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vor den Mund nehmen. Andere ziehen es vor, von Zeit zu Zeit kaltes Wasser sichauf den Kopf gießen zu lassen, was mittels einer an der Decke angebrachten Ver-richtung einer Handbrause, aus welcher das Wasser in Form von Staubregen odereines dicken Strals auf den Körper herabfallt, zu geschehen pflegt. Die Dauereines solchen Bades ist sehr verschieden, von einer halben Viertelstunde bis zu einerStunde. Hat der Badende die von dem Arzte oder von seiner Empfindung be-stimmte Zeit in dem Schwitzbads zugebracht, so verlaßt er es nicht schnell, sonderner nimmt den Temperaturwechsel insofern langsam vor, als er von den oberstenden heißesten Stufen, auf die Niedern, wo eine geringere Hitze ist, herabsteigt undsich sodann in das Ruhezimmer begibt. Hier angelangt, schnell abgetrocknet undmit einem warmen Bademantel oder mit Tüchern umhüllt, nimmt der aus demSchwitzbade Zurückgekommene etwas warmes Getränk, z. B. eine Tasse Bouillonoder Thee zu sich, und legt sich auf das mit wollenen Decken versehene Ruhebette,um die noch immer fortdauernde oder manchmal von Neuem wieder hervorbrechendestarke Transspiration abzuwarten. Ist dies geschehen, so kleidet sich der Badendenach und nach an, begibt sich hierauf in das Versammlungszimmer und, nach ei-nem kurzen Aufenthalte daselbst eilt er, gehörig bekleidet, nach Hause, um hier zuvölliger Ruhe zu gelangen.
Die zunächst sich aufdringende Frage: Wie wirken die russischen Dampfbäderauf den Körper ein, und gegen welche Krankheiten ist der Gebrauch derselben heil-sam, gegen welche wirkt er schädlich? findet in folgenden Betrachtungen ihre,Ärzten und Laien hoffentlich ganz verständliche, Antwort: Die Dämpfe, denen sichder Badende beim Eintritt in das geschilderte Badezimmer aussetzt, wirken zu-nächst auf die äußere und innere Haut, oder die Schleimhaut, welche als eine Fort-setzung der äußern Haut, die Nase, den Mund, die Luftwege auskleidet; von hieraus pflanzt sich die Einwirkung auf andere Gebilde des Körpers fort, vorzüglichauf diejenigen Organe, welche zur Blutbewegung und zum Athemholen dienen.Der Badende, welcher schon beim Auskleiden in der Wärme von einigen 20'Reaumur im Vorzimmer eine gewisse wohlthuende Wärme über den Körper em-pfand, fühlt sich beim Betreten der eigentlichen Vadestube, dcrenWärme in ihren mitt-lem Räumen immer mehre 30° R. hat und die Blutwärme sonach um ein Bedeu-tendes übersteigt, etwas beklommen; er holt tiefer und schneller als gewöhnlich Athem,fühlt sein Herz und seine Pulse vorzüglich am Halse heftiger und schneller schlagen.Das dauert aber gewöhnlich nicht lange; denn da nun sehr bald die Haut durch dieDämpfe, aus denen sich Wasser niederschlägt und am Körper hängen bleibt, naßund ihres Krampfs beraubt wird, da die Schleimhaut der Luftwege sich bald anden hohen Wärmegrad gewöhnt, so verbreitet sich sehr bald ein angenehmes Ge-fühl über die ganze Oberfläche des Körpers und das Athmen wird freier und lang-samer. Es geschieht nicht selten, daß bei Manchem im Anfange das Blut sichstark nach dem Kopfe drängt, wodurch gewöhnlich eine große Eingenommenheitund Schwere in demselben fühlbar wird; jedoch verschwinden auch diese meistensvon selbst, oder werden durch die dann anzuwendenden Begießungen von kaltemWasser, oder durch die kalten Umschläge, die veranstaltet werden müssen, schnell ge-hoben. Die ganze Haut schwillt hierauf an und wird roth; das durch den hohenWärmegrad offenbar erhitzte und ausgedehnte Blut dringt mit erhöhter Tätig-keit in allen Organen durch die großen und kleinen Gefäße, und somit ist die Be-dingung gegeben zu einer vermehrten Thätigkeit der Functionen aller Theile desKörpers. Diese werden nun, je nachdem sie unnütz gewordene Stoffe z. B. durchden Schweiß, Urin, Stuhlgang absondern, oder nöthig werdende, als Ruhe, Ge-tränk, Speise u. s. w. aufnehmen, oder, je nachdem sie diesen beiden wichtigenVerrichtungen gleichzeitig vorstehen, qualitative und quantitative Veränderungenerleiden, und so muß man annehmen, daß die Einwirkung der russischen Dampf-