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Erfindungen und Entdeckungen der neuesten Zeit 843
Stahlfedern (statt der frühern Glocken) an Vollkommenheit gewonnen, seit achtJahren aber haben diese Repetiruhren sowol, als die übrigen Arten von Tafchen-uhren und die Uhren überhaupt, durch neuerfundene Einrichtungen, z. B. durchneue oder verbesserte Hemmungen, die wir meistens Englandern und Schweizernverdanken, noch mehr gewonnen. Wie kunstvoll gearbeitet und wie schön sindnicht z. B. die jetzigen außerordentlich platten Taschenuhren! — Die 1812 vondem Italiener Zamboni erfundene trockene Galvani'sche Säule, welche durch elek-trisches Anziehen und Abstoßen einen Pendel in Schwingung setzt, hatte Ra-mis in München zwar zu einer sogenannten elektrischen Perpetualuhr benutzt;aber im Verlaufe der Zeit ergab sich, daß die Bewegung des Pendels nicht immer-während sein konnte, so interessant auch die Erfindung war. — Die berühmtenenglischen Naturforscher Brewster und Wollaston hatten schon seit mehr als 20Jahren merkwürdige optische Erfindungen gemacht; Jener hatte das Kaleido-skop (den Tchonheitsgucker), Dieser die helle Kammer ((?ulnoru lucüla) erfunden.Z'u diesen Erfindungen kamen seit den letzten zehn Jahren noch mehre von ihnenHerrührende, diezwar nicht so allgemein bekannt wurden, aber doch wichtig oderinteressant genug waren. Brewster schlug zu einfachen Mikroskopen die sehr klei-nen Krystalllinsen der Fische vor, welche klar und vollkommen kugelartig sind.Wollaston, welchem wir früher die periskopischen Brillen verdankten, erfand dasDoppelmikroskop, ein doppeltes zusammengesetztes Mikroskop. Der EngländerGray erfand die wohlfeilsten Mikroskope, die Jeder selbst verfertigen kann. Mannimmt nämlich mit einer Nadelspitze einen Tropfen ganz klares Wasser auf undthut ihn in ein kleines Loch einer metallenen Platte. Auch zusammengesetzteMikroskope mit achromatischen Linsen und von vortrefflicher Wirkung sind in neue-ster Zeit angegeben worden, z. B. von Fraunhofer in München und Öchsle inEßlingen; sogar Diamantlinsen hat man dazu genommen. — Der Erfindungs-geist der Mechaniker von Profession sowol als der Liebhaber der Mechanik, übtesich in der letzten Zeit auch sehr oft noch an Vorrichtungen zur Rettung der Men-schen aus Feuersgefahr. Aber noch immer gibt es keine Erfindung dieser Art, dieman unbedingt empfehlen könnte, obgleich manche von ihnen allerdings Beach-tung verdienen. Sicherer und anwendbarer sind mehre neue Erfindungen gegendie Gefahren auf dem Wasser, wie ;. B. van Houten's Rettungsboot, Bate-man's Rettungsfloß, Macintosh's Rettungsjacke u. a.
Die Physik, besonders aber die Chemie, hat seit wenigen Jahren in vielenThcilen durch interessante Entdeckungen eine neue Gestalt gewonnen, wozu be-sonders das wichtige Ergebniß vieler, seit Davy angestellten Beobachtungen gehört,daß keine einzige chemische Thätigkeit stattfindet, wobei nicht zugleich die Elektrici-tat eine Rolle spielt, sowie die von Örsted gemachte Entdeckung von dem inncrnZusammenhange zwischen der Elektricität und dem Magnetismus, welche zu derneuen Lehre vom Elektromagnetismus (s.d.) führte. — Die berühmtenChemiker Gay-Lussac und Thenard hatten die Entdeckung gemacht, daß Lavoist'er'soxygenirte Salzsäure eine einfache Substanz sei, welche seit dieser Zeit den NamenChlor (s. d.) bekam. Man verband das Chlor mit dem Kalke, mit dem Kaliund mit dem Natron, und so entstand der von Dalton erfundene Chlorkalk(s. d.), welcher in neuester Zeit ein wichtiger Fabrikationszweig geworden ist. Erwird häufig zum Bleichen der baumwollenen, leinenen und hänfenen Zeuche, beimDrucken derselben, zum Bleichen des Papiermacherzeuchs u. dgl. angewendet, istaber auch als luftreinigendes Mittel, wozu ihn besonders Gaultier de Glaubry em-pfohlen, in der neuesten Zeit häufig gebraucht worden. Gay-Lussac hat auch eineneignen Chlorkalk-Gütemesser (Chlorometer) erfunden. — Christian Gmelin inTübingen machte vor wenigen Jahren die Entdeckung, daß das unter dem NamenUltramarin bekannte, bisher aus dem Lasursteine bereitete kostbare blaue Pigment
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