Cumberland 54S
1797 und ward im December 1799 zum Comitatskanzlisten, und endlich 1808zum Assessor des zölyer Comitats ernannt. Erst im zwanzigsten Jahre seines Al-ters sing er an die deutsche Sprache ohne allen grammatischen Unterricht, bloßdurch Büchcrlesen, sich anzueignen. Er ging 1808 nach Wien, um die Ge-schäftsführung bei den Hosstellen kennen zu lernen. Die Kriegsereignisse vertrie-ben ihn 1809, und er folgte einem Rufe nach Pakracz in Slawonien, wohin erschon früher von dem orientalischen Bischof Putnik eingeladen wurde, als Con-sistorialsiscal und bischöflicher Secretair. Diese Ämter bekleidete er 1812 undlernte wahrend dieser Zeit auch die serbische Sprache. Er wurde 1813 Secretairbeim Grafen Franz von Schönborn und erhielt spater die Oberaufsicht über zwei Ma-joratsherrschaften desselben in Ungarn. Seine landwirthschaftlichen Amtsverhalt-nisse führten ihn zu ökonomischen Studien, deren erste Frucht „Die Bienenzuchtin Doppelstöcken" (Wien 1814 und 1815) war, die zugleich (Wien 1814) inlateinischer Sprache erschien und ins Ungarische und Slawonische übersetzt wurde.Früher gab er verschiedene praktische Hülfsbücher für die ungarischen Rechtsgelehr-ten heraus, und in der neuern Zeit hat er sich meist dem geographisch-statistischenFache gewidmet. So erschien: „Slawonien und zum Theil Kroatien (2 Bde.,Pesth 1819), „Topographisch-statistisches Archiv des Königreichs Ungarn"(2 Bde., Wien 1821), „Gemälde von Ungarn" (2 Bde., Pesth 1829), undKroaten und Wenden in Ungarn" (Presburg 1829). Er wird bald eine systema-tische Physiographie von Ungarn herausgeben. Auch hat er (Pesth 1822),MoneusIee VVersse" (Slowakische Gedichte) drucken lassen.
Cumberland (Ernst August, Herzog von), der vierte Sohn Georgs III.,geb. am 5.Jun. 1771, hielt sich mit seinen Brüdern Sussex und Cambridge einigeJahre in Göttingen auf und lebte feitdem meist in England. Er trat auf die Seiteder Torypartei, wahrend einige seiner Brüder, als sie ihren Sitz im Oberhause ein-nahmen, die entgegengesetzten Ansichten vertheidigten, und stand auch darum inder Gunst des Volkes nicht hoch. Wahrend der Krkegsjahre 1813 und 1814hielt er sich im nördlichen Deutschland auf und lernte die Schwester der KöniginLouise von Preußen, die Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelitz, kennen,die zuerst mit dem Prinzen Ludwig von Preußen und dann mit dem Fürsten vonSolms-Braunfels vermahlt gewesen war. Der Herzog vermahlte sich 1815 mitihr, seine Mutter aber war mit dieser Verbindung so unzufrieden, daß sie der Ge-mahlin ihres Sohnes den Zutritt bei Hofe verweigerte. Dies und der unglücklicheErfolg seiner Bemühungen, eine Erhöhung seines Jahrgeldes von dem Parlamentzu erhalten, verleidete ihm den Aufenthalt in England, und nach dem Festlandezurückgekehrt, lebte er seitdem gewöhnlich in Berlin. Bei den Verhandlungen überdie Emancipation der Katholiken in den letzten Regierungsjahren Georgs IV. er-schien der Herzog auf längere Zeit in seinem Vaterlands; er trat entschieden aufdie Seite der Widersacher dieser Maßregel, begünstigte die Vereine, welche sichgegen dieselbe gebildet hatten, die Braunschweig-Clubs, und die öffentliche Stimmebeschuldigte ihn einer für die Emancipationssache nachtheiligen Benutzung seinesEinflusses auf das Gemüth des Königs. Selbst als sein politischer Freund, derHerzog von Wellington, sich durch die Volksmeinung gezwungen sah, jene Maß-regel (1829) vorzuschlagen, sprach derHerzog im Oberhause mit beharrlicher Feind-seligkeit dagegen, und als der Herzog von Clarence sich ebenso kraftig dafür erklarte,indem er den Widerstand gegen die Emancipation als ungerecht und schandlich (in-s-unous) bezeichnete, gab der Herzog von C., der in dieser Rüge einen persönlichenAngriff fand, Jenem Gelegenheit zu bemerken, sein Bruder habe so lange auf demFestlande gelebt, daß er die in England übliche Freiheit der Erörterung vergessenhabe. Die Abgunst der öffentlichen Meinung gegen den Herzog zeigte sich auch beiden Parlamentsverhandlungen über den, ihm zur Erziehung seines Sohnes zu ge-