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Cholera
rung gekommen war, auch von dem Typhus befallen wurde, wie nicht nur Kranken-warter und Angehörige, sondern auch Ärzte, Wundarzte und Apotheker der An-steckung unterlagen, der wird bald gewahr werden, daß der asiatischen Cholera einesolche Ansteckungsfähigkeit nicht zukommen kann. Schon die verhältnismäßigsehr geringe Zahl der an der Cholera erkrankten Ärzte, bei allem Eifer, mit welchemsie sich der Beobachtung und Behandlung der Krankheit gewidmet haben, und beider großen Anstrengung, welche dabei von ihnen gefodert wurde, spricht dafür, undebenso sind Ehegatten, Haus - und Stubengenossen der Cholerakranken oft ver-schont geblieben. Auch darf man es nicht unbedingt dem Contagium zuschreiben,wenn in einem Hause oder einer Familie mehre Personen nach und nach an derCholera erkrankten, da dieselben ja hinsichtlich der Lebensweise, Kost, Bekleidungu. s. w. denselben Einflüssen ausgesetzt waren. Möge daher auch der Cholera wirk-lich ein Ansteckungsstoss zukommen, so ist seine Wirksamkeit dennoch eine allzubeschränkte, als daß man ihm allein oder auch nur vorzugsweise die so große Ver-breitung dieser Krankheit zuschreiben könnte. Nächstdem stehen einer solchen Mei-nung noch manche andere Gründe entgegen. Die asiatische Cholera ist in Ost-indien schon seit mehr als hundert Jahren bekannt, lebhafter Verkehr mit jenenLandern bestand in dieser ganzen Zeit nicht weniger als jetzt, Vorkehrungengegen die Verbreitung der Cholera, wie man sie schon seit mehren Jahren unter-nimmt, hat man damals nicht getroffen: und so ist es schwer einzusehen, warumnicht früher schon eine.Verschleppung nach Europa stattgefunden hat, sondernjetzt erst. Nicht überall läßt sich auch die geschehene Einschleppung der Choleradurch Menschen, die aus insicirten Gegenden kamen, nachweisen-, in vielen Städ-ten (z. B. in Hamburg) hat sich dieselbe selbständig entwickelt, viele kleine Ort-schaften in Schlesien und Ostpreußen wurden von der Cholera heimgesucht, wäh-rend größere Städte mit lebhaftem Verkehre ganz oder wenigstens lange Zeit ver-schont blieben. Die sorgfältigst gezogenen und geschlossenen Cordons, selbst inebenen Gegenden und an Flüssen hin, haben das Fortschreiten der Cholera nichtaufzuhalten vermocht, ebenso wenig als in insicirten Städten sich Einzelne durchdie sorgfältigste Jsolirung gegen die Krankheit schützen konnten. Wenn man da-gegen immer anführt, daß ja doch die Verbreitung der Cholera vorzugsweise denHeereszügen und großen Handelsstraßen gefolgt sei, und hiervon einen vermeint-lich sehr starken Beweis für die durch Ansteckung geschehende Verbreitung her-nimmt, so wird dabei ganz übersehen, daß bei Heereszügen und auf g-roßen Han-delsplätzen gerade diejenigen Bedingungen in reichem Maße vorhanden sind, unterwelchen die Cholera bei deu einzelnen Individuen vorzugsweise gern sich einzustellenpflegt: Mangel, schlechte Nahrung, Überfluß, Völlerei, Gemüthsbewegungenaller Art, frühzeitig entnervte, geschwächte, der Natur entfremdete Körper, unddaß es demnach nicht Wunder nehmen dürfe, wenn der Weg des Krieges und desWelthandels auch zugleich der der Cholera ist; einer Ansteckung bedarf es dazunicht so unumgänglich. Diese Betrachtungen und der sehr merkwürdige Umstand,daß man in den bis jetzt befallenen europäischen Orten immer nur so lange vonContagiosttät der Cholera sprach, als diese noch nicht selbst an dem Orte erschienenwar, bei dem Ausbruche derselben aber seine Meinung änderte, haben denn der An-sicht von einer epidemisch-miasmatischen Verbreitung ziemlich allgemein den Vor-zug verschafft. Diese Ansicht setzt die Ursache der Choleraverbreitung in eine vonallgemeinen kosmischen oder tellurischen Verhältnissen abhängige Luftverderbniß,und hat allerdings außer Dem, was gegen die Contagiosttät gesagt werden kann,auch Das für sich, daß die Cholera in ihrer Verbreitung vorzüglich den Flußgebietengefolgt ist, und daß sie, wie viele andere Epidemien vor ihr, den Zug nach Westengenommen hat. Auch vereinigt sich mit dieser Ansicht sehr leicht das Zugeständ-nis daß die Cholera unter manchen Umständen wirklich einen Ansteckungsstoff ent-
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