Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
785
Einzelbild herunterladen
 

Emigrationsvereine

785

!'l>b 'i>

Weisung gibt, um sie gegen die Gefahr zu schützen, Gaunern in die Hände zu fal-len, oder aus Unbekanntschaft mit den örtlichen Verhältnissen ihre geringen Mitt>lzu vergeuden.

All diese Vorkehrungen, die Lage neuer Ansiedler in Amerika zu erleichtern,konnten nicht mehr genügen , als die Auswanderungen aus den britischen Inselnund aus Deutschland immer mehr zunahmen, weil dort, besonders in Irland, dieRoth hungernde und arbeitlose Scharen aus der dichtgedrängten Bevölkerung überdas Meer trieb, hier der Druck der Staatsbelaftungen und die entmutigendeAussicht in die Zukunft selbst den gesegneten Ländern am Rhein und am Neckarfleißige Hände raubten. In England, wo die Folgen einer verkehrten Armenpflegeimmer fühlbarer wurden, mußte man auf Mittel sinnen, die Auswanderung derArmen zu befördern, um die wachsende Armensteuer, die jährlich einen beträcht-lichen Theil des Volksvermögens verschlingt, allmalig zu vermindern, und währendüber diese Angelegenheit im Parlament verhandelt wurde, bildeten sich Vereine,um Ansiedelungen in den außereuropäischen Besitzungen der Briten, besonders inCanada, Neuholland und auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung, zu erleichtern.Man entwarf den Plan zu Aktiengesellschaften, welche Landereien ankaufen , dieKosten der ersten Ansiedelung bestreiten und ihre Auslagen in jahrlichen Zahlungenvon den Ansiedlern zurückerhalten sollten. Drei Jahre nach der Ansiedelung solltendie Zahlungen mit 10 Schillingen in Geld oder Landeserzeugnissen beginnen, undwenn die jährlich steigende Zahlung auf 4 Pf. Sterl. angewachsen wäre, Erzeug-nisse des Bodens nicht mehr angenommen werden. Einige dieser Entwürfe, wieder Plan des Schottländers Mac Gregor und der zur Anlegung von Ackerbau-colom'en in Colombia gestiftete Verein, schlugen fehl, nicht ohne bedeutenden Nach-theil der Unternehmer. Große Schwierigkeiten traten besonders dem Entwurf ent-gegen, Tagelöhner anzusiedeln, so wichtig bei der großen Anzahl unbeschäftigterHände unter dieser Volksclasse die Ausführung gewesen sein würde, und die Er-fahrung zeigte, daß d«ese Aufgabe nicht durch Privatbemühungen, sondern nurdurch wirksames Eingreifen der Regierung gelöst werden könnte. Ähnliche Um-stände gaben in Deutschland Auffoderung zu kräftiger Einschreitung. Schon1817 brachte der niederländische Gesandte von Gagern diese Angelegenheit in derBundesversammlung zur Sprache, jedoch ohne Erfolg. Mit einigen Gleich-gesinnten verbunden, schickte er seinen Stiefbruder von Fürstenwärther nach Nord-amerika, um den Zustand der deutschen Ausgewanderten kennen zu lernen undüber die Mittel zur Erleichterung künftiger Ansiedelungen Erkundigung einzu-ziehen. Als bei fortdauemdem Frieden die öffentlichen Lasten sich nicht verminder-ten und bei gehemmtem Verkehr die Verarmung in Deutschland immer mehr zu-nahm, wurden in mehren Gegenden die Entwürfe zu regelmäßiger Leitung derAuswanderungen wieder aufgenommen, selbst in Ländern, die seither bei allemDrucke der Zeit nur selten einzelne Auswanderer über das atlantische Meer geschickthatten. Man ging auch hier von der Ansicht aus, durch Actiengesellschaften Vor-kehrungen zur Anlegung von Ackerbaucolonien in den Vereinigten Staaten zutreffen, Ländereien anzukaufen und, nach dem Vorbilde der Colonisationen deralten Welt, die Verbindung der gestifteten Ansiedelungen mit dem Mutterlande zuunterhalten. Zu den neuesten Entwürfen gehört der Plan zur Errichtung einerdeutschen Colonisationsgesellschaft, den die Schrift:Die freie Auswanderungals Mittel zur Abhülfe der Noth im Vaterlande" (Dresden 1831), darlegt, undin Beziehung auf denselben der Vorschlag zur Gründung einer sächsischen Eolonieia-Nordamerika, dc-n die Schrift:Auch ein Wort über Auswanderung nachAmerika" (Dresden 1832), näher entwickelt. Besonders wird hier auch der Um-stand hervorgehoben, daß eine solche Stammcolonie von Ackerbauern später nichtuur die Hülflosen, der öffentlichen Wohlthätigkeit anheimgefallenen Bewohner desConv.-Lex. der neu-sten Zeit und Literatur, l. 50