774 Emancipation der Juden
Hauptstädte, in Berlin, völlig organisirt, und später auch in Dresden die Errich.rung einer auf diesen Zweck berechneten Anstalt ins Leben gerufen. Wenn man auchnicht die höhere Ansicht theilt, die der Fürst Hardenberg in dem schon früher ange-führten Schreiben an den Senat von Lübeck so unumwunden ausspricht, daß nur ^
durch die Wegräumung der bürgerlichen Ungleichheit den Juden der Übergang
zum Bessern „auf dem milden Wege der Überzeugung" möglich gemacht werde, bedeute^
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so kann man sich doch in der Praxis von den höchst unmoralischen und UN . Ychristlichen Wirkungen jener Bekehrungsanstalten überzeugen, die der from- ^men Absicht ihrer Stifter so wenig entsprechen. Wenn mit den heiligsten religiösen '^Ml aller deuÜberzeugungen Handel getrieben wird, so ist schwer zu entscheiden, wer die größere Mßvndene rSchuld trägt: der sie feilbietet, oder der sich zum Kaufe verlocken läßt? — 3) Eine ^andere Partei, absichtsvoll und sophistisch, verwirft mit rationalistische? Keckheit jedereligiöse Bedenklichkeit, und behauptet dagegen, indem sie die Frage als eine durch-aus politische betrachtet, daß die Juden alsFremde in den europäischen Staats-verband nicht aufgenommen werden könnten. So Peel in seiner Rede wider die ... .Grant'sche Bill, so Paulus in dem Sendschreiben, das er bei Gelegenheit derVerhandlungen der badischen Kammer im „Sophronizon" und auch unter dem Ti- ' m die unsrel: „Die jüdische Nationalabsonderung nach Ursprung, Folgen und Besserungs- Ä MMn nurMitteln" (Heidelberg 1831), bekannt machte. Abgesehen davon, daß große und Äatunnutz. Wennmächtige Staaten diese Fremdheit nicht mehr gelten lassen, so ist zweierlei dagegen «l niedrigem Zluszu erinnern; erstens, daß ein bürgerlich Fremder anderswo eine Heimath haben Hur die Versolgunmüsse, die Juden aber, als solche, nirgends einheimisch seien, und zweitens wird Hr Entartung Schgerade durch diesen Einwurf die Sache umgangen; die Juden fodern ein Recht, und ^ Hl sich dann v>man erwidert ihnen mit einem Zustande; dieser Austand der Fremdheit, in wel- Zuerst Aushebt!!chem sie sich allerdings gegenwartig befinden, soll ja eben aufgehoben werden und Geruhen; denn neinem zeitgemäßem weichen. Es ist eine den höhern Begriffen vom Staatsleben iß ^ sein Ernst mdurchaus zuwiderlaufende Idee, daß der Staat eine Classe von Unterthanen, die Dlreich vollendet usich seit Jahrhunderten seinen Gesetzen unterworfen, sein Glück und Unglück ge- DzsisH ^rheilt hat, als Fremde betrachtet und dadurch ein von ihm selbst gebilligtes bestän- ilmWhrM sM'diges Beispiel seiner eignen Desorganisation aufstellt, der Möglichkeit einer an- ^
dern Existenz als im Staate. Sowie es seine Pflicht ist, seine Bürger zum Ge-horsam gegen die Gesetze zu zwingen, so ist es seine heiligere Pflicht, diejenigen erich^.A^Unterthanen, die noch keiner Bürgerrechte genießen, zum Bürgerthume zu zwin-gen. Weil das Mittelalter seinem Princip gemäß die Juden haßte und mordete,eben darum muß die neuere Zeit sie emancipiren, wenn sie sich ebenso treu sein ,
will. Die Beschuldigung der politischen Fremdheit ist aber nun einmal gerade , ^re Ziuan der Tagsordnung, und da man in unserer Zeit nicht füglich mehr die Anklage ^ 'Halten. Agegen die Juden erheben kann, daß sie Christenkinder schlachten, die Brunnen ver- ^ "Wicher Hgiften, die Saracenen ins Land rufen, so sucht man in jenes eine feindselige ^ "WOil voWort alle mögliche Gehässigkeiten zusammenzudrängen. Die verblichenen Gespcn- . ^ H ^ ^
Auch hier
Indern, dieLrtl
ster aus Eisenmenger, Schudt, Chiarini werden ans helle Licht des TagS citirt,aufgeraffte Sätze, aus allem logischen und, was noch weit wichtiger ist, aus allemhistorischen Zusammenhange gerissen, sollen die öffentliche Meinung irre führen *), ^ ^ ^
das jüdische Cercmomalgesetz, das doch lediglich dem Gewissen des Einzelnen an-
heimgestellt werden muß, und so wenig wie das katholische der Entscheidung des ^
Staats anheimfallt, wird als unübersteigliche Schranke hingestellt. Dazu gesellen - H^der^ . lsich die Poetischen, die sich den heurigen Juden aus mittelalterlichen Sagen con-
*) Alle solche Anklagen sind vielfach widerlegt worden; es kommt aber wesentlich Hke^/^darauf an, daß sich die Wissenschaft des geschichtlichen Stoffes bemächtige, der als- "Urch
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dann, einem Jeden zugänglich, für sich selber zeugen wird. Wir verweisen in die- d,'?
ier Beziehung aiifZunz's „Geschichte der gottcsoienstlichen Vorträge bei den Juden e-.
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