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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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691
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Diplomatie 691

auf die unwandelbaren Aussprüche einer von der menschlichen Willkür unabhängi-gen Gerechtigkeit beruft, mit der alten Frage entgegenkommt: Bist du es, dieIsrael verwirret? Dieser Unwissenschaftlichkeit der Diplomatie ist es zuzuschrei-ben, daß sie sich so oft mit Einrichtungen des Völkerrechts begnügt, welche nur fürden Augenblick die Machthabenden befriedigen, und die aus allerlei zufalligen Ver-bindungen und zum Theil persönlichen Rücksichten entspringenden Verwickelungenöfters mehr verdecken als lösen, anstatt nach einem allgemeinen Princkp des Rechtsund der natürlichen Ordnung naturgemäße und also auch dauerhafte Verhaltnisseherzustellen. Daher war schon 1803 die Ausführung der Säkularisationen undEntschädigungen der weltlichen Souveraine durch die kirchlichen Besitzungen sogroßen Einwürfen ausgesetzt; daher erregten 1806 die ohne irgend ein festes Prin-cip und nach bloßen zufalligen Convenienzen vorgenommenen Mediatisirungen deut-scher Fürstenhauser so große und allgemeine Unzufriedenheit. Daher haben auchdie Verhandlungen des wiener Congresses in so vielenPunkten ihrenZweck, mittelseiner angemessenen Vertheilung der Macht (das alte, völlig unhaltbare System desGleichgewichts) und in einer gemeinschaftlichen Bekämpfung aller gewaltsamenNeuerungen Europa den Frieden zu sichern, diesen an sich erhabenen Zweck, fürwelchen damals Alle oder doch sehr Viele mit reinem Eifer wirkten, so wenig zu er-reichen vermocht. Nur mit außerordentlicher Anstrengung und mit großer Nach-giebigkeit in den Principien, indem bald England das von ihm bestrittene Rechtder Intervention dennoch ausüben ließ und selbst ausübte, bald die andern MachteUsurpationen gestatteten, konnte der allgemeine Friede bis jetzt erhalten werden,aber ein Friede, welcher nur eine mühsame Zurückhaltung des Kriegs ist. Aller-dmgs muß man auch dafür dankbar sein, denn Niemand weiß, welche Verheerun-gen ein neuer Krieg über die Lander bringen, wie weit er die europäische Culturzurückwerfen werde, und die große Thatigkeit, wodurch die europäische Diplomatiediese Gefahr bis jetzt vermieden hat, ist also jedenfalls ein nicht kleines Verdienst.Die Diplomatie befindet sich gleichsam in einer Permanenz der Congresse, dennobgleich seit 1822 die Monarchen nicht mehr persönlich zusammengekommen sind,so ist doch seitdem wol kein Zeitabschnitt zu finden, in welchem nicht eine oder mehreder großen europäischen Angelegenheiten, das Schicksal Griechenlands und derPforte, der südamerikanischen Colonien, Portugals, Belgiens und Italiens, ingemeinschaftlichen Conferenzen der fünf leitenden Machte behandelt worden wären.Dieses Zusammentreten Englands, Frankreichs, Ostreichs, Preußens und Ruß-lands ist die bedeutendste Eigentümlichkeit der neuern Diplomatie, welche durchein stillschweigendes Anerkennen der übrigen Staaten schon beinahe für ein fest-stehendes Princip des europäischen Völkerrechts gehalten werden könnte, sosehrauch bis vor einigen Jahren England dagegen protestirte, daß in diesem Zusam-menwirken der fünf Machte oder einiger von ihnen irgend ein Anspruch auf Di-ktion gegen andere Staaten liegen dürfe. Es laßt sich eine solche dirigirendeAutorität gar nicht von dem Zwecke, der Erhaltung des Friedens, absondern, wel-chen die fünf Mächte bei diesem Ausammenwirken vor Augen haben, und die lon-doner Conferenz erscheint gegen Holland und Belgien doch ganz auf dem Stand-punkt eines Völkertribunals, sie kann auch nur von einem solchen Standpunkt> ^us ihren Zweck erreichen, wenn auch einestheils die förmliche Zueignung einerlolchen Autorität vermieden wird, anderntheils auch die verbündeten Mächtenicht in allen Fallen und Beziehungen gemeinschaftlich handeln. Denn so ist Eng-! i^nd früher von den neapolitanischen und spanischen Angelegenheiren zurückgetre-^n, so haben sich Ostreich und Preußen von den griechischen zurückgezogen, undstu dem August 1826 diesen Gegenstand der Vermittlung Rußlands, Eng-Ms und Frankreichs allein überlassen; so haben zwar in der Sache Hollands undBelgiens die fünf Mächte bis jetzt noch sämmtlich Theil genommen, allein wenn

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