Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
723
Einzelbild herunterladen
 

Dresden

723

M ÄMW

!

^ . ,B

,.l

SS^' ^.zl»

'--5-A

M Stadtrath zu beruhigenden Zugestandnissen aufzufodern, und so ward am 13.bekannt gemacht, daß die städtische Behörde des ihr zustehenden Vorrechts, überdie Verwaltung des Gemeindevermögens nicht Rechnung abzulegen, sich begebenund ihre Bereitwilligkeit erklärt habe, die jährliche Rechnung über Einnahme undAusgabe künstig den aus der Mitte der Bürgerschaft zu erwählenden Vertreternzur Prüfung und Anerkennung vorzulegen.

So war der erste Schritt zur Umwandlung der städtischen Einrichtungen gesche-hen, und eine gleichzeitige Bekanntmachung der Eommission, welche die Einführungeiner neuen Städteordnung ankündigte, verhieß eine zeitgemäße Veränderung derseitherigen Verfassungen, durch welche das Vertrauen zwischen den Stadtrathenund Bürgern hergestellt und befestigt werden könnte. Die Volksbewegung würdedurch solche Zusagen völlig beruhigt worden sein, wenn bloß örtliche Beschwerdendie Unzufriedenheit aufgeregt hätten; aber man erkannte, daß nur in Verbindungmit der Landesverfassung ein fester Rechtszustand begründet, nur eine Veränderungder seitherigen Verwaltungsgrundsätze volle Zuversicht geben könnte, und dieWortführer der Einwohnerschaft sprachen diese allgemeine Überzeugung aus, alssie in den, der königlichen Eommission seit dem 12. Sept. übergebencn Ge-suchen sich nicht auf örtliche Angelegenheiten beschränkten, sondern auch die allge-meinen Volksinteressen ins Auge faßten und umErledigung der Landesgebrechen"Wen. Für die Erfüllung solcher Erwartungen gaben die erlangten Zugeständnissenoch nicht die sichere Bürgschaft, die das Volk begehrte, und die allgemeine Stimmevereinigte sich in dem Wunsche, den Prinzen Friedrich auf dem Throne zu sehen. Am13. Sept. war die Aufregung so hoch gestiegen, daß ein stürmischer Ausbruch desVolkswunsches den Prinzen an die Spitze des Staats gerufen haben würde, wennnicht, ehe der Tag sich neigte, die bedenkliche Verwickelung mild wäre gelöst worden.Mildem lautesten Jubel ward in den Abendstunden die Botschaft vernommen, daßder König den Prinzen zum Mitregenten ernannt habe. Am folgenden Tage zogder König, von Pillnitz kommend, mit seinem Bruder und dem Prinzen Friedrichin einem Wagen durch die Reihen der bewaffneten Bürger und empfing denlauten Dank für die neue Hoffnung, die er dem Volke gegeben. Es war einTag freudiger Erregung, wie ihn Dresden lange nicht gesehen hatte, und in die-ser Stimmung gedachten manche unter den bewaffneten Bürgern in den festlichenAbendstund.n teilnehmend des schweren Misgeschicks, das dem B.satzungsregi-menl widerfahren war. Seitdem wurden die Beurlaubten, welche dem in andere> Städte verlegren Regiment folgt «, oft von Bürgern geleitet, um sie gegen jedeBeleidigung zu schützen, und sie, wie die durchziehenden Beurlaubten andererRegimenter, in den Wachstuben der Stadtwehr bewirthet. Als nun auchdurch die Eröffnung der Sitzungen der erwählten Vorsprecher der Bürgerschaft, durchmehre Antworten auf die von den Bewohnern der Stadt übergebenen BeschwerdenAd durch die bestimmte Zusage einer neuen Gestaltung der bisherigen Regierungs-i°rm das Vertrauen sich befestigt hatte, rückte am 23. Sept. ein Infanterieregi-ment, von der in ihrer Ausbildung schnell vorgeschrittenen Bürgergarde feierlich^psangen, in die Stadt, um gemeinschaftlich mit jenerden Wachdienst zu versehen,während die Stadtwehr eifrig für die öffentliche Sicherheit und Ordnung wachte^und die neu eingerichtete, mit Theilnahme erwählter Bürger wirkende Behörde die,-Geschäfte des am 9. Sept thatsachlich aufgelösten Polizeiamtes verwaltete, be-merkte man noch manche Spuren einer aus ungeduldiger oder vielleicht auch aus-ch'veifender Erwartung hervorgegangenen Aufregung, die für fremde Aufreizungenss'cht empfänglich machen konnte. Am Abend des 4. Oct. entstand ein wilderchfruhr in den Straßen der Altstadt, dessen sichtbare Urheber meist arbeitlose Ge-^ und Handwerksbursche waren, deren Einwanderung und Aufenthalt dasThören polizeilicher Wachsamkeit begünstigt hatte, wiewol das Gerücht, das aus

46*