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Erster Band (1832) A bis E
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Diplomatie

es auf Zwangsmaßregeln gegen Holland ankommen sollte, scheinen Ostreich,Preußen und Rußland schlechthin entschieden, selbst keine Gewalt zu brauchen, undsehr geneigt, die Anwendung derselben auch Frankreich nicht zu gestatten, sodaßauch nach einer definitiven Entscheidung die wirkliche Beendigung noch sehr weit-aussehend bleibt. Daher ist auch die Verbindung der fünf Machte selbst immernoch nicht als ein fester Punkt des europäischen Völkerrechts zu betrachten, sondernnur ein Anfang, welchem eine weitere Ausbildung und Befestigung sehr zu wün-schen wäre. Diese weitere Ausbildung kann aber nur alsdann erwartet werden,wenn die Diplomatie einen höhern und wissenschaftlichem Charakter annimmt,oder, mit andern Worten, sich den höhern Idealen des menschlichen Geistes zu-wendet. Nur auf diese Weise wird es ihr möglich werden, die beiden Klippen zuvermeiden, an welchen bisher ihre meisten Bemühungen scheiterten: die halbenMaßregeln, in welche sie sich verwickelt, und das nutzlose Kämpfen gegen einenFeind, welcher entweder gar nicht vorhanden ist, oder, wenn er dies ist, nicht mitden Waffen, welche die Diplomatie gegen ihn aufbietet, bekämpft werden kann.Halbe Maßregeln müssen immer entstehen, wenn man nicht von dem klaren Be-wußtsein eines letzten Zwecks ausgehen kann, welchem alle besondern Interessenweichen müssen, und wenn die Wahl der Mittel nicht durch den Zweck allein, son-dern durch andere zufällige Nebenumstände bestimmt wird. Der Feind aber, wel-chen die neuere Diplomatie zu bekämpfen hat, sind die Versuche der Völker, ihrenjetzigen Zustand zu verändern. Hierbei sind aber nur zwei Fälle möglich: entwedersind die Beschwerden der Völker wirklich gegründet, dann wäre eigentlich gar keinwahrer Feind vorhanden, und sowol die Pflicht als die Klugheit würde gebieten,den Beschwerden abzuhelfen, oder es sind nur grundlose Klagen, welche von ein-zelnen Volksverführern vorgebracht und von den Völkern aus Unverstand aufgefaßtwerden, unter dieser Voraussetzung ist aber die einzige wirksame Waffe die derbessern Belehrung. Ob nun von den Wünschen und Beschwerden der Völker et-was und wie viel davon gegründet sei, ist eine Frage, deren richtige Entscheidungauch wieder nicht allein eine sorgfältige und völlig parteilose factische Untersuchung,sondern auch eine gründliche Einsicht in die menschliche Natur und in das Wesender Gerechtigkeit erfodert. Zwar wissen wir Alle, daß es nicht immer, ja eigentlichnie, möglich ist, einen idealen Zustand auf einmal in die wirkliche Welt einzufüh-ren; aber dies ist es auch nicht, was von der andern Seite verlangt wird. Viel-mehr würde es genügen, wenn nur das Rechte als solches anerkannt und die An-näherung an dasselbe zur Richtschnur des öffentlichen Handelns genommen würde.Der wissenschaftlichere Charakter der Diplomatie ist daher der einzige Weg, aufwelchem sie ihren hohen Beruf der Versöhnung und wahrhaften Beruhigung er-füllen kann. Ein unbefangener Blick in die Weltgeschichte lehrt schon, daß dieMenschheit zuletzt immer von geistigen Kräften beherrscht und geleitet worden ist,welche in sich selbst ihr läuterndes und reinigendes Princip finden, und den Irr-thum am sichersten vermeiden, wenn sie in ihrem freien Spiele gegen einandernicht gestört werden. Aber mit bloßer Gewalt ist nichts gegen sie auszurichten,weil sie durch den Widerstand gereizt und geübt, nur zu größerer Stärke undSpannung gelangen, eine Ausrottung hingegen zwar an sich möglich wäre, aberdoch von keiner Seite gewünscht oder unternommen werden könnte. Mehrmalsschien eine Erhebung der europäischen Diplomatie auf diesen wissenschaftlichemStandpunkt nahe zu sein, vorzüglich in einigen Momenten des Kaisers Alexanderund zuletzt durch den unvergeßlichen Canning, dessen Wort:Vernünftige Frei-heit über die ganze Welt!" noch lange nachhallen wird. Allerdings sind dieSchwierigkeiten hierbei von allen Seiten sehr groß, aber nicht unüberwindlich, undes braucht sich nur auf einem einflußreichen Punkt eine solche Tendenz zu erheben,um große Wirkung hervorzubringen. Sollen wir nun noch von den Hülfsmit-

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