Dampfbader 561
bäder auf den gesummten Organismus sich erstrecke und keinen Theil desselben ohneEinwirkung lasse. Sie entziehen dem Körper dadurch einen Theil seiner Stoffe,daß sie diejenigen Theile desselben, welche dazu bestimmt sind, das für die Existenzdesselben unbrauchbar Gebliebene oder Gewordene zu entfernen, in ihren Functio-nen beschleunigen, wodurch direct allerdings schwächend eingewirkt wird; hierbeiist nicht zu übersehen, daß auch das lymphatische System, welches zur Aussau-gung im menschlichen Körper bestimmt ist, zu vermehrter Thätigkeit angesporntwird. Diese beiden Hauptwirkungen sind es nun, welche am hausigsten zur Hei-lung von materiellen Krankheiten von den Ärzten durch den Gebrauch innererMittel bezweckt werden, und so sehen wir denn, daß der Nutzen der Dampf-bader sich auf das Heilgesetz zurückführen laßt: materielle Krankheiten durch ver-mehrte Thätigkeit der ab- und aussondernden Organe zu beseirigen, welche andereheilsame secundaire Wirkungen auf den Organismus zur Folge haben. Was hiergesagt worden ist, bestätigt sich auf das Vollkommenste in der Erfahrung, dennrussische Dampfbäder sind von großem Nutzen in der Behandlung der meistenAyskrasien, d. h. in Krankheiten, welche durch eine krankhafte Mischung desBlutes und aller aus dem Blut abgesonderten oder für die Blutbereitung be-stimmten Säfte entstehen. Hierher rechnet man Gicht, eingewurzelte Rheuma-tismen, Skropheln, selbst Venerie und Krätze, endlich Metallvergiftungen durchBlei, Mercur u. s. w. Diese Krankheiten können denn nun, je nachdem sie deneinen oder den andern Theil des Körpers befallen, die scheinbar verschiedenstenKrankheitsformen hervorrufen, und hierin liegt die Erklärung der großen Wirk-samkeit der Dampfbäder in so vielen scheinbar sehr verschiedenen Krankheiten derlangwierigsten und peinlichsten Art. Daher denn der Eine rühmt, im Dampf-bads von Geschwüren und einem langwierigen Ausschlage geheilt worden zu sein,wahrend der Andere hier sehr bald ein Hüftweh los ward, gegen welches er bisdahin umsonst Vieles gebraucht hatte; der Dritte endlich das in Rede ste-hende Mittel gegen eine Knochengeschwulst lobt, welche durch heftige Schmerzendie Nächte schlaflos machte und ihm das Leben verbitterte. Außerdem werden aber,im Allgemeinen betrachtet, sehr oft die Dampfbäder mit Glück angewendet gegenHautkrankheiten aller Art, gegen Leiden der Athmungswerkzeuge, vorzüglich gegenlangwierige Katarrhe, Schnupfen und Stockschnupfen, gegen katarrhalische An-ginen oder den sogenannten bösen Hals, gegen heftige katarrhalische Heiserkeit.Vorsicht, und zwar große Vorsicht, ersodern die russischen Dampfbäder bei Krank-heiten der Luftröhre und der Lungen. Herrliche Wirkungen sehen oft Drüsenkrankevon dem in Rede stehenden Mittel, vorzüglich solche, bei denen die Drüsen amHalse, im Nacken, in den Weichen, in den Brüsten, selbst an den Augenlidernangeschwollen sind; aber alle diese Kranke dürfen für eine Entzündung dieserkranken Organe, es sei eine sogenannte acute oder chronische, nichts zu fürchtenhaben, sonst werden sie ihre Leiden hierdurch nur vermehren. Selbst Hoden-anschwellungen sind nicht selten durch Dampfbäder schnell und radical geheilt wor-den. Hypochondrische und hysterische Beschwerden, die durch Unthatigkeit der Hautund durch Verstimmung des Nervensystems hervorgebracht worden sind, werdenin den Dampfbadern nicht selten erleichtert, bisweilen radical gehoben, und ein-zelne Fälle sind vorgekommen, wo Krampfßranke, selbst Epileptische, in dem Ge-brauche dieses Mittels die sehnlich erwartete Hülfe fanden. Nur mit großer Vor-sicht ist der Gebrauch der Dampfbäder bei Krankheiten der Sinnesorgane, vor-züglich der Augen, der Ohren u. s. w., zu gestatten. Vielen Schaden stiften dieDampfbäder nicht selten, wenn sie von Gesunden zum diätetischen Gebrauch an-gewendet werden. Hiervor muß und wird jeder Arzt warnen! Öl hieße es aberin das Feuer der Krankheit gießen, wollte man Dampfbader bei örtlichen, acutenoder chronischen Entzündungen oder bei allgemeiner entzündlicher Anlage anwen-Conv,-?ex. der neuesten Zeit und Literatur. I. sW