Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
558
Einzelbild herunterladen
 

558 Dambray

fem kriegerisches Talent an den Tag zu legen. Im folgenden Jahre ersetzte er alzKriegsminister den Herzog von Belluno, fügte sich aber nicht immer den WünschenVillele's und wollte sich besonders nicht entschließen, die Pensionirung vieler Generalezu unterzeichnen, deren Einfluß auf das Heer man fürchtete. Da ihm jedoch derHofsehr zugethan war, so setzte man ihn nicht ab, sondern gab ihm nach Verdrängung Cha-teaubriand's das Portefeuille des Auswärtigen, während Clermont-Tonnere Kriegs-minister ward. Villele leitete übrigens die hauptsächlichen diplomatischen Geschäfteselber. Als Martignac Minister wurde und Ferronays das Portefeuille des Aus-wärtigen erhielt, wollte Karl X. D. nicht aus seiner Nähe entfernen und mackteihn zum Erzieher des Herzogs von Bordeaux. Der Unterricht wurde in jesuitischemSinne geleitet. Die Lehrer, welche in ihren Schriften sich nur einigermaßen zu dmfreisinnigen Ideen hinneigten, wurden entlassen. D. war zugleich Mitglied derCamarilla, auf deren Rath Polignac an die Spitze der Verwaltung berufen ward.Seit zwei Jahren leitet nunmehr D. die Erziehung des Herzogs von Bordeaux zuHolyrood in gleichem Sinne wie früher zu Paris. (15)

Dambray (Charles), Kanzler Frankreichs und Präsident der Pairs-kammer zur Zeit der Restauration. In der Normandie 1760 geboren, erhielter durch den Einfluß seiner Familie, welche richterliche Ämter bekleidete, sehrfrühzeitig bedeutende Anstellungen in der Magistratur. Schon in seinem zwan-zigsten Jahre ersetzte er Seguier als Generaladvokat beim pariser Parlemente.Beim Beginn seiner Laufbahn hatte er den jungen Herault de Sechelles zumMitbewerber, der nachher zu den eifrigsten Anhängern der Revolution gehörte, wieD. zu ihren heftigen Gegnern; es heißt sogar, die extremen Ansichten der beioenPolitiker seien zum Theil durch ihre Rivalität begründet worden. In dem berühm-ten Kornmann'schen Processe fand D. die erste Gelegenheit, sein Rednertalent undseinen Eifer gegen die neuen Ideen an den Tag zu legen. Als die Revolution aus-brach, war er einer der Ersten, welche Frankreich verließen. Im Begriff über dieGrenze zu gehen, ward er von Ludwig XVI. zum Minister ernannt, allein die Fluchtdes Königs und dessen Verhaftung zu Varennes beschleunigte den Erfolg der Re-volution. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland lebte D. einsam und unange-fochten auf seinen Gütern in der Normandie. Unter dem Kaiser konnte er, so großeErgebenheit er auch zeigte, gleichwol keine höhere Stufe erreichen als die eines Mit-gliedes des Generalconseils im Seinedepartement. Napoleon soll ihn deshalb nichtbefördert haben, weil er ihn und seinen Schwiegervater, Herrn von Barentin, alsAgenten der Bourbons ansah. Diese Muthmaßung des Kaisers erscheint um sogegründeter, als Beide nach der Restauration mit Gunstbezeigungen überhäuftwurden; Barentin ward Ehrenkanzler, D. Kanzler von Frankreich. Zugleicherhielt er die Leitung des Büchcrwesens und die Oberaufsicht über die Jour-nale, und kurz darauf machte ihn Ludwig XVIII. zum Justizminister, Pair undCommandeur des Heiligengeistordens. D. war es, welcher dem Könige riech, feine19 im Exil verlebten Jahre als ebenso viele Regierungsjahre anzurechnen, und der-selbe soll zuerst auf den Gedanken gerathen sein, den Verkauf der Emigrirtengüterzu annulliren. Am 11. März 1815 benachrichtigte er die Pairskammer von Na-poleons Rückkehr aus Elba, und nach Ludwigs XVIII. Abreise begab er sich in dieNormandie, am 4. Mai über Dieppe nach England, und von da nach Gent. Beider zweiten Restauration wollte die Regierung dem unvolksthümlichen D. das Ju-stizministerium nicht mehr anvertrauen und gab es an Pasquier; die Leitung desBücherwesens und die Oberaufsicht über die Journale kamen an die Polizei, dochblieb er Präsident der Pairskammer. Als solcher leitete er die Debatten beimProcesse des Marschalls Ney. Im Anfange des Jahres 1816 wurde er nochmalsJustizminister, und in demselben Jahre Mitglied der Vcademie des inscriptions.Er starb 1829. Sein Sohn, Graf Emanuel D., war 1814 zum Bitt-