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bedeutender Erkältungen beim kalten Bade, bei ungewohntem Schlafen im Freienund auf feuchtem Grase, oft eine Folge von Diätfehlern, von dem Genüsse desMostes, junger Weine, schlechter hefiger Diere, unreifen Obstes, mancher Fisch-eier, mancher Pilze und anderer verdachtiger Speisen und Getränke. Ganz anders sinddie Verhältnisse jener Brechruhr, welche, ursprünglich in Ostindien erzeugt, sich seitungefähr 15 Jahren immer weiter nach Westen verbreitet, einen großen Theil desöstlichen Europa bereits durchstrichen hat und selbst bis in die Mitte Deutschlands,nach England und Frankreich schon gedrungen ist. Diese Brechruhr nennt man,zum Unterschiede der bei uns bekannten europäischen Cholera, die ostindische oderasiatische Brechruhr oder Cholera, und nur von dieser wird hier die Rede sein.
Die asiatische Cholera hat in den verschiedenen Gegenden, welche siebis jetzt auf ihrem später zu beschreibenden Wege betreten hat, nicht immer genaudasselbe Krankheitsbild gezeigt, wenngleich ihre Hauptzüge überall diest-lben geblie-ben sind. Ursachen dieser Verschiedenheit ihrer äußern Form waren theils die ver-schiedenen klimatischen Verhältnisse selbst, theils die verschieden^ Lebensweise derErkrankenden, theils die mannichfaltige BeHandlungsweise der Ärzte, theils endlichäußere Verhältnisse zufälliger Art, wie Krieg, Theurung, Miswachs, ungewöhn-lich grdße Hitze und Kalte, beunruhigende Spannung der Gemüther u. s. w. Sohat die asiatische Cholera m ihrem Vorschreiten bis in unsere Gegenden ihren Cha-rakter sehr verändert und im Ganzen allerdings gemildert, wenn vielleicht auch einebessere Erkenntniß der Krankheit von Seiten der Ärzte einigen Antheil hat. Ab-gesehen von dieser mehr allgemeinen Verschiedenheit des Krankheitsbildes der asia-tischen Cholera, kommen demselben aber auch alle diejenigen besondern Abänderun-gen zu, welche jede Krankheit in den einzelnen Individuen zeigt, und welche ebenvon der besondern Individualität des Kranken und seiner Lebensverhältnisse abhän-gen. Hiernach ist das hier folgende Krankheitsbild zu beurtheilen, wobei aller-dings die uns mehr bekannt gewordenen Formen der Krankheit in Europa vor-zugsweise berücksichtigt worden sind. Das früheste Zeichen der asiatischen Cholerapflegt ein eigenthümliches Gefühl von Druck und Schwere in der Herzgrube undden nahgelegenen Seitentheilen des Körpers zu sein, nachdem oft ein gelber Belegder Zunge, Verdauungsstörungen, unruhiger Schlaf, Kraftemangel u. dgl. Erschei-nungen eine Zeitlang vorausgegangen sind: Vorboten der Krankheit, welche aberauch fehlen können. Bald gesellt sich ein Gefühl von Schwache und krampfhaftemZiehen in den Knien und Waden hinzu, welches wol auch, mit der Empfindungdes Starrens in diesen Theilen verbunden, das plötzliche Hinstürzen der Erkran-kenden veranlaßt. Das Gesicht ist graugelb, livid, erdfahl anzusehen, fallt na-mentlich im weitern Verlaufe der Krankheit sehr ein, an den Schlafen und Wan-gen bilden sich tiefe Gruben, die Augen sind tief in ihre Höhlen zurückgezogen, vonden Augenlidern halb bedeckt, bisweilen mit den Pupillen nach oben verdreht, dieLippen und Nasenflügel bekommen ein bleiches, blauliches Ansehen, und die Zahne,von den Lippen nicht gehörig bedeckt, treten sichtbarer hervor. Ehe es aber' zurvollständigen Ausbildung dieses charakteristischen Gesichtsausdruckes (man hat ihntacies ckoleriea genannt) kommt, treten die anderweitigen Hauptsymptome derKrankheit auf, nämlich Erbrechen und Durchfall. Der letztere stellt sich in derMehrzahl der Falle früher ein als das crstere; er erfolgt nach vorhergehendem Kol-lern und Poltern im Unterleibe plötzlich, und entleert anfangs noch Darmkoth, spa-ter eine wcijWlbliche, schleimige, geruchlose Flüssigkeit, wiederholt sich sehr oft, aberohne Schmerzen und Stuhlzwang. Ebenso entleert das Erbrechen anfänglichnoch die in dem Magen enthaltenen Stoffe, Speisereste mit Galle und Schleim,spater ebenfalls nur eine weißliche geruchlose Flüssigkeit; die Entleerung geschiehtreichlich und, wenigstens später, ohne vieles Würgen. Die Harnabsonderung istsparsam, das Athmen ungehindert, das aus der Ader gelassene Blut ist dick und