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Clary und Albungen
richtlichen Arzneiwissenschaft sehr viel dazu beigetragen, daß diese Tochter der Me-dicin und Jurisprudenz in Deutschland den jetzigen Höhepunkt der Ausbildungerreicht hat. Hier wird C.'s Name noch nach Jahrhunderten genannt werden,denn seine „Beitrage zur Erkenntniß und Beurtheilung zweifelhafter Seelenzu-stände" (Leipzig 1828), sowie seine Schrift: „Die Zurechnungsfähigkeit desMörders I. C. Woyzeck nach Grundsätzen der Staatsarzneikunde actenmäßig er-wiesen" (Leipzig 1824), sind und bleiben klassische Leistungen. C., eine Zierdeder Universität Leipzig, hat viele glanzende Antrage auf auswärtige Hochschulen,;. B. auf die Universität Berlin, abgelehnt, und außer seinen Verdiensten umdie Universität und um die klinische Bildung vieler hundert junger Ärzte, große An-sprüche auf den Dank seiner Mitbürger und der Stadt Leipzig sich erworben. Erist vielfach von seinen Behörden ausgezeichnet worden, wurde 1814 Ritterdes russischen Wladimirordens und erhielt 1818 das Ritterkreuz des sächsischenCivilverdienstordens. Seine neueste Leistung ist ein Studienplan der Mediciafür junge Ärzte. Die Meinungen über denselben sind sehr getheilt. Mit Recht ver-mißt man darin die Berücksichtigung der großen Wahrheit, daß der Arzt wie derNaturforscher gebildet werden muß, und wirft demselben deshalb, vielleicht nichtohne alle Gründe, eine zu große Anhänglichkeit an das Alte vor. (2)
Clary und Aldringen (KarlJoseph, Fürst von), östreichischer Käm-merer, geboren zu Wien den 2. Dec. 1777, hatte das Glück, daselbst in einem deredelsten und gebildetsten Kreise der Welt seine Kindheit und Jugend zu verleben.Als Haupt dieses Kreises ist der berühmte Fürst von Ligne zu nennen, ein Mann,dessen Gleichen sobald nicht wiederkehren wird. Alle Feinheit und Anmuth desvornehmen Lebens, aller Geist und Witz der französischen Bildung im 18. Jahr-hundert, aller Ruhm und Glanz der größten Verbindungen, der Auszeichnung inFeldzügen und Kriegsthaten, die Fülle der schönsten geselligen Talente — allDieses war in der liebenswürdigsten Persönlichkeit, in dem gutmüthigsten Charakterund freundlichsten Wohlwollen harmonisch vereint und unerschöpflich wirksam. Indem weitesten Umfange stralten diese Eigenschaften; auf die Mitglieder der Fa-milie schienen sie gleichsam vererbt. Die Tochter des Fürsten von Ligne, dem Für-sten von Clary vermahlt, sah den verehrten Vater ihr Haus zu dem seinigen machen,zu ganzen Zeiten lebte er in diesem Familienkreise, besonders in Teplitz, der schönenClary'schen Herrschast in Böhmen, wo der gewöhnliche Sommeraufenthalt ge-nommen wurde. C. war von jeher ein Liebling des Großvaters, dem er an lie-benswürdiger Sinnesart und feiner Geistesbildung ähnlich war. Nachdem seineErziehung durch die gewähltesten Privatlehrer beendet und seine Kenntnisse durchden Besuch von Vorlesungen an der Universität zu Wien noch besonders vermehrtworden, ging er auf Reisen und besuchte Paris, die Schweiz und Italien. Nachseiner Rückkehr vermählte er sich mit einer Gräsin von Chotek, Tochter des Oberst-burggrafen von Böhmen. Seine Neigung führte ihn nicht zu den Staatsgeschaf-ten und der Laufbahn des Kriegsdienstes, sondern zum ruhigen Leben im Kreiseder Seinigen, zu wohlthuender Entwicklung geselliger Eigenschaften, zu schönerAusbildung einer mannichfachen künstlerischen Thätigkeit. Dennoch arbeitete er,um das Wesen der öffentlichen Verwaltung kennen zu lernen, nach der Rückkehrvon seinen Reisen zwei Jahre lang bei der niederöstreichischen Regierung, und spä-ter berief ihn feine Stellung mehrmals in das öffentliche Leben. Er wurde zumkaiserlichen Kammerherrn ernannt und zu mehren Ehrensendungen an fremde Höfegebraucht. Im Kriege 1809 führte er als Major und Commandant ein Landwehr-bataillon, das größtentheils aus Unterthanen der Familienherrschaften Teplitz,Graupen und Binsdorf gebildet war, und er machte diesen denkwürdigen Feldzugals ein ausgezeichneter Offizier mit. Er befand sich 1810, nach der Vermählungder Erzherzogin Marie Louise, auf einige Zeit am Hofe Napoleons und besuchte
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