432 Cholera
Krankheit Fürchtenden, die in unreinlichen, dumpfigen Wohnungen Zusammen- ^ M ^ ^gedrängten, an elende Kost Verwiesenen und an UnreinlichkeiL Gewöhnten von der ^ DiCholera befallen wurden, und daß die nächste Gelegenheit zum Ausbruche der Cho-lera am häufigsten eine Indigestion, eine Erkältung und eine Gemüthsbewegung ^abgegeben hat. Es fehlt aber nicht an Fällen, wo die Cholera ohne eine solchenähere Veranlassung bei dazu geeigneten Individuen plötzlich ausbrach. ^
Aus dem Bisherigen ist nun unschwer zu entnehmen, welches bei dem jetzigen ^DsZustande der Dinge unsere Hoffnungen und Befürchtungen hinsichtlich der Cholerawerden sein dürfen. Die früher wol auch gehegte Erwartung, die Cholera werdenicht die Grenzen Asiens, oder von Europa doch wenigstens die Grenzen des slawi- Z
schen Sprachstammes nicht überschreiten, ist längst verschwunden, und wir sehendie Krankheit bereits seit längerer Zeit im Herzen Deutschlands vorwärts schreiten. ^Der noch zurückzulegende Weg bis an die westlichen Küsten von Europa ist ge-ringer als der bisher zurückgelegte, und die in Ostindien und Rußland gemachtenErfahrungen geben keine Gewähr dafür, daß Italien und Skandinavien werdeverschont bleiben. Dennoch ist das Vorwärtsschreiten der Cholera bei uns einemLavastrome zu vergleichen, welcher anfangs reißend und verheerend, später allmälig "
erstarrt und nur langsam und unsicher, von jedem Hinderniß aufgehalten und nurstoßweise noch furchtbar und verwüstend sich fortwälzt. Ihre Macht ist gebrochen ^und bricht sich immer mehr an der mäßigern Lebensweise der mitteleuropäischen »DVölker, an dem mittlem Klima und an der zweckmäßigem Behandlung, welcheihr prophylaktisch und therapeutisch von der deutschen Medicin entgegengesetzt wird, tzWW 5die sich auch hier wieder sehr zu ihrem Vortheile gegen die englische auszeichnet. Sodürfen wir hoffen, daß die Krankheit nirgend mehr in Europa so Hausen werde, Mchm, 4wie sie in Ostindien und selbst noch zum Theil im europäischen Rußland gehauset U
hat, daß sie immer milder werden und sich allmälig der uns schon früher bekann- BckniMi»ten europäischen Cholera verähnlichen werde. Damit freilich ist die Besorgniß ver- GMDMknüpft, es werde die asiatische Cholera, wie andere Krankheiten, welche früher epi- MG»«demisch geherrscht haben, sich bei uns endemisch festsetzen oder in wiederholten klei- Ä Nil/Mnern Epidemien uns heimsuchen, oder wenigstens die europäische Cholera zu einerhäufiger vorkommenden Krankheit werden, als sie bis jetzt bei uns gewesen ist.
Wenn wir auch in einem für Nichtärzte bestimmten Werke billig die Heilme- Äthode der Cholera übergehen, als welche in arztlichen Schriften hinlänglich durchge-sprechen, nur dem Arzte von Wichtigkeit und nur ihm verständlich sein kann, so wer- ^
den wir doch die für Jedermann so wichtige Prophylaxis der Cholera, dasheißt, das Verfahren, sich gegen dieselbe zu schützen, nicht übergehen dürfen. DieProphylaxis ist theils eine solche, welche jeder Einzelne für sich und die Seinigen Mund für seine nächsten Umgebungen auszuführen vermag, theils eine solche, welche ^nur von Seiten des Staates und einzelner Obrigkeiten veranstaltet werden kann.Der Einzelne vermag viel zu seinem Schutze gegen die Cholera zu thun, nursetze er kein Vertrauen auf Präservative aller Art, welche ihm angerathen werden,sondern halte sich fest überzeugt, daß kein innerlich oder äußerlich anzuwendendesMittel bis jetzt bekannt ist, welches irgend eine prophylaktische Eigenschaft gegen W
die Cholera besitzt. Diese angeblichen Schutzmittel schaden im Gegentheil aufmannichfaltige Weife, und unbezweifelt schon dadurch, daß im Vertrauen auf ihreschützende Eigenschaft die wahren Schutzmittel gegen die Cholera verabsäum^ wer- ^
den. Diese bestehen vorzüglich in Folgendem: 1) Mäßigkeit in allen Genüssen,
Daher vermeide man alle schwächenden Ausschweifungen, Trink- und Spiel-gelage, Nachtwachen und heftige Gemüthsbewegungen; ebenso sei man vorsichtig >^>1^in der Auswahl der Speisen, ohne jedoch übertrieben ängstlich zu sein. Man ver-meide namentlich diejenigen Speisen, die wir bereits oben als schädlich bezeichnethaben, nächst ihnen aber q^ch alle diejenigen, von welchen man aus eigner früherer ^ '
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