Cholera 433
Erfahrung weiß, daß sie nicht zu bekommen pflegen, ein Umstand, der nicht beiallen Personen auf gleiche Weise sich zeigt; blähende, Saure erzeugende, schwer-verdauliche, stark kühlende Speisen werden am meisten zu vermeiden sein. Über-ladung des Magens durch Speise und Trank vermeioe man ganzlich, von den Ge-tränken insbesondere den Branntwein, schlechte, junge, säuerliche Weine, Obst-wein, Most, schlechte, unausgegohrene, nicht gehörig gehopste Biere. 2) Rein-lichkeit des eignen Körpers und seiner Bekleidung sowol als auch der Wohnung.Dahin gehört öfteres Waschen des ganzen Körpers, Baden, öfterer Wechsel derLeid- und Bettwäsche, schnelle Entfernung aller Unreinlichkeit aus den Wohn-stuben, Schlaf- und Kinderstuben, täglich mehrmal wiederholtes Lüften durchÖffnen der Fenster, Rein- und Verschlossenhaltcn der Gossen und Abtritte, Ent-fernung aller unnützen Hausthiere aus den Stuben, namentlich der für die Ge-sundheit der Menschen überhaupt so schädlichen Hunde, vorsichtige Anwendungder Chlor - und Essigdämpse. 3) Gleichmut!) und Heiterkeit der Seele. Verban-nung aller unnützen Furcht vor der Cholera, Vertrauen und muthige Fassung beiherannahender Gefahr und ein gleich weit von Leichtsinn sowol als von Klein-muth entferntes Betragen muß um so mehr als ein wichtiges Schutzmittel ange-sehen werden, als die Erfahrung bisher gelehrt hat, daß gerade diejenigen Men-schen, welche in kleinlichem Egoismus alle denkbaren Vorkehrungen hervorsuchten,um nur ihre Person bei der allgemeinen Gefahr in Sicherheit zu bringen, die erstenOpfer der Cholera wurden. Auch hier heißt es i Wortes sortuna invut, und eineallzu ängstliche Scheu ist ebenso unwürdig als unnütz, lähmt unsere Thätigkeitfür den Nebenmenschen bei herannahender Gefahr, ohne uns selbst einen Schutzzu gewahren. 4) Vermeidung aller Erkältung, insbesondere des Unterleibes undder Fuße. Daher ist möglichste Vorsicht bei dem so nothwendigen Waschen undBaden und bei dem Wechsel der Wäsche anzuempfehlen, und schon aus diesemGrunde ist das übermäßige Einhüllen und Warmhalten schädlich, weil eine so ver-zärtelte Haut am meisten den Erkältungen ausgesetzt ist. Das Schlafen im Freien,das Niederlegen in das Gras oder auf kühle Steine oder die feuchte Erde, dasWandeln in später, und namentlich feuchter Abendluft, ist wenigstens den nichtdaran Gewöhnten zu widerrathen. 5) Hinlängliche, dem Körper, den Kräftenund der Gewohnheit angemessene Bewegung in freier Luft ohne übermäßige Er-müdung oder Erhitzung; Sorge für tägliche Leibesössnung; überhaupt eine so we-nig als möglich von der gewohnten abweichende, nur die Schädlichkeiten derselbenvermeidende und unterlassende Lebensweise. Irgend bedeutende Abweichungenvon dem gewöhnlichen Befinden sind bei dem Herannahen der Cholera nicht alsgleichgültig zu betrachten und erfodern die Berathung eines Arztes. 6) Endlichist es wol der Pflicht gegen sich und die Seinigen angemessen, sich den an derCholera Erkrankten nicht ohne die nöthige Vorsicht zu nahen, so wenig man sichdurch eitle Furcht von irgend einer Pflichterfüllung gegen diese der Hülfe und derZuspräche so bedürftigen Leidenden darf abhalten lassen. Man gehe nicht nüchternzu dem Kranken, und wo möglich nicht bei dem eignen Gefühle von Unwohlfeinoder Erschöpfung, nahe sich demselben aber ohne Furcht, und vermeide nur das all-zu lange Verweilen an dem Bette desselben, sowie das Einfchlucken des aus dem ge-lüfteten Deckbett aufsteigenden Dunstes, der Ausdünstung und des Athems desKranken. Man vermeide in dem Krankenzimmer das Tabackfchnupfen, weil da-mit am meisten schädlicher Krankendunst eingesogen wird, auch schlucke man deneignen Speichel nicht hinab. Nach dem Besuche wird es gut sein, sich umzuklei-den und wenigstens Gesicht und Hände sorgfältig zu reinigen, wozu allenfalls auchChlorkalkauflösung oder Essig benutzt werden kann. Von andern früher auchvorgeschlagenen Vorsichtsmaßregeln bei dem Besuchen von Cholerakr.mken, z. V.Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. I. 28