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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
559
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Dampfbäder

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schriftenmeister ernannt worden, folgte Ludwig XVIII. nach Gent und wurde zumLohne Pair von Frankreich. Nach der Juliusrevolution legte er die Pairswürdenieder. ^ (1^)

Dampfbad er. Es ist eine ausgemachte Thatsache, daß in den griechi-schen und römischen Badern nicht bloß Vorrichtungen zu kalten, lauen und heißenWasserbädern vorhanden waren, sondern daß sich in denselben auch Vorrichtungenzu Schwitzbadern befanden. Es ist daher nichts weniger als richtig, wenn manglaubt, der Name: russische Dampfbader, beziehe sich auf die Erfindungderselben durch die Russen; es bezeichnet dieser Name nur die russische Art undWeise ihrer Bereitung und ihres Gebrauchs. Erst nach den Jahren 1813 und1815, nach dem russischen Feldzuge in Deutschland, wurde der Gebrauch derDampfbäder bei uns allgemeiner, nachdem er vorher als gefahrlich und der Naturder Deutschen nicht zusagend, von Ärzten und Laien angesehen worden war, zudenen durch Reisebeschreibungen und durch Reisende einzelne Nachrichten über die-selben gelangt waren. Russische Krieger, an den Gebrauch der Dampfbäder vonJugend auf gewöhnt, richteten sich nicht selten während des Feldzugs von 181315 deutsche Bauernstuben mit ihren Kachelöfen zu Dampfbädern ein, und sehrbald baute man in den in Deutschland befindlichen russischen Hospitälern Dampf-bader, wodurch es geschah, daß unsere Landsleute den Nutzen derselben gegen man-cherlei Beschwerden bald und gründlich erkannten. Nichtsdestoweniger entstandunter der Ägide des geheimen Obersteuerraths Pochhammer in Berlin das ersteDampfbad daselbst nicht eher als 1818. Seit jener Zeit hat sich der Gebrauch derrussischen Dampfbäder über ganz Deutschland verbreitet, und es gibt z. B. in Sach-sen nur noch wenige Provinzialstädte, welche diese Vorrichtungen nicht hätten; selbstin mehren Badeorten, z. B. in Marienbad, Muskau u. m. a. bestehen jetzt Einrich-tungen zu Dampfbädern. Diese wendet man fast überall unter zweierlei Formenan, in der Form russischer Dampfbäder und in der Form von Dampfbädern in ver-schlossenen Wannen oder Schwitzkasten.

Die Art und Weise, sogenannte russische Dampfbäder zu bereiten, istsehr verschieden, jedoch geschieht dies meistens so, daß auf einem eisernen Rostegroße Steine durch Feuer bis zum Glühen erhitzt, und dann von Zeit zu Zeit mitWasser begossen werden, wodurch sich Wasserdämpfe entwickeln. In manchenAnstalten bereitet man dieselben in Kesseln, die hierzu eigenthümlich construirk sind.Die entwickelten Wasserdampfe strömen durch eigne Vorrichtungen in die gewöhn-lich von Holz gebaute Badestube, welche die Gestalt eines größern oder kleinernVierecks hat; hierin befinden sich terrassenförmige, über einander gestellte Bänke,welche den Badenden zum Sitz oder wol auch zum Lager dienen, und die, je nach-dem sie höher oder tiefer stehen, auf den Badenden eine größere oder geringere Ein-wirkung machen. Die terrassenförmigen Bänke sind so angebracht, daß die Öff-nung des Ofens sich zur Seite befindet, ihre Zahl beläuft sich aus sechs bis acht;die untersten sind gewöhnlich nur zum Hinaufsteigen auf die obern bestimmt, jedochkann sich der Badende auf dieselben legen; die obersten dienen gewöhnlich nur zumSitzen. In gut eingerichteten Anstalten dieser Art findet sich außer dem Versamm-lungszimmer eine Vorstube, welche gewöhnlich eine Temperatur über 20° Rcau-mur hat. In dieser entkleidet sich der Badende, hüllt sich sodann in einen Bade-mantel und begibt sich von da in das eigentliche Badezimmer. Um allmälig derEinwirkung der großen Hitze sich auszusetzen, verweilt der Badende anfänglich aufden untern Stufen der terrassenförmigen Bänke, und geht dann langsam zur Höheempor, wo ihn der höchste Hitzegrad erwartet. Man beginnt gewöhnlich mitDämpfen, die nicht über 36° Neaumur haben und zu 40° R. steigen, undgeht später bis zu 45° R. und darüber. Individuen, die leicht erhitzt werden, müs-sen bisweilen in kaltes Wasser getauchte Tücher auf dem Kopfe tragen oder solche