456 Closen Clossius (Familie)
Closen (Karl Heinrich Ferdinand Friedrich von), geboren 1786 zu Zwei-brücken, studwte zu Wien und Landshut, begann 1805 in Baiern seine Dienst-laufbahn, wurde 1814 zum Regierungsrath, 1819 zum Ministerialrath befor-dert und 1825 in den Ruhestand versetzt. Er widmete sich mit besonderer Vorliebeder Landwirthschaft und gründete für dieses Fach auf seinem Gute auf eigne Kosteneine Bildungsanstalt, nahm an Begründung des landwirthschaftlichen Vereins inBaiern besonders thätigen Antheil und gab 1819 eine kritische Zusammenstellungder bairischen Landesculturgesetze heraus. Schon bei dem ersten bairischen Land-tage, 1819, trat er als Abgeordneter des schriftsässi'gen Adels in die Deputirten-kammer und wohnte in dieser Eigenschaft seitdem allen Ständeversammlungen bei.Seit 1825 reihte er sich entschieden der Opposition an, und zog sich wahrscheinlichdadurch seine Pensionirung im Staatsdienste zu. Bei der Erneuerung der Wahl-kammer zum Landtage von 1831, wozu er von seiner Standesclasse wieder gewähltworden war, befand er sich unter Denjenigen, welchen, auf den Grund ihrer Staats-dienerverhältnisse, die Regierung die Erlaubnis zum Eintritt in die Kammer verwei-gert hatte. C. räumte jedoch, durch Aufgsbung seiner nicht unbedeutenden Pension,das Hinderniß hinweg und nahm in der Versammlung Platz, wo sein patriotischesOpfer ehrenvolle, dankbare Anerkennung fand. Talentvoll und mit mannichfalti-gen Kenntnissen und Erfahrungen ausgerüstet, zeichnete er sich bei diesem Land-tag abermals durch freimüthigen und populairen Vortrag aus. Sein Antrag aufbessere Sicherstellung der personlichen Freiheit, besonders gegen die Übergriffe desLinienmilitairs, erhielt die Zustimmung der Versammlung, blieb aber. wegen ab-weichender Ansichten der Adelskammer, ohne Erfolg. Auch an den Erörterungenüber Preßfreiheit und Censur, Freiheit der Wahlen, ministerielle Verantwortlichkeit,Staatshaushalt w., nahm er den lebhaftesten Antheil. Nicht ohne allen Grund tadeltman an ihm einen allzu heftigen Drang, viel und lange zu sprechen, wodurcher häufig den Eindruck feiner Darstellungen selbst schwächt; auch vermißt man, beiamsigem Haschen nach Witz, Gründlichkeit, Tiefe und Mangel an Geistesge-genwart, um unerwarteten Angriffen oder Erwiderungen zu begegnen, wobei erin Verlegenheit geräth und die parlamentarische Fassung verliert. (24)
Clossius (Walther Friedrich) ist der Abkömmling einer Familie, die indrei Geschlechtsfolgen der Literatur Deutschlands, Hollands und Rußlands ange-hört. SeinGroßvater, JohannFriedrichCloß, geb.173H zu Marbach in Wür-temberg, ging von Tübingen, wo er sich dem Studium der Arzneiwissenschaft ge-widmet hatte, als praktischer Arzt nach Honsholredyk unweit Haag, und veränderteseinen Familiennamen in Clossius. Später ließ er sich als Hausarzt der Mar-quise du Chasteler in Hanau nieder, wo er bis zu seinem Tode (1787) alsberathender Arzt einen ausgebreiteten Briefwechsel führte. Ein vielseitig ge-bildeter Gelehrter, schrieb er unter Andern auch ein lateinisches Gedicht über dieChinarinde (Leyden 1765), und machte sich um die praktische Heilkunde besondersdurch seine Schrift über die Heilung der Blattern verdient. Sein Sohn, KarlFriedrich, geb. zu Honsholredyk 1768, erhielt von frühester Jugend an seineBildung in Deutschland und starb 1797 als Professor der Anatomie und Chirur-gie zu Tübingen. Auch er hat sich durch mehre geschätzte Schriften, z. B. überden Steinschnitt, über die Lustseuche, über die Krankheiten der Knochen, bekanntgemacht. — Walther Friedrich wurde 1796 zu Tübingen geboren, woer bis 1817 die Rechte studirte und im folgenden Jahre als Privatdocent auf-trat. Nachdem er 1819 und 1820 eine Reife durch Deutschland, Frankreich undItalien gemacht hatte, ward er 1821 Professor der Rechte zu Tübingen, nahm aber1824 einen Ruf als Hofrath und Professor in Dorpat an, wo er noch lebt. Erentdeckte 1820 in der ambrosi'anischen Bibliothek zu Mailand bedeutende, bisherunbekannte Stücke des theodosianischen Coder, die er (Tübingen 1824) heraps?