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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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Cholera

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wickeln könne, denn wir wissen, daß diese Eigenschaft vorzugsweise den Epidemienauf ihrer Höhe zukomme. Ebenso sprach dafür das Milderwerden der Krankheit inihrem Vorwärtsschreiten, wenngleich hier andere Ursachen von nicht geringer Be-deutendheit mitwirkten. Dennoch fehlte es nicht an Einwürfen, welche gegen dieVerbreitung der Cholera auf epidemisch-miasmatischem Wege gemacht werdenkonnten; die wichtigsten darunter waren: das gleichsam eigensinnige Verschonenmancher Landstriche und Ortschaften, und zweitens das Verbreiten der Cholera denLuftströmungen entgegen und die Flußgebiete aufwärts. Beide Erscheinungenließen sich nicht aus der epidemisch-miasmatischen Natur der Verbreitung erklaren,veranlagten daher theils den Versuch, sie als Beweise für die Contagiosität derCholera zu benutzen, theils dienten sie einer dritten Meinung zur Hauptstütze: daßnämlich die Krankheit sich nicht nur durch miasmatische Verderbniß der Atmo-sphäre, sondern zugleich durch tellurische, vom Erdboden selbst ausgehende Ein-flüsse verbreite. Diese Meinung, in neuerer Zeit von mehren Seiten her geltendgemacht, erklart es an; natürlichsten, wie einzelne Gegenden und Ortschaften ver-schont werden konnten, und wie der von der Cholera bisher beschritten Weg nichteine gleichmaßig verbreitete Insertion, sondern gleichsah ein unregelmäßig vonmannichfaltigen Linien durchkreuztes Bild darstelle, wie sich die im Innern derErde wirksamen Kräfte auf der Oberfläche derselben ausprägen. Und in der Thatkann man nicht leugnen, daß der Mensch ebenso wie Pflanzen und Thiere nichtnur von der Luft, sondern auch vom Erdkörper in der Art abhängig sei, als dasorganische Leben auf der Erde kein isolirtes, sondern ein mit dem Erdkörper auf dasInnigste verbundenes ist. Diese Abhängigkeit des Besondern vom Allgemeinenzeigt sich allerdings im kranken Zustande auffallender und deutlicher als im gesun-den, und so möchte wol nicht ohne Grund angenommen werden können, daß die'große Verbreitung der Cholera zunächst von zwei wichtigen allgemeinen Momen-ten, den tellurischen und atmosphärischen Verhältnissen, ausgehe, daß diese Verbrei-tung aber wol auch unterstützt werde durch ein Contagium, welches zwar nichtüberall und nicht unter allen Umständen der Cholera zukommt, aber auf der Höheihrer Epidemien sich ebenso bilden kann, wie wir dies auf der Höhe anderer Epi-demien gewahr werden. Der Einfluß dieser drei Agentien zur Herv orbringungder Krankheit ist aber kein unbeschränkter, und die Beschränkung desselben scheintzuzunehmen, je weiter die Cholera nach Westen vorrückt. Es scheint nämlich dasZusammentreffen mehrer Bedingungen nothwendig zu sein, um ein Individuumfür jenen Einfluß empfänglich zu machen, oder, wie man sich ausdrückt, in ihmeine Anlage oder Pradisposi'tlon zur Cholera zu begründen. Diese Bedingungensind: Schwächung des Körpers überhaupt durch Ausschweifungen, Nachtwachen,Blutverlust, niederdrückende Gemüthsbewegungen, überstandene Krankheitenu.s.w.; ferner kränkliche Beschaffenheit des Magens und Darmcanals durchVöllerei und namentlich durch den Misbrauch des Branntweins und der schwerenRothweine, durch den Genuß schwerverdaulicher oder allzu kühlender und schwä-chender Nahrungsmittel, wie Fett, Speck, Fische, fettes Fleisch, Käse, Mehlklöse,Melonen, Gurken, unreife Früchte u.s.w., durch den Genuß verdorbener undIchlechter Nahrungsmittel und durch Überladungen aller Art; ferner der Aufent-halt in sumpfigen Gegenden, in feuchten, dunkeln, dem frischen Luftzuge und demSonnenlichtejunzugänglichen, mit Menschen überfüllten und mit unreinen Ausdün-nungen behafteten Wohnungen; ferner endlich Unreinlichkeit am eignen Körperund an seiner Bekleidung. Daß diese Bedingungen in der That die Wirksamkeitder allgemeinem Einflüsse zur Hervorbringuug der Cholera unterstützen, geht schondaraus hervor, daß am meisten die Schlemmer und Säufer aus den niedersten so-ssol als aus den höchsten Standen (beide zahlen deren mehr als dst. mittlem), dieGeschwächten und Ausschweifenden, die Verzagtesten und sich am meisten vor der