacinth, aus ihren Be-standtheilen wiederherzustellen: eine Entdeckung, welche auf die Entstehung vonMineralien und auf die Theorie der Erde ein Helles Licht wirft. Bonijol zuGenf erfand vor Kurzem sehr feine Apparate, durch deren Hülfe er das Wasserleicht mittels der Elektrisirmaschine zersetzen, d.h. in seine Bestandtheile, Sauer-stoff und Wasserstoff, zerlegen konnte. Er gelangte sogar dahin, dieselbe Zersetzungmittels der atmosphärischen Elektricität zu bewirken. Durch ähnliche Mittel ent-deckte er auch das Verfahren, vermöge der gewöhnlichen Elektricität das Kali unddas salpetersaure Silber zu zersetzen.

So ist unter allen Naturwissenschaften das Wesen der Chemie am meistenverändert worden, und sie steht jetzt auf einer Höhe, die vor 50 Jahren Nie-mand ahnen konnte. Gleiche Schritte mit ihr that die praktische Mechanik, wiedie vielen Erfindungen in derselben, sowie ihr erweiterter Umfang überhaupt bewei-sen. Dies mußte auf die Technologie, welche man als eine Vereinigung der ange-wandten Chemie und der Mechanik ansehen kann, sowie auf alle Gewerbe, die indas Gebiet der Technologie gehören, den wohlthätigsten Einfluß haben. Dasneueste Werk über die Geschichte der Erfindungen ist I. H. M. Poppe'sGeschichteder Erfindungen in den Künsten und Wissenschaften seit der ältesten bis auf dieneueste Zeit" (4 Bdchn., Dresden 1.829'). Reichhaltige Repertorien der neue-sten Erfindungen und Entdeckungen sind: Dingler'sPolytechnisches Journal"(bis jetzt 44 Bde., Stuttgart seit 1820);Magazin der neuesten Erfindungen"(neue Folge, 4 Bde., Leipzig 1827 fg.) und Prechtl'sJahrbücher des polytech-nischen Instituts zu Wien" (jetzt 17 Bde., Wien seit 1819). (00)

Erman (Paul), geb. zu Berlin 1704, war anfänglich für das Studiumder Theologie bestimmt, doch hatten die Naturwissenschaften von seiner Kind-heit an einen so überwiegenden Reiz für ihn, daß er bald den Entschluß faßte,ausschließlich diesen zu leben. Er übernahm daher sehr früh ein Lehramt der Na-turkunde beim französischen Gymnasium zu Berlin, spater auch bei der allgemeinenKriegsschule daselbst, und als 1809 die dortige Universität gegründet wurde, erhielter die ordentliche Professur der Physik an derselben. Die gewissenhafte Erfüllungdieser Amtspflichten nahm nicht nur einen bedeutenden Theil seiner Zeit in An-spruch, sondern hatte auch auf die Art seiner eigenthümlichen wissenschaftlichen Lei-stungen den, wie man will, nachtheiligen oder günstigen Einfluß, daß sie eine große

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