England 791
stantische Nichtanhänger der Landeskirche gegeben waren, doch den allgemeinenGrundsah verkündeten, eine Abweichung von der herrschenden Kirche in Glaubens-> lehren oder in kirchlicher Gesellschaftsverfassung könne auf keine Weise zur Erlan-gung von öffentlichen Ämtern unfähig machen. Die nächste Folge dieses Siegesfreisinniger Ansichten war der Antrag, den Burdett am 8. Mai machte, daß dasHaus der G'meinen die den Katholiken in Großbritannien und Irland entgegenstehenden Gesetze in Erwägung ziehen möge, um durch versöhnende Ausgleichungden Frieden rnd die Kraft des Landes zu befestigen und den Bestand der protestan-tischen Kirche selbst zu sichern. Mit einer Mehrheit von sechs Stimmen ging derAntrag durch, ward aber am 10. Jun. im Oberhause durch das Übergewicht von44 Stimmen verworfen. Diese.r Niederlage ungeachtet, faßten die Freunde derEmancipation Hoffnung für die Zukunft, da Wellington seinem Widersprucheversöhnende Worte hinzufügte und den Wunsch einer friedlichen Lösung der schwie-rigen Frage aussprach. Was indeß in Irland vorbereitet wurde, mochte jene Hoff-nung noch mehr befestigen. Als in der Grafschaft Cläre die Wahl eines neuenRepräsentanten angeordnet wurde, trat der kühne Verfechter des katholischen In-teresse, derKatholik Daniel O'Co nnell (s.d.), wider den ministeriellen Mitbewer-ber auf und wurde im Anfang des Jul. mit überwiegender Stimmenmehrheitverfassungsmäßig gewählt. Wie wichtig dieser Sieg selbst den Machthaber« er-schien, verrieth einer der heftigsten Gegner der Emancipation, Peel's SchwagerDawson, der wenige Wochen nachher vor einer öffentlichen Versammlung inIrland erklärte, daß die Katholiken durch die Gewährung ihrer Ansprüche versöhntwerden müßten.
Während die Entscheidung dieser großen Frage heranrückte, sah sich dieRegierung durch die Stimme der öffentlichen Meinung genöthigt, auch in andernZweigen der Verwaltung die Grundsätze der verdrängten Machthaber nicht ganz zuverleugnen. Das von Huskisson befolgte Handelssystem wurde N'cht verändert,^ und bei den Parlamentsverhandlungen über die Getreidegesetze nahm Wellington,trotz seinem früheren Widerstande, Canning's Plan eines, nach Verhältnis der inEngland steigenden oder fallenden Kompresse zunehmenden oder abnehmenden Ein-fuhrzolles an, obgleich das neue Gefetz keine wirksame Erleichterung geben konnte,da der zum Schutze des britischen Landbaues verordnete hohe Zollansatz einem Ver-bote der Getreideeinfuhr gleich kam. Wie entfernt aber noch die Aussicht war, demverderbten Wahlsystem abzuhelfen, zeigte sich bei den Verhandlungen über das, denWahlstecken East Retford und Penryn wegen erwiesener Bestechungen zu ent-ziehende Stimmrecht. Die Verfechter der Parlamentsreform wollten das ver-wirkte Wahlrecht großen Städten geben, die noch keine Vertreter hatten, wie Bir-mingham und Manchester, die Aristokratie der Grundeigenthümer aber, und mitihr Peel gegen Huskisson, stimmte für die Übertragung desselben auf die nächstenLandbezirke, und ihr Einfluß war noch mächtig genug, den alten MisbräuchenSchutz zu geben. Nach dem Schlüsse des Parlaments rüsteten sich die Parteienzu dem bevorstehenden Kampfe über die Emancipation. Während der katholischeVerein in Irland immer entschlossener für die Erreichung seines Zweckes wirkte,erhoben sich auch die Katholiken in England. Wie in Irland, bildeten sich nunauch hier protestantische Vereine, um jede neue Rechtsgewährung zu bekämpfen.Im October versammelten sich auf der Pennendenheide in der Grafschaft Kentüber 60,000 Menschen, um die Frage zu besprechen, aber die Freunde der Eman-cipation wurden durch den Einfluß der Aristokratie noch einmal überstimmt. DerHerzog von Wellington hatte indeß die Gefahr erkannt, welche aus einem längernWiderstande gegen die Ansprüche der Katholiken in Irland entstehen mußte, undals es ihm gelungen war, den standhaften Gegner der Emancipation, seinen Amts-Mossen Peel, zur Änderung seiner Ansichten zu bewegen, wurde beschlossen, daß