England 803
war verworfen worden, erfolgte endlich am 23. Mär; die Annahme der Bill miteiner Mehrheit von 116 Stimmen. Bei der Eröffnung der Verhandlungen imOberhause am 26. Marz zeigten sich die Folgen der gepflogenen Unterhandlungen inden Erklärungen des Grafen von Harrowby und des Lords Wharnclisse, die ihrenEntschluß ankündigten, für die zweite Lesung zu stimmen, um dann den Gesetz-vorschlag bei den Ausschußverhandlungen einer gründlichen Prüfung zu unterwer-fen. Sie und ihre Freunde sprachen entschieden für die Nothwendigkeit, aufdie Stimme des Volkes zu achten, und es verrieth sich in den Verhandlungen, daßdiese Nachgiebigkeit aus der Furcht vor einer Vermehrung der Mitglieder des Ober-hauses hervorging. Die Hoffnung auf eine Veränderung des Ministeriumsmochte aber auch dazu beigetragen haben, und vielleicht wm der Argwohn nichtganz grundlos, der nicht bloß die Thätigkeit der Hofpartei, die der Herzog vonCumberland leitete, sondern auch auswärtigen Einfluß fürchtete, und damit dieam 27. März erfolgte Ankunft des Fürsten Orloff in Verbindung brachte. Nacheinem harten Kampfe ward endlich am 14. April die zweite Lesung der Bill durcheine Mehrheit von 9 Stimmen entschieden, wogegen der Herzog von Wellingtonund mehre andere Mitglieder des Oberhauses eine feierliche Verwahrung einlegten.Aber die geheime Wirksamkeit der Toryopposi'tion und ihrer Verbündeten warnicht fruchtlos gewesen, und als die Mine geladen war, machte Lord Lyndhurst beiden Verhandlungen des Ausschusses am 7. Mai den Antrag, es solle zuerst überdie Frage, welche Städte das Wahlrecht erhalten sollten, und dann über dasSchicksal der Flecken, die zum Verluste der Wahlberechtigung verurtheilt waren,entschieden werden. Die Minister widersetzten sich diesem Antrage, der offenbar denZweck hatte, den Hauptgrundsatz der Bill, die Wahlentziehung, zu schwächen, deraber bei der Abstimmung mit 151 gegen 116 Stimmen angenommen wurde.Nach dieser Entscheidung war die Bill nicht länger in den Händen der Minister,sondern kam unter die Leitung ihrer erklärten Gegner. Graf Grey und seine Amts-genossen drangen nun auf die Ernennung neuer Mitglieder des Oberhauses, umsich die Mehrheit zu sichern, und als der König ihr Verlangen verweigerte, batensie um ihre Entlassung. Der Herzog von Wellington erhielt vom Könige denAuftrag, ein neues Ministerium zu bilden, das die Bedingung erfüllen könnte,eine ausgedehnte Parlamentsreform durchzusetzen. Das Haus der Gemeinenfaßte indeß auf den Antrag des Lords Ebrington am 10. Mai mit einer Mehrheitvon 80 Stimmen den Beschluß, den König zu bitten, in seinen Rath nur solcheMänner zu berufen, die entschlossen wären, die von dem Hause der Gemeinen an-genommene Bill in ihren wesentlichen Bestimmungen unverstümmelt durchzu-setzen. Dieser Schritt war um so entscheidender, da trotz dem Verbote der Re-gierung die kühne Thätigkeit der politischen Vereine, und besonders der vielver-zweigten Union zu Birmingham, zu gleicher Zeit der öffentlichen Meinung lauteWorte gab. Die Stimme des Volkes, kräftig und einmüthig ausgesprochen, mußtesiegen. Der Herzog von Wellington erklärte dem König sein Unvermögen, einMinisterium zu bilden, das die vorgeschriebene Bedingung erfüllen könnte. DerKönig knüpfte darauf mit dem Grafen Grey neue Unterhandlungen an, und am15. Mai waren die entlassenen Minister wieder im Amte. Die Verhandlungenüber die Reformbill wurden alsbald fortgesetzt. Der Unterstützung des Königs ge-wiß, und durch die Unterhandlungen mit der Gegenpartei vor entschiedenem Wider-stande gesichert, konnten die Minister die Hauptgrundsätze der Bill siegreich durch-führen, und waren nachgiebig in Nebenbestimmungen, die das Wesentliche derMaßregel nicht trafen. Am 4. Iun. wurde die dritte Lesung der Reformbill durcheine Mehrheit von 22 Stimmen im Oberhause entschieden, und am 7. desselbenMonats war sie nach des Königs Genehmigung das neue Gesetz des Landes. Baldnachher erhielten auch die neuen Wahlgesetze für Schottland und Irland die Bei-
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