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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
722
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722 Dresden

Vor den Steinwürfök des wüthenden Haufens zogen sich endlich gegen zwei Uhrdie Soldaten nach der Elbbrücke und nach dem Zwinger zurück, worauf die Bürger- >garde die Hauptwache besetzte. Im Polizeihaufe, wo die Frevler die Steinkohlen-vorrathe angezündet hatten, griff der Brand in den Morgenstunden um sich undkonnte nur mit großer Anstrengung von den Nachbarhausern abgewendet werden.Die Anstifter der Verheerung hatten sich in der Nacht zurückgezogen und wurdenseit Tagesanbruch von Menschen aus den Niedern Volksclafsen ersetzt, die das Werkder Plünderung und Zerstörung ungehindert vollendeten. Der Wachposten amWilsdruffer Platze ward indeß in den Frühftunden von einem Pöbelhaufen ange-griffen und mit Steinwürfen vertrieben, wahrend die Wache am pirnaischen Platzeauf erhaltenen Befehl sich in der Stille zurückzog. Die ganze Abtheilung der leichtenInfanterie verließ darauf die Stadt, und die Bürgergarde besetzte alle Posten.

Noch tobte der Aufruhr, als in den Frühstunden des 10. Sept. vieleachtbare Bürger auf dem Rathhause sich versammelten, um dem Stadtrath als diedringendste Maßregel zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe eine allgemeineBewaffnung vorzuschlagen, und ehe noch die Auffoderung ergangen war, wurdenbereits von einzelnen Bewohnern Unterzeichnungen zur Bildung von Compagniengesammelt. Der König hatte indeß eine zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe ver-ordnete Commissi'on unter dem Vorsitze des Prinzen Friedrich niedergesetzt, welchedurch die Abgeordneten des Stadtraths und der Bürgerschaft in dem Entschlüssebestärkt wurde, die Kriegsmacht bei der herrschenden Aufregung der Gemüther nichtzum Dienste der öffentlichen Sicherheit zu gebrauche», sondern nur Abtheilungenderselben für unerwartete Falle in der Nahe der Stadt aufzustellen, die Bewachungdes Innern aber ganzlich den Einwohnern zu überlassen. Noch in den Vormit-tagsstunden erfolgte der Aufruf, der das Vertrauen des Königs auf die oft bewahrteTreue und Liebe der Bürger und Einwohner aussprach, und sie auffoderte, sich zurHerstellung der Ruhe zu bewaffnen. Mit freudiger Bereitwilligkeit eilten Manner undJünglinge in das Zeughaus, um Gewehre zu empfangen, und als sie sich in Scharengeordnet, Offiziere und Unteroffiziere gewählt hatten, sammelten sie sich auf demMarkte, wo in den ersten Nachmittagsstunden gegen 2000 Mann unter den Waffenstanden, die den Prinzen Friedrich, der mit der weißenArmbinde in ihrer Mitte erschien,mir Jubelruf begrüßten. Darauf zog eine Abtheilung von Freiwilligen nach demPolizeihause, um den plündernden Haufen zu vertreiben, der bis zu diesem Augenblickeungestört seine Frevel geübt hatte. Alle wurden verhaftet und am folgenden Tage aufdie Festung Königstein gebracht. Die Communalgarde besetzte in Verbindung mitder bestehenden Bürgergarde die Wachen und die äußern Zugänge der Stadt, umbesorgte Angriffe von Außen abzuwehren. Am Abend war die Ruhe äußerlich her-gestellt, doch die tiefe Aufregung der Gemüther noch nicht gestillt. Daß nach diesemSturme das Alte, das solche Früchte getragen, nicht bleiben konnte, daß ein neuerRechtszustand gegründet werden mußte, um vor ähnlichen Erschütterungen zu be-wahren, war ein allgemeines Gefühl. Beruhigend wirkte eine Bekanntmachungder königlichen Commissi'on am 11. Sept., welche die von den Stadtbewoh-nern zur Herstellung der Ruhe geleisteten Dienste laut anerkannte und alle auf dieöffentlichen städtischen Angelegenheiten sich beziehenden Wünsche und Anträge an-zunehmen und zu erörtern versprach. Am folgenden Tage versammelten sich in derAltstadt zahlreiche Bürger und Einwohner, um sich über die, für die allgemeineWohlfahrt auszusprechenden Wünsche zu berathen, und wählten sieben Vorsprecherund Vertreter, welche bei den vielfach streitenden Interessen, besonders der gewerb-lichen Bürgerclasse, das Gemeinsame festhalten und die Gerechtsame derGesammt-heit wahren sollten. Eine ähnliche Versammlung veranstalteten die Bürger in derNeustadt. Die bei diesen Berathungen laut ausgesprochenen Wünsche für d"Umwandlung der stadtischen Verfassung vermochten die königliche Comnusston,