Cholera 425
dunkel gefärbt, der Puls ist unregelmäßig, meistens klein, unterdrückt und im An-fange maßig beschleunigt. Die Sinnesempsindung ist noch ungestört, das Be-wußtsein vorhanden, die Stimmung traurig, abgespannt und muthlos. Bei demweitern Fortschreiten der Krankheit und anhaltend fortdauerndem Erbrechen undDurchfall sinken die Kräfte außerordentlich schnell, das Gesicht verfällt mehr, dieHautfarbe geht mehr in das Blaue über, die Haut wird welk und zeigt Runzelnund Längcnfalten, das Auge wird trübe und trocken, zeigt Blutunterlaufungenund fallt immer tiefer in seine Höhle zurück. Die Zunge wird trocken und kühl,der Durst sehr heftig und peinlich, die Stimme erhält einen eigenthümlichen, kla-genden, zitternden Ton (vor ctwlericu), das Sprechen ist erschwert, die Wortewerden hastig und gleichsam ungern herausgestoßen, das Athmen ist etwas be-klommen und beschränkt. Der Puls wird schwächer, endlich ganz unfühlbar, dasBlut fließt nur schwer aus der geöffneten Ader, ist dick, zähe, sehr dunkel gefärbt undtrennt sich beim Stehen nicht, wie sonst, in Blutwasser und Blutkuchen. Hierzukommen noch die bald früher, bald später eintretenden Krämpfe der Gliedmaßen,wodurch dieselben bald steif gestreckt erhalten, bald in furchtbarem Wechselkrampfebewegt und geworfen werden. Geht die Krankheit in Genesung über, wozu nachVerschiedenheit der Fälle bisweilen nach sechs oder acht Stunden, bisweilen nach24 Stunden und darüber der Anfang gemacht wird, so fangt die Haut an wiederwärmer und voller zu werden, ihre widernatürliche Färbung zu verlieren, der Pulshebt sich, und es stellen sich allgemeine, warme Schweiße ein, während zugleich derDurchfall und das Erbrechen seltener werden, und diese Ausleerungen eine mehrgallige, gefärbte .Beschaffenheit annehmen. Dabei verliert auch das Gesicht dendurch die Krankheit bekommenen Ausdruck, die Zunge wird feucht, der Durst min-dert sich, die Sprache wird natürlicher, das Athmen freier. So sind die Krankenoft in fünf bis acht Tagen im Stande, wieder umherzugehen, und bei guten Kräf-ten, wenn sie nicht durch unbedeutende Nachkrankheiten oder Nachwirkungen man-cher Mittel daran gehindert sind, denn die Kräfte kehren in solchen Fallen ziemlichschnell zurück. Der tödtliche Ausgang erfolgt theils auf der Höhe der Krankheitselbst, theils durch manche Nachkrankheiten. Auf der Höhe der Krankheit trittder Tod oft sehr plötzlich und unerwartet, selbst nachdem der Kranke anscheinendsich etwas besser befindet, eben noch gesprochen, getrunken hat und völlig bei Be-wußtsein war, ein, oder der Tod zeigt sich bei zunehmender Angst und Brust-beklemmung, immer dunkler sich färbender Haut, schwächer und unsicherer werden-dem Pulse, völliger Lähmung und Marmorkälte der Gliedmaßen, unauslöschlichemDurst und größerer Veränderung der Gesichtszüge; das Verscheiden ist ruhig,gleichsam aus Erschöpfung, nur selten unter Irrereden und Verstandesverwirrung;häusig ist der Tod dem beim Schlagflusse ähnlich. An Nachkrankheiten der Cholerasterben besonders Diejenigen, welche in typhöse Fieber (Nervensieber mit schlaf-süchtiger Betäubung) verfallen, und hier erfolgt der Tod erst nach mehren Tagenund Wochen; der Tod auf der Höhe der Krankheit kann aber schon nach 8, 12oder 48 Stunden nach dein Eintritte derselben erfolgen. Das Verhaltniß derTobten zu den Erkrankten, also die eigentliche Sterblichkeit der Cholera, ist nichtnur an verschiedenen Orten, sondern auch an demselben Orte zu verschiedenen Zei-ten verschieden gewesen, und zu sehr von äußern Zufälligkeiten abhängig, als daßsie in ein allgemein bestimmtes Endergebnis gefaßt werden könnte; je weiter siebis jetzt nach Westen vorgeschritten ist, desto geringer scheint das Verhältniß derTobten zu den Eckrankten geworden zu fein, wenngleich es in der Regel noch im-mer ein ziemlich großes ist. In den Leichen zeigte sich unter einer großen Mannich-^ faltigkeit von Erscheinungen noch am beständigsten die Entmischung des Blutesund die Spuren von ungleicher Blutvertheilung, übrigens weder Entzündungnoch Verschwörung im Darmcanale. Das hier gegebene Krankheitsbild läßt